Unterhaltung

Alle Achtung Der Abbruch von "Wetten, dass..?"

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Samuel K. sprang über Autos - und verletzte sich dabei schwer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Vorfall sucht in der deutschen TV-Geschichte seinesgleichen: Nach dem Unfall eines Kandidaten stoppt das ZDF seinen Unterhaltungsdampfer "Wetten, dass..?" Keine leichte Entscheidung - aber die richtige.

Wer beim Privatfernsehen arbeitet, ist gerne schnell dabei, den öffentlich-rechtlichen Sendern mit Spott und Häme zu begegnen. Wegen ihrer verkrusteten Strukturen, ihres altbackenen Programms oder ihres Dauergejammers über ihre ach so schwierige finanzielle Situation im Gebührenhimmel.

Bei dem, was bei "Wetten, das..?" am Samstagabend passiert ist, verbietet sich jedoch jeglicher Zynismus. Zum einen, weil ein Unglück wie das des Wettkandidaten Samuel K. dafür selbstverständlich keinerlei Raum gibt. Jeder, und zwar absolut jeder kann diesen tragischen Unfall nur zutiefst bedauern, hoffen, dass sich der 23-Jährige keine bleibenden Verletzungen zugezogen hat und ihm eine schnelle und vollständige Genesung wünschen.

Doppelter Respekt

Zum anderen verdient die Reaktion des ZDF auf den Vorfall wirklich uneingeschränkt Respekt. Nicht nur die für die Sendung zuständige Regie bewies große Umsicht und schnelle Auffassungsgabe. Dass die Kameras unmittelbar nach dem Unfall von dem scheinbar leblosen Samuel K. weg schwenkten, mag die voyeuristischen Gelüste manch eines Zuschauers enttäuscht haben. Aus Rücksicht auf den jungen Mann und seine zum Teil anwesenden Angehörigen aber war dies natürlich die einzig richtige Entscheidung, die die Verantwortlichen geistesgegenwärtig getroffen haben.

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Moderator Thomas Gottschalk erklärte den Zuschauern den Abbruch der Sendung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch der Entschluss, "Wetten, dass..?" angesichts des Unglücks und seiner zunächst unabsehbaren gesundheitlichen Folgen für den Kandidaten abzubrechen, war nicht nur richtig, sondern nötigt einem abermals Respekt ab. Es gibt einfach Momente, in denen alles andere zur Marginalie wird - die Superstars, die unverrichteter Dinge wieder abreisen müssen, die Take-That-Fans, die dem Auftritt ihrer wiedervereinigten Idole tagelang entgegen gefiebert hatten, und, ja, auch der Quotenkampf mit dem RTL-"Supertalent", der zuletzt immer erbitterter geführt wurde. Dies in so einem Moment zu erkennen und die passenden Konsequenzen zu ziehen, ist allerdings in der heutigen Medienwelt alles andere als selbstverständlich.

Härter, brutaler, gefährlicher?

Dass dieses Unglück nun bei "Wetten dass..?" geschah und nicht etwa beim "Supertalent", ist fast schon paradox. In der RTL-Sendung balancierten zuletzt Menschen ebenso über Kreissägen wie sie bei verbundenen Augen mit Samurai-Schwertern herum fuchtelten oder sich aus schwindelerregender Höhe in mit nur einer Handbreit Wasser gefüllte Baby-Planschbecken fallen ließen. Dagegen wirkten die Einlagen beim ZDF-Show-Dino in jüngster Zeit oftmals geradezu pillepalle.

Keine Frage: Ein bedingungsloses Härter, Brutaler und Gefährlicher im Unterhaltungs-Klimbim darf es nicht geben. Niemand sollte ernsthaft Leib und Leben riskieren. Und vor allem darf niemand dazu gedrängt werden. Ob dies bei Samuel K. der Fall war, der bei den Proben zu seiner Wette Zweifel an dem waghalsigen Sprungmanöver geäußert haben soll, muss untersucht werden.

Trotzdem sollte nun auch niemand voreilig die Moralkeule schwingen und allzu rigide Schlüsse ziehen - so sehr der Unfall bei "Wetten, dass..?" auch tragisch und der Abbruch der Sendung in diesem Augenblick richtig war. Denn natürlich gehört das Spiel mit den Extremen seit jeher zum Repertoire des Entertainments. Ein gewisses Restrisiko besteht dabei immer - egal, wie gut die Teilnehmer ihr Kunststück vorbereitet und trainiert haben. Aber wer nun über die entsprechenden TV-Formate herzieht, müsste auch Artisten im Zirkus, Stuntshows, Achterbahnen, Formel-1-Rennen und Klitschko-Gegner Shannon Briggs das Boxen verbieten. Mal ehrlich: Wer will das? Am Ende obsiegt eine alte Weisheit: The show must go on.

Quelle: n-tv.de

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