Unterhaltung

Stuhl, Tisch, los geht's! Alexandra Kamp ist "Gut gegen Nordwind"

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Alexandra Kamp als Emmi: "Warum schreibt er nicht zurück?"

(Foto: BERNWARD BERTRAM )

"Gut gegen Nordwind", das Buch von Daniel Glattauer, ist ein riesiger Erfolg im Jahr 2006 - und ist es noch! Momentan läuft das gute Stück im Kino, mit Alexander Fehling und Nora Tschirner in den Hauptrollen. Aber auch am Theater ist es überaus erfolgreich. Eine, die nicht genug bekommen kann von "Emmi" und "Leo", ist Schauspielerin Alexandra Kamp. Sie reist mit dem Stück durchs Land. Mit n-tv.de spricht sie über Textmonster, die Miete, die reinkommen muss, ihre Pläne und wann und wofür sie gerne gerade steht. Am Telefon erfahren wir, dass sie außerhalb der Arbeit manchmal gar nicht mehr gern redet - zum Glück hat sie für uns eine Ausnahme gemacht.

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Naturkind: Alexandra Kamp liebt die Berge.

(Foto: Michael von Hassel)

n-tv.de: Du bist eine der umtriebigsten Schauspielerinnen Deutschlands - wie stehst du das durch, dieses ständige "Heute hier, morgen da"?

Alexandra Kamp: Ich empfinde meine Arbeit und das damit verbundene Reisen bisher als positiven Stress. Der aufbrandende Applaus zum Beispiel nach einem Theaterabend mit meiner Version von "Gut gegen Nordwind" entschädigt für fehlende Freizeit (lacht).

Aber das ist nicht dein einziges Stück …

Stimmt, ich bin diesen Winter an den Hamburger Kammerspielen engagiert. Ich werde in der deutschen Uraufführung von "Eine verhängnisvolle Affäre" die Rolle verkörpern, die Glenn Close im Kinofilm unvergesslich als Urbild einer Stalkerin etablierte, die Rolle der Alex Forrest. Die Proben beginnen Mitte Dezember. Premiere ist am 26. Januar in Hamburg. Bis dahin bin ich mit den SWR3 Live-Lyrics unterwegs und eben mit Daniel Glattauers "Gut gegen Nordwind" und dem Nachfolgestück "Alle sieben Wellen“. Ich stehe quasi jeden Tag auf der Bühne. 

Ich verneige mich in Ehrfurcht vor der Leistung, sich so viel Text merken zu können.

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Emmi und Leo schreiben manchmal auch aneinander vorbei.

(Foto: BERNWARD BERTRAM )

(lacht) Dankeschön, das ist ja mein Job. "Gut gegen Nordwind" habe ich sicherlich schon an die 260 Mal gespielt. Die Texte sind in meinem Kopf und da bleiben sie auch haften. Und auch den umfangreichen Text von "Alle sieben Wellen" habe ich auf Abruf in mir. Ich brauche nur einen Stuhl und einen Tisch und schon kann es losgehen. Und natürlich meinen Bühnenpartner, in Husum ist es Dietmar Horcicka. Mittlerweile kenne ich auch den gesamten Text meines Kollegen auswendig und habe das Stück bereits bei einer Veranstaltung in einer Doppelrolle gespielt. (lacht)

Du bist ein wahres Text-Monster!

Ja! Ich denke, das ist bei einem Hochleistungssportler ähnlich: Der trainiert seine Muskeln und wir Sprachakrobaten trainieren das Gehirn und unsere Sprechmuskulatur. Ich muss gestehen, dass ich privat nicht so gerne rede (lacht). Und ich telefoniere sehr ungern. Radio höre ich nur selten; nach intensiven Bühnenauftritten will ich einfach meine Ruhe haben und die Klappe halten.

Wie siehst du den aktuellen Kinofilm mit Alexander Fehling und Nora Tschirner, was passiert da bei dir?

Ja, der Film ist schön geworden. Auch wenn er bei Fans des Buchs und auch des Theaterstücks polarisiert. Er hat sehr berührende Momente, aber es ist das alte Dilemma: Wenn ein Buch verfilmt wird, werden die eigenen Bilder im Kopf überlagert. Kennst du denn das Buch eigentlich? 

Ich muss gestehen, nein. 

Das musst du nachholen! Unbedingt! Dieser Text von Glattauer ist ein sprachliches Feuerwerk. "Gut gegen Nordwind" ist romantisch, lebendig, tempo- und pointenreich, spannend, unterhaltsam und originell. Beim Lesen des Buches wird das eigene Kopfkino generiert und das ist sehr faszinierend.

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Alexandra Kamp liebt das Spiel.

(Foto: Jorinde Gersina )

Versteh' ich. Obwohl ich ja bei solchen Filmen immer reinrufen möchte, dass dieses und jenes Missverständnis jetzt gar nicht nötig gewesen wäre, wenn man korrekt miteinander kommuniziert hätte. 

(lacht) Das kenne ich. Aber ich muss sagen, ich habe das Stück jetzt bereits in mindestens fünf oder sechs verschiedenen Inszenierungen gesehen und war meistens angetan und auch immer wieder berührt von den Kollegen. Obwohl ich das Stück selbst spiele!  

Wenn man dich dann auf der Bühne sieht, ist nicht mehr Nora Tschirner Emmi, sondern du.

Richtig. Interessanterweise habe ich noch keine negative Rückmeldung bekommen, auch nicht von Hardcorefans des Buches. (lacht)

Du hast jetzt einen Auftritt für "den guten Zweck".

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Kamp in ihrem Element.

(Foto: BERNWARD BERTRAM )

Ja, dieses Jahr habe ich das ein oder andere Mal meine Gage gespendet, aber das darf natürlich nicht zur Gewohnheit werden, da macht mich dann gerne auch mal meine Mutter drauf aufmerksam. Ich muss mit meiner Arbeit schließlich auch Geld verdienen, muss meine Miete bezahlen, ob man es glaubt oder nicht. Aber wenn ich mithelfen kann, ein kleines Theater zu retten, wie vor Kurzem in Bonn das Eurotheater Central, oder einer Frau, die einen Schutzhof für Tiere unterhält, wie jetzt in Husum, dann bin ich gern dabei, dann geht der Eintritt oder die Gage komplett an den guten Zweck. Der Grund dafür muss mich berühren. Das darf nur nicht zu oft passieren, denn Theatergagen sind nicht gerade üppig. Drehgagen hingegen sind super - da sollte ich mal wieder aktiver werden! (lacht)

Charity ist Luxus …

... für Schauspieler! Das kann man ganz klar bejahen!

Wann sehen wir dich denn wieder im Fernsehen?

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Man sieht sie gerne doppelt.

(Foto: Frank Lübke)

Gerade habe ich eine Hauptrolle für eine "Soko Stuttgart"-Folge abgedreht. Wenn man wie ich jeden Abend auf der Bühne steht, kann man nicht tagsüber für Film oder Fernsehen zur Verfügung stehen, das ist leider so. Ich werde 2020 ein Theater-Sabbatical einlegen müssen, da mir dieses Jahr leider ein paar schöne Filme durch die Lappen gegangen sind. 

Mit Alexandra Kamp sprach Sabine Oelmann 

Alexandra Kamp spielt am 21. Oktober in Husum "Gut gegen Nordwind" - die Einnahmen des Abends gehen komplett an den Schutzhof "Rockys Traum". Der Eintritt in Hartmann's Landhof kostet 65 Euro, es gibt einen Begrüßungsdrink und was zu essen.

Quelle: n-tv.de

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