Leben

Männer? Die Kolumne. Wenn Frauen (wo)mansplainen

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Männer sind Schweine? Legt zumindest dieses Schaubild nahe.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Gibt es einen Bauplan für Männer, den man einfach nur auswendig lernen muss, um uns zu verstehen? Die Erfahrung sagt nein, Frauenzeitschriften sagen: Ja! Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Manchmal, wenn ich auf der Suche nach einem neuen Thema für diese Kolumne nicht mehr weiter weiß, tippe ich schlicht und einfach "Männer" in das Textfeld meines Browsers. Das ist recherchetechnisch vielleicht nicht besonders ausgeklügelt, aber trotzdem immer spannend: Sechs der zehn Ergebnisse auf der ersten Seite führen direkt auf die Online-Auftritte von Frauenzeitschriften. Einen seriösen Anstoß für die Themenfindung hat mir die Lektüre bislang zwar nicht beschert, aber ich freue mich jedes Mal über Artikel wie "Das kannst du tun, wenn er einen kleinen Penis hat" oder "Homme Mystere bringt ersten BH für Männer auf den Markt".

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Frauenzeitungen verbreiten ein eher simples Männerbild.

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Seit mindestens einem halben Jahr - also seit dem Start der Kolumne - geht das jetzt schon so, und erst diese Woche ist mir aufgefallen, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen habe: Frauenzeitschriften, die eigene "Männer"-Rubriken haben, in denen dann vor allem Frauen ihren Leserinnen erklären, wie Männer ticken und was sie wollen - quasi Mansplaining mit umgedrehten Vorzeichen, wie skurril ist das denn bitte? Und dabei ist der Ansatz noch gar nichts gegen die Ausführung.

Stichprobe Nummer 1: "10 Zeichen dafür, dass er dich betrügt" ist der erste Artikel, den ich öffne und direkt ein Volltreffer, quasi die perfekte Anleitung zum Unglücklichsein. Wenn Männer neue Hobbys für sich entdecken oder ihr Handy häufiger benutzen als sonst, muss etwas im Busch sein, heißt es da. Klarheit bekommt die Frau von Welt, wenn sie seine Kontoauszüge überprüft: "Eine Affäre ist meist damit verbunden, dass man Essen geht, kleine Geschenke kauft und sogar Stunden zu zweit im Hotel verbringt. Das alles kostet Geld. Und manchmal kommt es vor, dass ein Mann beim Essen mit seiner Affäre sitzt und kein Bargeld dabei hat. Um nicht in eine peinliche Situation zu kommen, wird nun die EC- oder Kreditkarte gezückt." Wer mit Karte zahlt, betrügt. Ist doch klar.

Stichprobe Nummer 2: "Kleidung, die Männer an Frauen unattraktiv finden" liest sich wie Satire, ist aber keine. "Während wir für ein bestimmtes Kleidungsstück brennen, findet es unser Freund schrecklich und würde es am liebsten verbrennen", leitet die Autorin ihren Text ein und führt unter anderem ungebügelte Klamotten, Leggings, Jumpsuits und Keilabsätze als No-wear an. Ich persönlich finde Leggings und Jumpsuits mehr als okay, ungebügelt ist mir egal, und von Keilabsätzen habe ich in dem Text zum ersten Mal gelesen. Abgesehen davon soll sich meine Freundin in ihren Klamotten aber vor allem wohlfühlen - wenn sie mir dann auch noch gefallen, ist das höchstens die Kirsche auf dem Kuchen.

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Hat mit dieser Kolumne wenig zu tun, ist aber eine coole Socke: Jango Fett.

(Foto: imago stock&people)

Ich mag da anders ticken als andere Männer. Aber genau da kommt doch das eigentliche Problem ins Spiel: Es ist auf diesen Seiten fast immer von "den Männern" die Rede, ganz so, als ob wir alle in den Klontanks von Kamino nach dem Abbild von Jango Fett (Star Wars, Mann!) gezüchtet worden wären. Wurden wir aber nicht, jeder von uns ist ein Einzelstück, im Guten wie im Schlechten. Und deswegen kann es auch keinen Bauplan geben, den ihr, liebe Frauen, nur studieren müsst, um uns zu verstehen.

Ich hoffe ganz im Ernst, dass keine Frau für bare Münze nimmt, was bei Cosmopolitan & Co. über Männer geschrieben wird, fürchte aber, dass das gar nicht allzu selten der Fall ist. Und das finde ich schlimm, weil Artikel wie die beiden Beispieltexte immer und immer wieder genau die Stereotypen reproduzieren, die wir doch eigentlich gerade versuchen zu überwinden.

"Frauen" oder "Erotik?"

Das funktioniert natürlich genauso gut von der anderen Seite aus, auch wenn Männermagazine keinen Hehl daraus machen, dass es ihnen eigentlich gar nicht um die ganze Frau geht: Statt "Frauen" heißen die Rubriken nämlich schlicht "Erotik" oder "Love", erklärt wird das andere Geschlecht - aber eben nur aus sexueller Sicht. Das ist zwar in keiner Weise besser - aber ist es nicht beruhigend zu wissen, dass wir es auch aus eigener Kraft schaffen, überkommen geglaubte Klischees am Leben zu halten?

Ich habe übrigens aus reiner Neugier mal nach "Frauen" gesucht. Auf Platz eins findet sich der Wikipedia-Eintrag, auf Nummer zwei eine "Frau sucht Mann"-Seite und gleich auf Nummer drei: "Darum stehen Männer darauf, Frauen zu fingern". Auch hier habe ich den Test gemacht, meine Freundin bekommt dasselbe Ergebnis angezeigt. Wo der Artikel zu finden ist? Genau, auf dem Online-Auftritt einer Frauenzeitschrift…

Quelle: n-tv.de

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