Leben

Das Salz des Internets Lebensretter Podcast

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Podcasts sind keine brandneue Erfindung, aber viele könnten sie nun neu für sich entdecken, wenn sie viel Zeit zu Hause verbringen müssen.

(Foto: imago images/imagebroker)

Unsere Autorin muss in Zukunft viel Zeit zu Hause verbringen und stellt Ihnen deshalb ihr Lieblingsmedium zum Zeitvertreib vor: Podcasts. Warum die noch mehr können als bloß die Zeit vertreiben, lesen Sie hier.

Liebe Leserschaft, leider muss ich Sie heute herb enttäuschen. Normalerweise sind Sie ja von mir knackigen Qualitätscontent von der Frontlinie des Internets gewohnt. Ich bin ja quasi jeden Monat für sie mittendrin und bade für Sie in einem Bällebad, das mit Nullen und Einsen gefüllt ist, damit Sie das nicht machen müssen. Ist ja auch wirklich nicht immer schön da. Eher morastig. Ich teste deswegen gerne alle neuen Internet-Trends und berichte dann gewissenhaft davon, damit Sie dann einfach selbst entscheiden können, ob das etwas für Sie wäre, was da im Netz abgeht.

Naja, wie gesagt, ich muss Sie jetzt aber enttäuschen. Seitdem das Corona-Virus im wahrsten Sinne des Wortes bei uns Einzug gehalten hat, besteht das Internet zu einem Großteil nur noch aus nervösen Eilmeldungen, Pressekonferenzen und Empfehlungen der Bundesregierung. Da ist kein Platz für Spaß mit dem Internet und das ist wahrscheinlich auch vernünftig so, denn schließlich ist die Hauptaufgabe des Netzes ja, Informationen zu verbreiten und die braucht der Mensch ja gerade ganz dringend. Darüber macht man keine Witze.

Wer kann, sollte also zu Hause bleiben und seine Mitmenschen von der Gefahr durch eine Ansteckung schützen. Das mit dem zu Hause sitzen könnte sogar eine ganze Weile dauern und deswegen berichte ich Ihnen heute von meiner absoluten Herzensangelegenheit aus dem Internet, die nicht eben neu ist, aber meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit und vor allem Liebe verdient hat, als sie momentan bekommt: Podcasts nämlich.

Nische und Angebot für jeden

Die ntv-Podcasts im Überblick

Sie mögen Podcasts? Dann hören Sie auch mal bei unseren Produktionen rein: "Brichta & Bell", wenn Sie Wirtschaft einfach und schnell erklärt haben wollen; "Ditt & Datt & Dittrich", wenn Sie mehr über das Leben unserer Berliner Kolumnistin Verena Dittrich erfahren möchten; "Ja. Nein. Vielleicht.", wenn Sie Verhaltensökonomie und Entscheidungen spannend finden; "So techt Deutschland", wenn Sie sich für Startups, die Digitalisierung und die deutsche Gründerszene interessieren; "Wie tickt Amerika?" mit unserer Börsenexpertin Sandra Navidi, wenn Sie wissen möchten, wie es um die USA steht; oder "Wieder was gelernt", wenn Sie dreimal wöchentlich etwas schlauer werden möchten.

Diese zeitlos schöne Form der Audioaufnahme ist vor ein paar Jahren bereits aus dem Internet hervorgegangen und hat seitdem immer mehr Anhänger in eben diesem gefunden. Einer Radiosendung sehr ähnlich, ist in einem Podcast Platz für jedes Interessenfeld. Vom Bepflanzen des heimischen Gartens über offenen Austausch zu schwierigen Themen wie Depression, Schmerz und Liebe bis hin zum aufregenden Sextalk gibt es wirklich alles, was das Hörerherz begehrt. Besonders aufregend an Podcasts finde ich, dass nicht nur professionelle Radiosender sie produzieren können, sondern besonders die Eigenproduktionen von Laien interessant sind. Die haben nämlich wirklich was zu sagen und machen das nicht mal, um Geld zu verdienen. So findet jeder seine Nische und das Angebot wächst immer weiter.

Es gibt inzwischen Podcasts wie Sand am Meer, wahrscheinlich gibt es sogar einen Podcast, der "Sand am Meer" heißt und über tolle Urlaubserfahrungen in Thailand berichtet oder so. So viele gibt es sogar, dass im Netz darüber sogar gewitzelt wird: "Was machen drei weiße Männer in einer Bar? Einen Podcast." Die Kritik, die in diesem Witz mitschwingt, betrifft meistens die sogenannten Laber-Podcasts, in denen sich die Beteiligten nur über augenscheinlich belanglose Themen unterhalten, die keinen interessieren. Aber auch die finden ihre klare Berechtigung, denn wer Hörer hat, hat recht.

