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Joel Kinnaman in"Altered Carbon" "Es gab eine Arschkamera!"

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Joel Kinnaman spielt die Hauptrolle in der neuen Netflix-Serie "Altered Carbon".

(Foto: Netflix)

Ganz schön schleimig tritt er zurück ins Leben. Eingeschweißt und nackt. Joel Kinnaman muss in der Sci-Fi-Serie "Altered Carbon" einen Mordfall lösen - seine Seele ist alt, der Körper neu. n-tv.de erzählt er von Muskeln, Demut und einem speziellen Würgegriff.

Ganz schön schleimig tritt er zurück ins Leben. Eingeschweißt und nackt. 250 Jahre in der Zukunft muss niemand mehr sterben. Deswegen beehrt Takeshi Kovacs die Erde nach einer Weile auf Eis erneut mit seiner Anwesenheit. Einzig eines neuen Körpers hatte er bedurft. Deswegen steckt der Widerstandskämpfer asiatisch-osteuropäischer Abstammung zu Beginn von "Altered Carbon" in der Hülle eines blonden Hünen.

Es ist eine aufwendige Welt, die Netflix für seine neue Megaserie entworfen hat. Ästhetisch angesiedelt irgendwo zwischen einem aktuellen Taylor-Swift-Video und einem besseren District der "Tribute von Panem", gespickt mit ein bisschen "Blade Runner"-Regen, sieht man dem Format sein Budget durchaus an. Die Serie ist so ambitioniert, gleich einfach alles sein zu wollen: Sci-Fi-Knaller (Menschen werden jetzt auf Chips gespeichert und nach Belieben in Körper geschoben), Noir-Krimi (Kovacs muss einen Mord lösen), Action-Schocker (es gibt sehr coole Kampfszenen und die obligatorische sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen). Außerdem gibt es viel nackte Haut zu sehen.

"Altered Carbon" ist nicht frei von Fehlern, wird seine Fans jedoch mit Sicherheit finden. Ein Grund dafür ist Hauptdarsteller Joel Kinnaman. Der 38-jährige Schwede hat schon in "The Killing" ermittelt, in "House of Cards" um die Präsidentschaft gerungen und als "Robo Cop" oder als Teil des "Suicide Squad" gegen das Böse angeballert. Er ist groß, muskulös und er hat diese verschlossene Coolness. Männer wollen sein wie er, Frauen … Na ja, Sie wissen schon. n-tv.de erzählt er von seinen Muskeln, Demut und einem besonderen Würgegriff.

n-tv.de: Ihre erste Szene in "Altered Carbon" zeigt Sie verletzlich - nackt und schleimig. Das haben Sie aber nicht an Ihrem ersten Tag am Set abgedreht, oder?

Joel Kinnaman: Nein, aber fast! Das muss innerhalb der ersten drei Tage gewesen sein. An zweien davon war ich nackt. Bei der Szene, die Sie angesprochen haben, ist mir eine Kameraperspektive besonders in Erinnerung geblieben. Es gab quasi eine Arschkamera! Ich falle vom Tisch und lande auf allen vieren. Und diese eine Kamera … Sagen wir, man konnte meine Seele sehen. (lacht)

Begreifen Sie Ihren Körper als eine Hülle, die Sie beliebig den Figuren anpassen, die Sie spielen?

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Joel Kinnaman hat für "Altered Carbon" ordentlich an Muskeln zugelegt.

(Foto: Netflix)

Physische Transformation hilft tatsächlich dabei, sich ein anderes Auftreten zuzulegen. Ich habe viel über körpereigene Intelligenz gelesen. Ich halte das Gehirn nicht für das exklusive Kontrollzentrum des Körpers. Für "Altered Carbon" bedeutet das: Wenn jemand seinem Bewusstsein, seinen Erinnerungen und seiner Seele einen neuen Körper gibt, hat dieser Körper auch Einfluss auf die Person. Ich glaube, ein bisschen kann man das auch auf die Schauspielerei übertragen. In einer neuen Rolle wird man zu einer anderen Version seiner selbst.

