Leben

One Woman Show Is it a man's world?

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Jennifer Lopez und Shakira (v.r.): Der Auftritt der beiden Top-Stars sorgte für viele Schlagzeilen.

(Foto: imago images/MediaPunch)

Wäre es manchmal nicht schön, ein Mann zu sein? Denn Männer bekommen keine Altersflecken, sondern Rockerpunkte. Das heißt, sie können machen, was sie wollen, es ist irgendwie okay, wenn nicht gar cool. Gedanken zum Frausein.

One Woman Show - das klingt anpackend, kraftvoll, das klingt nach "Ich wuppe alles locker vom Hocker". Das stimmt natürlich nicht, denn ich persönlich wäre nichts, wenn ich nicht meine Liebsten hätte. Darunter auch der eine oder andere Mann. Und ja - ich würde das ganze Ding mal in eine One Man Show umwandeln wollen. Ich sage nämlich immer wieder sehr gerne, dass ich in meinem nächsten Leben als Mann geboren werden möchte. Warum eigentlich? Ist es wirklich besser, ein Mann zu sein? Stelle ich mir das nur so toll vor in meiner unendlichen Fantasie oder lehrt mich schlicht und ergreifend die Erfahrung, dass es auch heute noch, in den feministischsten aller feministischen Zeiten, einfacher, gar besser sein könnte, ein Mann zu sein?

Es geht mir gar nicht um Körperliches, es geht mir vielmehr um die Einstellung. Ich bin grundsätzlich gerne Frau (echt!), ich bin gerne feminin und ich bin auch gerne feministisch, die Welt steht mir offen. Aber um eines beneide ich Männer wirklich: Männern steht die Welt noch ein bisschen offener! Sie dürfen sich so ziemlich alles erlauben und es ist letzten Endes immer okay. Unter anderem auch deswegen, weil Frauen ihnen die Absolution erteilen.

Beispiele: Wenn ein Mann ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat, ist er ein stattlicher Mann, kein dicker. Zärtlich werden seine Speckrollen "Love Handles" genannt und so manche Frau ist gar stolz drauf, schaut es doch danach aus, als würde sie ihren Mann ordentlich füttern. Wenn eine Frau ein paar Kilo zu viel hat, redet man gern von Bauchfett und wie gefährlich krebserregend der Mist doch ist. Gerade am Bauch, iieh!

Wenn ein Mann graue Haare hat, dann ist er interessant, elegant, charmant - wenn eine Frau graue Haare bekommt, wird sie sie erstmal färben, und dann, eines Tages, mit einem gewissen Trotz, wird sie sagen, dass es jetzt aber wirklich reicht und sie keinen Bock mehr auf die verdammte Chemie auf ihrem Schädel hat. Danach wird sie sich immer wieder erklären - nicht weil die anderen es fordern (sie gucken eh durch sie hindurch), sondern weil sie selbst das Gefühl hat, dass sie es erklären sollte, warum sie nun mit Absicht alt aussieht.

Männer machen Karriere, Frauen sind Rabenmütter

Wenn ein Mann Falten hat, dann hat er viel gelacht oder gelebt. Wenn eine Frau Falten hat, werden ihre Freundinnen (nein, nicht die guten!!) tuscheln, dass man inzwischen doch echt schon sooo viel dagegen unternehmen kann, auch für kleinere Geldbeutel. Und naja, jetzt mal ehrlich, wenn sie nicht immer so übertrieben hätte beim Feiern, dann würde sie jetzt natürlich noch besser aussehen, was hatte sie sich denn gedacht?

Wenn ein Mann einen Job in einer anderen Stadt annimmt und seine Heimat verlässt, dann macht er Karriere. Wenn eine Frau die Stadt verlässt, um Karriere zu machen, und ihre Kinder bei Vati lässt, ist sie eine Rabenmutter: Sie macht nicht einfach Karriere, sie ist geradezu karrieregeil. Wenn der Mann dann seine Familie verlässt, weil mit dem neuen Job auch gleich noch eine andere - meist jüngere - Frau dazugekommen ist, dann liegt es daran, dass seine Frau nicht gleich hinter ihm hergezogen ist. Er war halt einsam, so in der Ferne. Wenn ein anderer Mann bei der Karrieregeilen im Spiel ist, ist sie obendrein auch noch eine Bitch.

Wenn eine Frau halbtags arbeitet, ist sie übrigens auch meist schon eine Rabenmutter, vor allem, wenn die Kinder noch klein sind und sie nicht den ganzen Tag bio bekocht werden. Wenn ein Mann halbtags arbeitet, ist er allerdings ein Weichei, sorry. Das ist nicht meine Meinung, sondern die seiner Kollegen. Ist das deutsch? Keine Ahnung. Ist das blöd? Ja.