Ich liebe Podcasts schon seit einigen Jahren mehr als Hörbücher oder die Hörspiele, mit denen ich aufgewachsen bin, weil ich mit einigen von ihnen eine harte Zeit durchgestanden habe. Podcasts sind immer da, selbst wenn man nicht genug Konzentration für einen Film oder zum Lesen in einem Buch hat. Einfach die Kopfhörer aufsetzen und auf "Play" drücken. Völlig unabhängig davon, ob man nachts nicht schlafen kann oder zum Einkaufen unterwegs ist. Die Stimmen der Podcaster gehen einem vom Ohr direkt ins Gehirn und wenn man, wie ich, wöchentlich schon darauf wartet, dass die neue Folge des Lieblingspodcasts endlich im eigenen Podcatcher oder beim Streaming-Dienst erscheint, dann merkt man erst, was für eine intime Beziehung man zu den Menschen aufbaut, denen man fast täglich seine Aufmerksamkeit für Stunden schenkt. Es ist, als sei man mit den Menschen, denen man da gespannt zuhört, befreundet, obwohl man sie noch nie gesehen hat. Sie geben oft so viel von sich preis, dass man schnell das Gefühl bekommt, dass sie im Gespräch manchmal vergessen, dass aufgezeichnet wird, was sie sagen. Sie spielen dann wahrscheinlich nicht mal eine Rolle als Mensch in der Öffentlichkeit, sondern zeigen die Wahrhaftigkeit, die mich als Hörer dazu bewegt, gespannt dabei zuzuhören, wohin die Unterhaltung geht.

Durch Zuhören ein besserer Mensch

Jetzt halten Sie sich fest, liebe Leserschaft: Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass mein Lieblingspodcast "Harmontown" mich zu einem besseren Menschen gemacht hat. Die wöchentliche Sitzung des Freundeskreises um den US-amerikanischen Fernsehautoren Dan Harmon besprach darin gemeinsam mit wechselnden Gästen und vor Publikum alle existenziellen Themen des Lebens und war dabei nie um einen schlechten Witz oder ein dummes Spiel verlegen. Allein das hat mich dazu bewegt, öfter mal umzudenken, neue Impulse anzunehmen und meinen Horizont auch in unangenehmen Zeiten zu erweitern. Ich habe unendlich viel gelernt in den ungefähr 300 Folgen, denen ich gelauscht habe, und oft in den öffentlichen Verkehrsmitteln irritierte Blicke geerntet, weil ich laut loslachen musste. Vor allem hatte ich aber auch das Gefühl nicht alleine zu sein mit meinen Sorgen, Ängsten und Verschrobenheiten.

Die ständige Begleitung, das ist das Geschenk der Podcaster an uns Hörer. Ein sehr intimes und wertvolles, wie ich finde. In der allerersten Folge, die ich nur aus Zufall beim Surfen im Internet gefunden habe, fragte Dan ins Publikum: "Wer leidet hier heute Abend und möchte gerne mit uns darüber reden?" Solche Momente gibt es im Fernsehen einfach nicht. Von dieser Frage allein habe ich so viel gelernt und verstanden, dass dieses Medium Podcast die Verwundbarkeit des Menschen nicht ausschlachtet, sondern sie zum gemeinsamen Nenner macht. Für diese kleinen, einzigartigen Momente muss man Podcasts einfach lieben.

Natürlich ist das nicht für jeden etwas und die Podcasts, die meinen Alltag erleichtern, mich beim Abwaschen zum Lachen bringen oder mich auf dem Laufband gruseln, müssen nicht zwangsläufig anderen gefallen, aber das ist die Schönheit der Podcasts: Für jeden ist etwas dabei. Lachen, weinen, lernen oder einfach entspannt einschlafen kann man dabei. Wir wissen ja noch nicht, was auf uns zukommt und die Quarantänezeit kann ganz schön lang werden, da kann es nicht schaden, mal in den einen oder anderen Podcast reinzuhören. Ich hoffe, liebe Leserschaft, ich habe Ihr Interesse an Podcasts wecken können, auch wenn sie keine brandneue Erfindung mehr sind. Falls Sie Empfehlungen brauchen: Wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. Ich kenne Podcasts für jede Lebenslage. Schließlich hab ich jetzt ja auch ne Menge Zeit und Sie auch!

Quelle: ntv.de