Leben

Aus der Schmoll-Ecke Hilfe, nach "Omagate" folgt Genderskandal!

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Nicht jede Oma sorgt für so viel Ärger wie jene aus dem WDR-Lied.

(Foto: imago images/Westend61)

Ein Shitstorm jagt den nächsten. Kein Wunder. Erst lässt der WDR die Umweltsau raus, dann zeigt die ARD eine politisch nicht korrekte Märchenverfilmung. Die Welt wäre besser, würden sich alle ein Beispiel an der Oma unseres Kolumnisten nehmen.

Geneigte Leserin, buckliger Leser, willkommen zu meiner neuen Kolumne! Oh je, schon wieder ein Angriff auf die Alten, die Buckligen, die eine Minderheit im Land darstellen und auch Rechte haben. Respektlos! Ich bedauere die Anrede zutiefst und entschuldige mich in aller Form bei allen, die sich verletzt fühlen, und beteuere, dass es nicht meine Absicht war. Ich liebe doch alle, alle Menschen. Schwache und starke. Arme und reiche. Ganz besonders Rentner. Und Frauen. Und Babys. Und Männer. Eben alle.

Ich erinnere mich an den bestimmt 40 Jahre alten Witz von Otto Waalkes. Er tritt in einem Seniorenheim auf und fragt die betagten Herrschaften: "Seid ihr alle daaaa?" Die Dödel antworten brav mit einem langgezogenen "Jaaa!" Da sagt der fiese Otto: "Aber nicht mehr lange!" In der Version von Fridays for Future geht der Scherz so: "Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei." Aufregung! Shitstorm! Weltuntergang!

Dürfte Otto diesen Knaller heute noch im Fernsehen vortragen, sagen wir im WDR? Natürlich nicht. Es gäbe den nächsten Shitstorm, was zu gut Deutsch "Scheißsturm" heißt. Wundert es da noch jemanden, dass zunehmend der Eindruck entsteht, die Welt sei voll(er) Kacke. Und damit sind nicht die Hundeauslaufgebiete Berlins gemeint.

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Aber was schreibe ich hier schon wieder für einen unglaublichen Blödsinn zusammen? Und das auch noch in Fäkalsprache. Da kriege ich bestimmt wieder Lesermails der Marke: "Sie möchten dringend polarisieren." Oder gerne auch: "So viel Dummheit und Verlogenheit in einem einzigen 'Journalisten' versammelt. Und jetzt dürfen Sie mich gerne mal dort, wo die Sonne nur selten scheint." Der Mann meinte damit, glaube ich, seinen Arsch. Sie sehen, geneigte Leserin und buckliger Leser, das Thema Scheiße ist in der Welt. (Das waren übrigens Originalzitate aus Leserzuschriften.)

Ich kehre jetzt besser wieder zur Nachricht "Otto löst mit Rentner-Witz Shitstorm aus" zurück. Heiliger Bimbam, würde da die Post abgehen. WDR-Intendant Tom Buhrow müsste das Video aus der Mediathek nehmen, sich bei Rentnern entschuldigen und umgehend klarstellen, dass diese Entscheidung nicht auf Druck von Linkspopulisten, Rechtspopulisten, Querfrontpopulisten und schon gar nicht von - jetzt kommt ein Kalauer - Altkommunisten und Altnazis (verstehen Sie: alt - Rentner) beruhe, auch wenn Mechanismen einer Mobilisierung erkennbar gewesen seien. "Aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind. Und da hatten wir wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon. Uns war sofort klar, diese Menschen waren nicht Teil einer orchestrierten Sache."

Rüstet sie aus mit Flöten!

Exakt so hatte sich Herr Buhrow schon geäußert, als der WDR-Kinderchor das Lied von "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" zum Besten gab, aber nach wenigen Stunden am Weitersingen gehindert wurde. Wieso orchestriert? Ich denke, die Jungen und Mädchen des WDR-Kinderchores wurden instrumentalisiert. Ich gestehe, begeisterter Anhänger der Idee zu sein, Kinder zu instrumentalisieren. Rüstet sie aus mit Flöten, Gitarren, Violinen und Klavieren. Dann haben sie etwas Schönes zu spielen und machen keinen Unfug.