Wenn eine Frau heutzutage Hausfrau ist und bleibt, dann hat sie nach Meinung vieler anderer Frauen klar einen an der Waffel. Wozu hat sie denn studiert? Und was, wenn der Mann sie verlässt? Was macht sie dann? Sich umbringen? Und selbst wenn er sie nicht verlässt - will sie es sich denn ewig auf seine Kosten gemütlich machen?

Wenn der getrennte Mann sich alle zwei Wochen um die Kinder kümmert, ist er bereits ein Held, wenn er mit den Kiddies ab und zu auf den Spielplatz geht. Dort darf er auf sein Handy einhacken, und wenn er keine Möhrchen und Apfelschnitze dabei hat, dann werden ihm andere Mütter zur Seite springen und ihm und dem kleinen Rotzlöffel (oder der Prinzessin, Väter nennen ihre Töchter ja gern so, auch wenn sie selbst nie über das Frosch-Stadium hinausgekommen sind) etwas von ihren Dinkelschnittchen abgeben. Und wenn der kleine Racker gerade mit seiner Schippe auf die anderen Kinder eindrischt, dann werden die Mamis sorgenvoll rekapitulieren, warum der Kleine so aggro ist. Das Ergebnis steht von vornherein fest: Die Mami ist schuld, denn wäre die jetzt hier, wäre das Kind bestimmt nicht so übel drauf. Und überhaupt - wäre es denn jetzt zu viel verlangt gewesen, dass die Mami den beiden etwas zu essen einpackt?

Ein Mann kann im hohen Alter noch Vater werden, mit einer Frau, die seine Enkelin sein könnte. Wenn ältere Frauen sich nur jüngere Liebhaber "nehmen", ist das immer noch eine Meldung wert. Ja, das ist auch eine biologische Angelegenheit, aber ob das schön ist, sei mal dahingestellt, auch wenn der liebe Herrgott sich über jedes Menschenkind freut.

Frauen in Glitzerturnanzügen

Ich kenne Frauen, die würden sich einfach gerne mal Zeit nehmen, doch dann stellen sie fest, dass sie keine Zeit haben, sich Zeit zu nehmen. Die würden auch gerne mal auf dem Sofa lümmeln und vollkommen frei von Gedanken und To-do-Listen, die ihnen sekündlich durchs Hirn schießen, Gladbach gegen Hertha glotzen. Einfach mal Trainer sein! Sich aufregen, abregen, Chipstüte umstoßen, notdürftig die Krümel aufheben, Fünfe gerade sein lassen. Aber sie können einfach nicht abschalten.

Nein, ich bin keine neidische Alte, denn ich bin weder alt noch neidisch, ich bin einfach nur realistisch. Über das Wort "alt" könnte ich mich ewig auslassen und darüber, was für einen schlechten Ruf es hat, und über die Frage, warum es an vielen Stellen gar nicht so gut läuft zwischen Alt und Jung, gerade unter Frauen, wäre auch mal ein Thema. Vielleicht für die März-Kolumne. Auch das Thema latente Frauendiskriminierung wäre es wert, behandelt zu werden. So wie just beim Super Bowl: Jennifer Lopez und Shakira traten dort in der Halbzeitshow in fragwürdigen Glitzerturnanzügen auf.

Kann man mögen, muss man nicht, aber ganz sicher haben die beiden Superstars da einen Auftritt hingelegt, der sich gewaschen hat. Gewaschen deswegen, weil sie - in meinen Augen, aber das ist nur eine persönliche Meinung - in unglaublich albernen Kostümen aufgetreten sind, es aber dennoch - und das ist ihnen nicht hoch genug anzurechnen - trotz dieser Kostüme geschafft haben, gleichzeitig für die Sache der Frau einzutreten. Sie haben die Themen "Grenze zu Mexiko", "Puerto Rico" und vor allem "Frauen in den besten Jahren legen unglaublichen Auftritt hin" ganz weit nach vorne gebracht.

Die Kommentare "Wow, was für eine Leistung in dem Alter" haben sie lässig mit den Hüften wackelnd und kraft ihrer Stimmen ad absurdum geführt, allein dadurch, dass sie zwei Naturgewalten sind, und weil sie in einer Männerdomäne auftraten, wie es sie männlicher kaum gibt. Da nicht zum Beiwerk zu verkommen, ist eine grandiose Leistung. Und so schließt sich der Kreis dann doch versöhnlich, denn es ist oft eben einfach nur großartig, eine Frau zu sein.

Quelle: ntv.de