Für "Altered Carbon" haben Sie ganz schön an Muskeln zugelegt …

Das ganze Training war für mich eine der größten Herausforderungen an meiner Rolle. Ich habe schon Actionfilme gedreht, aber das war ein völlig neues Level. Sechs Monate vor Drehbeginn habe ich angefangen, zu trainieren - drei bis fünf Stunden am Tag, verschiedene Arten Martial Arts, Turnen und Stunt-Training. Ich musste außerdem sehr auf meine Ernährung achten. Beim Film ist es oft so, dass man im Vorfeld trainiert und der Körper bleibt dann für die paar Wochen Dreh in Form. "Altered Carbon" haben wir aber über einen Zeitraum von 10 Monaten gedreht und ich musste die ganze Zeit in Form sein. Es gab eine Menge grüne Bohnen zu essen! (lacht)

Was haben Sie sich nach dem letzten Drehtag gegönnt?

Einen Burger, eine Pizza, Bier, Whiskey - so ziemlich alles.

Wie viel Joel Kinnaman steckt in Takeshi Kovacs?

Von 12 bis 17 habe ich eine ziemlich miese Zeit durchgemacht. Dieses Alter ist für jeden hart, aber bei mir war es speziell. Ich habe eine Menge Mist angestellt. Die Menschen, mit denen ich mich umgeben habe, waren furchtbar negativ. Ihnen allen geht es heute elend. Die fünf Jahre, die ich mit ihnen verbracht habe, haben mich gezeichnet. Ich habe das Gefühl, dieser Teil von mir findet sich in allen Rollen, die ich spiele, wieder - also auch in dieser.

Zeigt "Altered Carbon" die Zukunft, wie sie in 300 Jahren wirklich sein wird?

Ich hoffe doch nicht! (lacht) "Altered Carbon" ist eine Dystopie. Allerdings wäre ich nicht überrascht, wenn sich die Dinge in eine ähnliche Richtung entwickeln würden.

Erschien Ihnen die Serien-Welt zugänglich?

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Für "Altered Carbon" wurde aufwendig eine neue Welt kreiert.

(Foto: Netflix)

Wenn in Filmen oder Serien eine völlig neue Welt kreiert werden soll, wird meist mit Green-Screen gearbeitet. Man braucht als Schauspieler viel Vorstellungskraft. Mir kommt es vor, als würde man es deswegen häufig mit Gestik und Mimik übertreiben - einfach, um extra deutlich zu machen, was für abgefahrene Dinge um einen herum passieren. Bei "Altered Carbon" hatten wir Sets, die so groß waren wie drei Fußballfelder. So was habe ich noch nie erlebt. Es war eine richtige kleine Stadt. Mit Nudel-Läden, Bauarbeitern und Polizei. Man kann sich gar nicht wehren, man fühlt sich sofort in diese Welt hineinversetzt.

Es heißt, "Altered Carbon" sei die bislang teuerste Netflix-Serie. Setzt Sie ein hohes Budget unter Druck?

Mir ist jede Form von Druck willkommen. Unter Druck fällt es leichter, diszipliniert und hart zu arbeiten. Zum Budget der Show darf ich nichts sagen. Aber ich kann sagen, dass ich gern in Extremen arbeite. Ich stelle mich meinen Ängsten.

Macht es süchtig, sich immer und immer wieder ans Äußerste zu treiben?

Ja. Trotzdem halte ich es für eine gesunde Lebensweise. Man sollte zehn Prozent des Lebens außerhalb der eigenen Komfortzone führen. Wer sich aufs Unbequeme einlässt, lernt Neues und kommt seinen Zielen näher. Das gilt im Berufsleben, aber auch außerhalb davon. Wenn ich nicht arbeite, versuche ich immer, irgendwas zu lernen - zum Beispiel Surfen oder Martial Arts. Lernen lehrt Demut. Wer nicht lernt, stagniert.

Was haben Sie zuletzt gelernt?

Man nennt es den "Baseball Choke" …

Das klingt aber nicht gesund.

Oh, für mich ist es gesund. Allerdings nicht für die Person, die gewürgt wird. (lacht)

Mit Joel Kinnaman sprach Anna Meinecke

"Altered Carbon" ist ab dem 2. Februar abrufbar bei Netflix.

Quelle: ntv.de