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Schutzmaßnahmen bei Rock am Ring Festivalsicherheit ist mehr als Polizeipräsenz

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Wie viele Polizeibeamte bei "Rock am Ring" im Einsatz sind, wollen die Behörden nicht verraten.

(Foto: imago/Manngold)

Unvorhersehbare Unwetter oder Terrorgefahr: Große Festivals müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Für Sicherheit sorgen bei "Rock am Ring" nicht nur die Veranstalter, sondern auch die Behörden.

Für viele Festivalbesucher sind Camping, Konzerte und Kunstbeiträge wie eine Flucht aus dem Alltag. Sicher soll es dabei zwar schon zugehen, doch rechtsstaatliche Präsenz wird oft als störend empfunden. Zur Sicherheit eines Festival trägt aber nicht nur Polizeipräsenz bei. Damit in drei Tagen über 80.000 Besucher auf dem Festival "Rock am Ring" ausgelassen feiern können, bedarf es eines Zusammenspiels zwischen Veranstalter und Behörden.

Die Vorgabe einer Polizeiwache und anlasslose Streifen auf dem Festivalgelände beim "Fusion Festival" sorgten für einen wochenlang andauernden Streit zwischen beiden Seiten und brachte Festivalfans in Rage. Von der Philosophie lassen sich Fusion und Ring nicht vergleichen, von den Vorgaben für Sicherheit allerdings schon.

Polizei am Ring setzt Zivilbeamte ein

Auf dem Ring soll die Polizeipräsenz nicht dazu dienen, Kontrolle auf die Besucher auszuüben. "Es ist ein sehr friedliches Festival, auch auf den Campingplätzen", erklärt Polizeisprecher Lars Brummer n-tv.de und führt fort: "Wir sind auch auf den Zeltplätzen präsent. Nicht um die Leute zu erschrecken, sondern um zu zeigen, dass wir in der Nähe sind, wenn Hilfe gebraucht wird." Laut Brummer sind auch Zivilpolizisten im Einsatz, die das Geschehen auf dem Festival aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Die Polizeistation auf dem Ring ist eine feste Einrichtung, die je nach Großveranstaltung unterschiedlich intensiv von den Beamten genutzt wird. "Natürlich sind wir bei 'Rock am Ring' sehr gut aufgestellt", sagt Brummer. Eine konkrete Zahl darf er nicht nennen, mehrere Hundert Beamten sollen es aber schon sein, die während der Festivaltage im Einsatz sind. Die Polizei sei ja auch für die Sicherheit der Leute zuständig, die sich um den Ring herum bewegen. "Da sprechen wir von rund 100.000 Menschen", betont er. Dabei werden dann auch Reisende und Verkehrsteilnehmer mit eingeschlossen.

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Volles Haus auf der Rennstrecke am Nürburgring.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für den Veranstalter ist die Zusammenarbeit mit der Polizei wichtig. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung finden mehrere Meetings statt, erklärt Sebastian Pichel n-tv.de. Er ist für das Sicherheitskonzept verantwortlich. "Bei Bedarf fordern wir die Polizei an." Sie sei auch an den Ein- und Auslässen präsent. "Das ist unser Wunsch, weil der Veranstalter gewisse Aufgaben nicht selbst übernehmen kann."

Frühwarnsysteme und "Crowdmanagement"

Neben den Beamten sollen Tausende Ordner und Security-Mitarbeiter dafür sorgen, dass die Besucher sicher auf das Gelände und die Zeltplätze kommen. Das muss vorab alles geplant werden. "Crowdmanagement" heißt der Fachbegriff dafür. Die Besucherströme werden laut Pichel mit den gängigen technischen Maßnahmen "wie beispielweise den Barrieren" gelenkt. Dies sei eine spannende wie anspruchsvolle Arbeit, betont er. Dafür kommen sogar die Rennampeln vom Nürburgring zum Einsatz. Damit soll Stau vermieden werden. "Zudem unterstützen uns elektronische Zählungen per Kamera, damit die Bereiche vor den Bühnen nicht überfüllt werden", sagt Pichel.

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Das Wetter am Ring ist schwer berechenbar - bei Blitz und Donner können sich die Besucher in Schutzzonen in Sicherheit bringen.

(Foto: imago images / Eibner)

Ein entscheidender, vom Menschen nicht beeinflussbarer Faktor für den Festivalablauf, bleibt aber weiterhin das wechselhafte Wetter am Nürburgring. Als das Festival zwei Jahre lang in Mendig stattfand, fürchteten die Veranstalter schlimme Unwetter. Durch Blitzeinschläge in den Jahren 2015 und 2016 wurden mehrere Menschen schwer verletzt. "Als einziges Festival in Europa haben wir einen voll umfassenden Blitzschutz installiert, das ist eine Konsequenz nach unseren Erfahrungen in Mendig", erklärt Pichel.

Ganzkörperscan bleibt Zukunftsmusik

Blitzableiter entspannen die Lage bei Gewittern seitdem etwas und auch gegen ein weiteres unkontrollierbares Wetterphänom haben die "Rock am Ring"-Veranstalter vorgesorgt. "Eine Herausforderung stellt für uns der Wind dar", sagt Pichel. Zwei Meteorologen stehen deswegen für Vorhersagen 24 Stunden beratend zur Verfügung. Eine Fernberatung lehnen die Veranstalter ab. Dafür sei die Kommunikation auf Distanz einfach zu schwierig, wenn Entscheidungen zu treffen sind. "Wir waren in diesem Jahr bereits mit Böen mit einer Stärke von 7 konfrontiert. Unsere Maßnahmen und Frühwarnsysteme haben gut gegriffen", erklärt der Sicherheitsbeauftragte.

Die Sicherheitskonzepte für das Musikfestival werden kontinuierlich in einer Arbeitsgemeinschaft überprüft und verbessert. Mit hochtechnisierten Kontrollen wie Detektoren oder Bodyscans habe man sich ebenfalls bereits auseinandergesetzt. "Würde man das für richtig halten, würden wir keine Kosten scheuen und das sofort umsetzen", sagte Pichel. Er schränkt jedoch gleich ein: "Solange die Technik nicht so weit entwickelt ist, hat es keinen Sinn, Besucher mit einem Ganzkörperscan oder mit Metalldetektoren abzusuchen." Ein manuelles Absuchung durch Security-Kräfte halte er für wesentlich effektiver.

Quelle: n-tv.de

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