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Keine Hochzeit, viele Todesfälle "Game of Thrones" macht kurzen Prozess

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Muss sich entscheiden zwischen Mutter Teresa und Jeanne d'Arc: Dynaeris.

Seit jeher kämpfen Menschen um Macht, bei "Game of Thrones" tun sie es auf besonders grausame Weise. Zum Finale der vierten Staffel wird es noch einmal extrem brutal - einige verlieren ihre Unschuld, andere gleich das Leben.

Man sollte sein Herz nicht an Charaktere verschenken. Wenn es eins gibt, was bei "Game of Thrones" (GoT) sicher ist, dann das. Als ob nicht schon genug gestorben worden wäre, macht die letzte Episode der pompösen vierten Staffel kurzen Prozess mit gleich vier Hauptrollen. Wie es sich für ein Staffelfinale gehört, kommt bei der HBO-Show der dickste Schocker zum Schluss.

In sieben Königreichen des Kontinents Westeros, in dessen nördlichen Gebieten jenseits der "Mauer" sowie auf dem Kontinent Essos tobt der Kampf um die Herrschaft erbitterter den je. Vor der Kulisse fantastischer Welten, die einst George R. R. Martin mit seiner Roman-Serie "Das Lied von Eis und Feuer" geschaffen hat, intrigieren und schlachten Vertreter von Adel und Volk um ihr Leben, denn - für alle, die es noch nicht mitbekommen haben - "Winter is coming".

ACHTUNG SPOILER

Jon Snow, der Held mit der leidenden Mimik, hat nun wirklich nichts mehr zu verlieren. Die Wilden aus dem Eis sind in die Festung der "Night's Watch" eingefallen - unter ihnen seine geliebte Feindin Ygritte. Das romantisch-bedrohliche Wiedersehen der beiden wird jedoch recht schnell von einem Pfeil beendet, der die Brust der schönen Wilden durchbohrt. Snow gibt daraufhin den Märtyrer. Er bricht alleine auf, um den Anführer der Feinde zu töten. Ob ihm das tatsächlich gelungen wäre - was zu bezweifeln ist - bleibt unklar, denn just in dem Moment reitet Stannis Baratheon die Krieger mit seiner eigenen Armee über den Haufen. Die ergeben sich.

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Du, Papa, ich muss dir was sagen ...

(Foto: Warner Home)

In King's Landing muss sich Tywin Lannister nach Krönung des Enkels Nummer zwei noch immer mit Familienangelegenheiten herumschlagen. Tochter Cersei nimmt sich den Vater zu Brust und gesteht: Ja, ich schlafe mit meinem Bruder. Es ist ihr vielleicht großartigster Moment bis jetzt. Und als ob das die massiv umstrittene Mehr-oder-weniger-Vergewaltigungszene einige Folgen zuvor wieder wettmachen würde, gibt es dann für sie eine definitiv einvernehmliche Runde Geschlechtsverkehr mit Bruder Jamie.

Vom Orgasmus beflügelt

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Höhenflug durch Sex, nicht so unüblich ...

(Foto: Warner Home)

Der möglicherweise mächtigste Mann der Show hat tatsächlich eine große Schwachstelle: Wenn es um seine Kinder geht, hat Tywin keinen Durchblick. Das soll ihm im Laufe der Finalfolge noch schwer zu schaffen machen. Jamie zeigt sich von seinem Höhenflug mit der Schwester zu Heldentaten inspiriert: Er befreit seinen fälschlicherweise wegen Mordes an Inzest-Kind und König Geoffrey verurteilten Bruder Tyrion.

Auch eine andere hat Führungsschwierigkeiten. Daenerys Targaryen will nach diversen Siegeszügen endlich einmal herrschen - und das stellt sich als ganz schön schwierig heraus. Die Mutter der Drachen sieht sich als Befreierin der Sklaven. Dumm nur, dass die gar nicht alle frei sein wollen. Und dann machen auch noch die feuerspeienden Ungetüme Ärger. In der vorigen Folge hatten die Drachen noch ein Schaf gegrillt - der Besitzer ließ sich dankbar auszahlen. In dieser Episode ist es ein dreijähriges Mädchen. Weil sie den Killer-Drachen nicht gefasst bekommt, buchtet sie eben die beiden anderen ein. Konsequenz sieht anders aus.

