Unterhaltung

"Sing meinen Song" - der Start Aus Wasser wird Wein

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Mit viel Energie interpretiert Marian Gold das Machwerk von Revolverheld.

Mit einem hibbeligen Mark Forster als Gastgeber startet die fünfte "Tauschkonzert"-Staffel. Grund für seine Aufgeregtheit: Die deutsche Musik-Elite gibt sich ein Stelldichein und wird zum Augen- und Ohrenöffner für Revolverheld-Kritiker.

Mark Forster ist total aufgeregt. Nach einer wilden Buggy-Fahrt über schneeweißen südafrikanischen Strandsand steht das "Hit-Monster" mit großen Augen vor einem opulent gedeckten Picknicktisch. Zwischen Bier, Wein, Prosecco und diversen Kauhäppchen soll die Start-Flagge zur fünften "Sing meinen Song"-Staffel gehisst werden – eigentlich kein großes Ding für den rampenlichterprobten Deutschpop-Dauergrinser, oder? "Ich habe polnische und pfälzische Wurzeln. Eigentlich weiß ich, wie man eine zünftige Party schmeißt. Aber ich habe auch großen Respekt vor der Aufgabe hier", gibt sich der passionierte Basecap-Träger ungewohnt kleinlaut.

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Gemeinsam durch die Nacht: "Legende" Mary Roos und "Rocker" Rea Garvey.

Marks vermeintliche Duckmäuschen-Haltung kommt nicht von ungefähr. Mit Alphaville-Legende Marian Gold, Schlager-Urkrebs Mary Roos und Wir-sind-Helden-Aushängeschild Judith Holofernes hat der neue Format-Gastgeber schließlich "gestandene Persönlichkeiten" mit an Bord.

Auch Rea Garvey, Johannes Strate und Leslie Clio haben es faustdick hinter den Ohren. Während der im Dauercool-Modus agierende "Supergirl"-Lover und der Schulhof-Poet aus Worpswede gemeinsam den Stadion-Speer in die Höhe recken, mimt das Soul-Pop-Küken der Staffel den blonden Lena-Meyer-Landrut-Ersatz.

Schon beim Kennenlern-Picknick sieht sich Mark Forster mit jeder Menge Schlagabtausch-Potenzial konfrontiert. Ein paar Stunden später, auf der legendären "Tauschkonzert"-Couch sitzend, legen die Protagonisten in puncto Präsentation sogar noch eine Schippe drauf.

Marian Gold wird zum "Weltstar" gekürt

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Judith Holofernes bringt laut Mark Forster "etwas Niveau in die Bude".

Bevor es richtig losgeht, haben alle Mitwirkenden einen "passenden" Stempel auf der Stirn. Damit jeder Zuschauer gleich weiß, wo es langgeht: Rea Garvey ist der "Rocker". Marian Gold wird zum "Weltstar" gekürt. Mary Roos bekommt die "Legende"-Krone aufgesetzt. Und Leslie Clio drückt man das "Shootingstar"-Zepter in die Hand. Bleiben noch Judith Holofernes, die nach Ansicht von Mark Forster "etwas Niveau in die Bude bringt" und Revolverheld Johannes Strate, dem man eine goldene Der-schreibt-tiefe-Texte-und-ist-total-witzig-Urkunde überreicht. Na dann: Licht aus! Spot an!

Johannes Strate ist der Erste, der sich zurücklehnen darf. Der Mann, aus dessen Feder so aufwühlende und ergreifende Deutschpop-Perlen wie "Halt dich an mir fest", "Das kann uns keiner nehmen" und "Lass uns gehen" stammen, ist in der ersten "Tauschkonzert"-Folge zum Zuhören "verdammt". Soll heißen: Alle anderen Kandidaten hüpfen abwechselnd auf die Bühne und interpretieren eine Auswahl seiner Songs im neuen Gewand.

Bereits nach den ersten beiden "Kniefällen" klatscht man daheim vor der Mattscheibe dankbar in die Hände. Phasenweise umgetextet und musikalisch von Grund auf auf den Kopf gestellt, schallen Songs wie "Lass uns gehen" (Rea Garvey) und "Ich lass für dich das Licht an" (Judith Holofernes) fast schon mit dem Prädikat-wertvoll-Zusatz durch die südafrikanische Nacht. Auch die Herren Forster ("Wenn es um uns brennt") und Gold ("Keine Liebeslieder") lassen sich nicht lumpen. Mit bewährter Gute-Laune-Taktik (Mark Forster) und der Energie eines Big-Band-Orkans (Marian Gold) zerrt man die schwülstigen Originale aus dem Schatten ins Licht.

Die Angst weicht

Nach Leslie Clios intensivem Pianobar-Rausch ("Halt dich an mir fest") und einem abschließenden, schunkelnden Schlager-Pop-Gruß von Mary Roos ("Spinner") springen alle Anwesenden applaudierend von ihren Sitzen auf. Selbst "Reformhaus-Musikant" Johannes Strate hat glasige Augen. Da soll nochmal einer behaupten, Revolverheld-Songs hätten kein Potenzial.

Papperlapapp! Man muss das Übel nur richtig bei den Lenden packen und das ausgeleierte Korsett ein bisschen enger schnüren. Well done, die Damen und Herren! Chapeau. Nächste Woche Rea Garvey? Die Angst weicht. Vorfreude macht sich breit. Wer hätte das gedacht?!

Quelle: n-tv.de

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