Leben

Aus der Schmoll-Ecke Hauptsache, die Puff-Mutter ist nun geimpft

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Unser Kolumnist versucht sich in Optimismus: Am Ende wird alles gut!

(Foto: Thomas Schmoll)

Man muss es so sagen: Berlin hat die weltbeste Landesregierung. R2G steht für Ruhe hoch 2 und Gelassenheit. Universelle Lichtgestaltin ist die Gesundheitssenatorin. Sie sorgt mit dafür, dass alle Spaß am Chaos haben. Auch unser Kolumnist.

Geschätzte Leser innen, außen und mitten im Leben, falls sie nicht gerade tot umfallen vor Schreck oder Lachen, wenn Sie meinen Quatsch lesen. Überlegen Sie sich das mit dem Sterben bitte unbedingt noch einmal. Denn ich habe frohe Kunde: Nach Corona wird alles besser, wie es schon nach den schlimmen Pestepidemien im Mittelalter der Fall war, wegen denen die Taschenuhr erfunden wurde, damit jeder besser die Ausgangssperre einhalten kann, während ein Impfstoff für Leute unter und über 60 Jahre entwickelt wird, den es übrigens bis heute nicht gibt, wie es auf der Internetseite des RKI heißt: "Stand: 17.10.2017". Aber wer trägt heutzutage auch noch Taschenuhr? Ich kenne niemanden.

Abgesehen davon: Die Pest hat eindeutig gezeigt, dass es auch ohne Impfstoff, Warn-Apps und Podcasts von Dr. Drosten geht. Man muss nur dafür sorgen, dass sich das Übel verpisst, im Boden verschwindet - entweder vor Scham oder weil wir es jagen. Wir sollten also den Druck auf das fiese Virus erhöhen. Wie Sie vermutlich wissen, leben Ratten schon seit einiger Zeit konsequent unter der Erde, wobei man in meinem Wohnort Berlin bisweilen den Eindruck gewinnen kann, dass sich nicht alle Exemplare dieser langschwänzigen Art an die Aufenthaltspflicht im Untergrund halten. Doch ist das ein anderes Thema, auf das ich nicht näher eingehen will, zumal Ratten - im Gegensatz zu mir - keine Sympathieträger sind.

Der Verweis auf das gute Ende der Pest kommt nicht von ungefähr. Mich bat ein Leser freundlichst darum, auch mal Zuversicht auszustrahlen, was für mich, den Sehr-Gutmenschen, so leicht ist wie für Angela Merkel, Fehler einzugestehen. Es kommt alle 16 Jahr vor. Aber nun ist es so weit. Ich kann Ihnen sagen: Alles wird gut! Die Welt wird nicht untergehen! Jawoll, ich lege mich hiermit offiziell fest. Auch persönlich habe ich Grund zum Optimismus. Denn mir fehlen nur noch wenige Jahre, bis mir Astrazeneca in den Arm gedrückt wird. Sie wissen, das ist der Impfstoff, der erst ungeeignet war für Senioren und nun mordsmäßig bei Alten funktioniert.

Wer in Berlin lebt, kann gar nicht anders, als heiter durchs Leben zu gehen. Wir haben nämlich die weltbeste Landesregierung. Sie besteht aus SPD, Grünen und Linke und wird liebevoll R2G genannt, was für Ruhe hoch 2 und Gelassenheit steht. R2G richtet mit ihren Entscheidungen so viel Chaos an, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Sie ist so toll, dass ich Berlin gerne ein Toll-Haus nenne. Während Armin Laschet Ostern zum Nachdenken nutzen will, übt sich R2G im Querdenken. Man könnte es so machen, oder so, vielleicht doch anders oder auch alles sein lassen. Schauen wir mal. Ist ja noch Zeit bis zur achten Welle.

Universelle Lichtgestaltin und Mitgliedin der SPD

Ein bisschen Spaß muss sein - auch in der Pandemie: Dieser Tage hat es die weltbeste Landesregierung fertiggebracht, die aktuelle Corona-Verordnung gleich in zwei verschiedenen Fassungen zu veröffentlichen. Denn R2G mag die Vielseitigkeit, das Bunte, das Diverse, die Turbulenz. Keiner wusste mehr, was nun gilt. Und wissen Sie was? Es interessiert in dieser Stadt auch niemanden (mehr). Solange die Gendersterne am Himmel pling-pling machen, ist alles in Ordnung. Die Wiesen der Parks an den warmen Tagen waren rammelvoll mit Menschen, die für rammelvolle Krankenhäuser sorgen, sich hinterher über den Kapitalismus beschweren, weil der die Pflegekräfte bis zum Anschlag schuften lässt, und erneut R2G wählen.