Ich gehörte nicht zu den Anrufern beim WDR. Denn meine Oma ist schon ziemlich lange tot. Allerdings hätte ich guten Grund, dem WDR meine Meinung zu geigen, weil sie garantiert keine Umweltsau war. Sie hatte ihr ganzes Leben lang keinen SUV, nicht mal einen Trabant. Noch mit 80 Jahren fuhr sie mit dem Fahrrad und immer nur mit Straßenbahn und Bussen, was in der Ostzone ein ziemlich kühnes Unterfangen war, da der Fahrplan eher Symbolcharakter hatte, falls er denn überhaupt aushing und lesbar war.

Meine Großmutter hatte keinen Biomüll, weil sie den nicht brauchte. Sie ließ nichts verkommen. Geheizt hat sie selbst im Winter nur die Küche ihres Hauses, da sie dort an einem Herd kochte, der in den Kachelofen integriert war. Alle anderen Zimmer blieben kalt. Denn meine Oma war entweder auf Arbeit oder auf ihrem kleinen Feld oder im Garten ernten, Unkraut jäten, säen oder Kirschen oder Äpfel pflücken. Und war sie doch im Hause, zog sie sich lieber einen Pullover mehr an oder legte sich eine Decke mehr auf den Leib.

Tja, junge Leute von Fridays for Future, nehmt euch mal ein Beispiel an meiner Großmutter. Verzichtet nicht nur auf einen SUV, sondern auch aufs Heizen im Winter und zieht euch einen Strickpullover aus fair gehandelter und nicht im Flugzeug aus Bangladesch transportierter Wolle an.

Kürzlich trafen sich die Greta-Jünger_innen zu einem Kongress in Hamburg. Das Jugendportal "Bento", bekannt für ausgewogenen Journalismus, berichtete darüber. In dem Artikel wurde ein 18-Jähriger mit den Worten zitiert, dass "manche der früheren Organisatoren" mittlerweile ausgestiegen seien oder weniger machten - "zu viel Stress". "Manche" seien kurz vor dem Burnout gewesen, weil sie so viel Zeit in die Klimabewegung gesteckt hätten. Die Arbeit sei nervenzehrend, stundenlang werde in Telefonkonferenzen geredet, "aber nicht wirklich mit Inhalt".

Ein bisschen inhaltslos schwätzen

Mensch - ich duze einfach mal -, ihr Glücklichen, müsst ihr Zeit haben. Stundenlang inhaltslos zu schwätzen, das erinnert mich an meine Therapiestunden bei meiner Psychologin. Ob das (mich und) die Welt vor dem Untergang rettet? Eher nicht. Dann lieber Rentnerwitze twittern. Das hält wenigstens die Entrüstungsspirale in Gang. Da, wo Reibung ist, ist auch Wärme. Aber die Sache mit den Telefonkonferenzen überlegt euch noch einmal. Denn das Leben geht schneller rum, als man/frau mit 18 Jahren glaubt. Wenn ich da an meine Oma denke: Die rackerte bis zu ihrem Tod, kannte den Begriff "Burnout" nicht und hatte auch keine Laktoseunverträglichkeit. Wenn "manchen" von euch neben Schule oder Studium die Organisation von einer Demo pro Woche zu viel ist, was soll dann aus diesen Leuten werden, wenn sie arbeiten gehen? Das wird verdammt hart.

Aber vielleicht haben sie Glück und ihnen schwimmt beim Segeln nach Amerika ein Butt über den Weg und erfüllt alle Wünsche - ganz ohne Stress. Ihr ruft den Fisch und er macht, was ihr wollt. Wie im Märchen "Vom Fischer und seiner Frau". RWE verstaatlichen und dicht machen. Und schon ist es passiert. Kohlekraftwerke schließen. Zack, der Butt erledigt das für euch.

Wenn ich Mittagspause mache, schalte ich manchmal die Glotze an und zappe wild. Neulich blieb ich bei der NDR-Verfilmung des gerade erwähnten Märchens hängen. Ich war total gebannt. Denn ich konnte es nicht fassen, dass die Wünsche der guten Ilsebill nicht - ich wiederhole: nicht - politisch korrekt gegendert wurden. Die Gute will König, Kaiser, Papst und Gott werden und sagt das auch so, nicht etwa Königin, Kaiserin, Päpstin und Göttin. Auch die Lakaien reden sie als "König" an. Da kann ich nur sagen: Skandal! Shitstorm! Weltuntergang!

Quelle: ntv.de