Leben

Der Denglische Patient Make your English great again!

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An Trumps Beispiel kann man viel über das Schlechte im Menschen lernen - und das englische Vokabular dafür natürlich.

(Foto: REUTERS)

Englisch lernen mit Trump? Das war ein Nebeneffekt seiner Präsidentschaft. Erklärte er der Welt am Anfang, was englischsprachiger Schweinkram oder die beste Übersetzung von "Großkotz" ist, haben seine randalierenden Anhänger nun die wahre Bedeutung von Mobbing demonstriert.

USA-Experten und Politikforscher werden sich wohl noch längere Zeit fragen, was man aus den Krawallen des 6. Januar im und ums Kapitol in Washington lernen kann. Aus sprachlicher Sicht steht für mich längst fest: a good deal - eine ganze Menge!

Als die Belagerung - the siege - des Parlamentspalastes begann, konnte die Welt zunächst live miterleben, dass ein Staatsstreich im Englischen ein französisches Wort wäre: coup d'etat oder kurz coup - zum Glück waren die wahren Ereignisse im Kapitol meilenweit davon entfernt. Trotz der fünf Toten war es am Ende nicht mehr als eine medienwirksame Inszenierung: the staging of a coup for the sake of the media. Oder: The coup was staged to catch the attention of the media. (Achtung! "inscenation" - oder so ähnlich - gibt es im Englischen nicht.)

Bald war in den meisten englischsprachigen Medien von storm und storming die Rede, also wie bei uns von einem "Sturm" auf das Gebäude. Noch treffender waren die Beschreibungen riots und rioting, zwei englische Wörter, die das ganze Spektrum von vereinzelten "Ausschreitungen" bis "Unruhen" abdecken, meist mit Gewalt und Chaos. Deshalb sind riots eine gute Übersetzung unserer "Krawalle".

Besonders interessant war der überall verwendete englische Begriff für die Krawallmacher. Was wir im Deutschen auch "Randalierer" nennen (und was in der DDR "Rowdies" genannt wurde), hat im Englischen nur drei Buchstaben: mob! (nicht zu verwechseln mit dem mop: einem Wischlappen oder der Art von Frisur, die Boris Johnson trägt.)

Trump als Supermobber

Ein mob kommt nie allein und ist selten freundlich: Übersetzt ist es eine gesichtslose Menge von Menschen. Eine Bande. Die Meute. Im amerikanischen Englisch kann auch die Mafia gemeint sein. Die Handlungen des mob liegen naturgemäß im mobbing: eine Be- oder Umlagerung - in zivilen Zeiten vielleicht vor dem Hotel eines Prominenten. In stürmischen oder gar bürgerkriegsähnlichen Zeiten ist mobbing ein unkontrollierbarer Massenauflauf, der sich gegen Institutionen und Vertreter des Staates richtet.

Wer also aufgepasst hat, weiß jetzt, dass das alles nichts damit zu tun hat, was wir in unserer Alltagssprache gelegentlich für "Mobbing" halten: eine Belästigung im Büro oder vielleicht in den sozialen Medien. Sie werden in der englischsprachigen Welt als harassing, harassment oder bullying bezeichnet, zum Beispiel: workplace harassment oder online bullying.

Das führt uns direkt zum noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump - the sitting president, still. Weil er sich mit Belästigungen aller Art einen großen Namen gemacht hat, ist er gewissermaßen ein Supermobber. Schließlich ist er nicht nur berühmt für seine Falschbehauptungen, sondern auch für seine schikanösen Kommentare - he isn't only famous for making false claims but also infamous for bullying people. Twitter hat sein Konto deshalb mittlerweile dauerhaft gesperrt - Twitter has permanently suspended Donald Trump's account.

Zugleich ist Trump mit herabwürdigenden, sexistischen und rassistischen Kommentaren in die Geschichte eingegangen. Allein seine Einstellung gegenüber Frauen lässt sich auf Altgriechisch zusammenfassen: He's a misogynist. Oder: He is misogynic. Er ist ein Frauenverachter.

In diesem Zusammenhang ist er auch immer wieder als scurrilous beschrieben worden. Das bedeutet nicht etwa "skurril", sondern "pöbelhaft", "unflätig", "ordinär" und sogar "niederträchtig". Treffend sind auch die Begriffe raunchy und wolfy: "dreckig" und "lüstern".

Der Grapscher vom Dienst

Unter seinen vielen Anzüglichkeiten (lewd comments) stach vor seiner Amtszeit eine besonders hervor: er könne jeder Frau in den Schritt greifen ("grab them by the p***y"). Was er selbst als locker room talk abtat, also als Geschwätz aus der Männerumkleide, hat ihn als sagenhaften Angeber demaskiert - a boaster, a braggart, a show-off. Er selbst sprach lieber hochgestochen von braggadocious und war überhaupt stets bemüht, als Großmaul und Großkotz rüberzukommen: a bigmouth and bighead.

Was nun Trumps Rolle hinter den Ausschreitungen in Washington betrifft, lässt sie sich nicht herunterspielen. Viele seiner Äußerungen deuten darauf hin, dass er Massen von treuen Anhängern für seine Zwecke eingespannt hat - he exploited the mob. Sie sollten im Kapitol für Unruhe sorgen und die offizielle Anerkennung von Joe Biden als nächstem Präsidenten stören und möglicherweise verhindern.

Viel ist deshalb von incitement die Rede: der Aufwiegelung seiner Anhänger. Incitement of insurrection - die Anstiftung zum Aufstand!

Immerhin hat sich Trump damit im Magazin "The New Yorker" einen neuen Titel verdient: "Inciter-in-Chief". Das ist offenkundig eine Anspielung auf den Oberbefehlshaber - Commander-in-Chief. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte ihn die "New York Times" noch zum "Groper-in-Chief" gekürt: Grapscher vom Dienst. Ob es ein Aufstieg ist oder nicht, kann Trump nun selbst entscheiden.

Quelle: ntv.de