Universelle Lichtgestaltin der weltbesten Landesregierung ist Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, Mitgliedin in der SPD und im Aufsichtsrat der landeseigenen Krankenhauskette Vivantes. Die wortgewaltige Pflege-Bloggerin Monja Schünemann sagt über Kalayci: "Sie hatte die fragwürdige Idee, die Zeitarbeit zu verbieten. Ausgerechnet der Sammelpool, in den sich Pflegende flüchten, bevor sie vollends in den Sack hauen, wollte sie ausräuchern, um die Leute zurück in die Monopolhäuser (von Vivantes) zu treiben." Und ansonsten? "Die Senatorin ist damit beschäftigt, in Sachen Impfstoffen nichts auf die Reihe zu kriegen."

Böse Worte über eine Lichtgestaltin. Dabei hat Kalayci "die Einrichtung und den Betrieb von 31 Teststationen mit flankierenden Dienstleistungen" auf den Weg ins Glück gebracht. Erst ohne Ausschreibung, dann doch besser mit. Nach einem Bericht des "Tagesspiegel", der - hier sag ich es mal ausdrücklich: keine Ironie - von einer drögen wieder zu einer sehr lesenswerten Zeitung geworden ist, nennt die weltbeste Landesregierung darin "einen geschätzten Gesamtwert von genau 83.473.177 Euro". Achtung! "Also rund 66 Millionen Euro mehr, als die Tarife der Testverordnung vorschreiben." Laut "Tagesspiegel" hatte Kalayci Mitte März noch 49 Millionen Euro als "Maximalszenario" beantragt.

Wer Berlin kennt, ahnt, dass mit dem Betrag am Ende 2000 Krankenhäuser in Afrika hätten gebaut werden können. Der Öffentlichkeit erklären wird das die weltbeste Pressestelle, nämlich die von Kalayci. Eine RBB-Kollegin formulierte es so: "In Krisenzeiten muss Politik zuverlässig und zeitnah informieren, um glaubwürdig zu sein. Bei der Berliner Gesundheitsverwaltung fließen Informationen allerdings zäh und äußerst spärlich - egal ob an die Presse oder an Mitarbeiter, die gegen die Pandemie kämpfen."

Formulieren Sie gefälligst konkreter!

Zwei Beispiele aus eigener Erfahrung. Der Verband der Zeitarbeitsunternehmen beklagte sich Mitte Januar in einem offenen Brief an die "sehr geehrte Frau Senatorin", dass Pflegekräfte, die ihre Einsatzorte ständig ändern, in Berlin "im Unterschied zu anderen Bundesländern keine Möglichkeit haben", eine Impfung zu erhalten, weil Kliniken und Altenheime nur festangestelltes Personal spritzten. Ich hatte davon durch Zufall erfahren und fragte nach: "Können Sie sich bitte zu den Vorwürfen äußern? Stimmt die Darstellung? Woran hapert es?" Keine Antwort. Sechs Tage später hakte ich nach. Am 21. Januar bat die Pressestelle "um Nachsicht. Dies ist dem hohen Anfrageaufkommen geschuldet. Zugleich bitten wir Sie, uns konkrete Fragen zu stellen." Das habe ich sofort getan. Auf die Antwort warte ich bis heute. (Danke, hat sich erledigt.)

"Tagesspiegel" und die Springer-"BZ" berichteten übereinstimmend, dass der Chef eines Berliner Pflegeunternehmens Blanko-Einladungen zum Impfen an den Betreiber eines Bordells geschickt habe. Der Text dazu: "Deinem Bruder, seiner Frau und für dich." Angeblich sollte eine andere Firma des Puff-Betreibers Pflegeeinrichtungen mit Essen beliefern. Der Vertrag sei nicht zustande gekommen.

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Ich dachte, prima Geschichte, die mache ich, und fragte am 18. März bei der weltbesten Pressestelle nach, ob das stimme. Sie antwortete extrem schnell. "Wir haben umgehend die Prüfung eingeleitet. Wir informieren, sobald wir Ergebnisse haben." Ich dachte: Nee, das geht nicht - und stellte Nachfragen: "Was wissen Sie über den Fall und ist er einer für die Ermittlungsbehörden? Erstatten Sie Strafanzeige? Gehen Sie der Sache nach? Wenn ja, wie? Hat das Unternehmen mit Sanktionen zu rechnen?" Die Antwort kam wieder sehr schnell: "Wir prüfen in jeder Hinsicht und informieren dann." Am 26. März erkundigte ich mich nach dem Stand der Dinge. Auf die Antwort warte ich bis heute.

Ich weiß, es gibt viel zu tun in Pressestellen einer Gesundheitspolitikerin und wohl auch wichtigere Dinge als einen Bordell-Betreiber. Aber dünn oder gar nicht zu antworten - ich weiß nicht. Egal: Hauptsache, Puff-Vater, Puff-Bruder und Puff-Mutter sind inzwischen geimpft. Hoffentlich mit Astrazeneca.

Quelle: ntv.de