Stechen, kloppen, Ohr abkauen

Einen Teilstreckenerfolg kann indes der querschnittsgelähmte Brandon Stark verbuchen. Er und seine Begleiter erreichen endlich den leuchtenden Baum, den Bran in seinen Visionen gesehen hat. Kurz vor dem Ziel wird die Gruppe von garstigen Skeletten attackiert. Das geht verhältnismäßig gut - nur seinen Gefährten Jojen kostet es das Leben. Dem Armen geht es ein wenig wie dem heiligen Johannes: Er führt den Erleuchteten auf den richtigen Weg, hat damit dann aber auch seinen Zweck erfüllt. Um Bran kümmern sich jetzt die "Kinder des Waldes", elfenhafte Kreaturen, die offensichtlich Lichtkugeln schießen können, und der ominöse dreiäugige Rabe. Die GoT-Macher haben sich sichtlich Mühe gegeben, Brans Handlungsstrang mit Spannung aufzuladen. Irgendwie ist klar, dass der Junge noch wichtig wird - ohne Sex und Klopperei kann seine Geschichte mit all den anderen aber leider nicht mithalten.

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Wie oft kann ein Herz brechen?

Für zähe Minuten entschuldigt dann das große Aufeinandertreffen von Kriegerin Brienne of Tarth samt Knappen und Arya Stark samt "Hund". Fast scheint es, als würden sich Brienne und Arya über Frauengespräche - Schwerter und so - verbrüdern, da erkennt Brienne in ihrem Gegenüber die Stark-Tochter, die zu suchen sie doch aus ist. Zwischen ihr und Aryas Beschützer entbrennt der großartigste Kampf der gesamten Staffel. Mit Schwertern gehen die beiden Hünen aufeinander los. Als sie sie verlieren, wird mit Fäusten und Knien weitergeprügelt, bis das Blut spritzt. Der "Hund" kämpft mit Ärger, Brienne mit Ehre - doch zimperlich ist sie wirklich nicht. Sie beißt dem Gegner das Ohr ab. Wie sie es ausspuckt, ist Arya allerdings bereits verschwunden. Sie schlägt sich den Norden aus dem Kopf und bricht stattdessen auf eigene Faust nach Braavos auf.

Brich mein Herz und ich brech' dir die Knochen

Schon fast verschwunden ist auch der befreite Tyrion Lannister. Offensichtlich will der jedoch vor seiner Flucht noch eine Rechnung begleichen. Er betritt die Räumlichkeiten seines Vaters und findet überraschend Shae, die Frau die er liebt, in dessen Bett. Er hatte die einstige Prostituierte zu ihrer Sicherheit fort aus King’s Landing geschickt, doch Tywin oder Cersei müssen sie aufgespürt haben: In der vorigen Folge sagte sie im Prozess gegen Tyrion gegen ihn aus. Dem bricht das Herz nun zum zweiten Mal. Er stranguliert die Schöne. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Den Vater überrascht Tyrion, als er gerade seine Notdurft verrichtet. Tywin-typisch versucht dieser, den Sohn mit Worten einzulullen und verkennt dabei, dass dieser die Raison spätestens im Verlies  abgelegt hat. Nicht ohne seinem Schmerz ein letztes Mal Ausdruck zu verleihen, erschießt Tyrion den Vater mit einer Armbrust. Ob er gut daran tut, sich dann vom zwielichtigen Lord Varys in Sicherheit bringen zu lassen, muss Staffel fünf beweisen.

Der Nachwuchs am moralischen Scheideweg

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Kann ich mich auf dich verlassen?

Mit "The Children" (die Kinder) ist die Finalfolge betitelt und das kann abseits der ominösen "Kinder des Waldes" auch definitiv als Hinweis auf den gesamten Tenor der vierten GoT-Staffel betrachtet werden. Die Welt der sieben Königreiche ist eine, in der man schnell erwachsen werden muss. Wer überlebt, der überlebt alleine. Weder von Freunden und Familie noch von den Göttern ist Schutz zu erwarten. Aber müssen die Charaktere kalt und brutal werden, um ihr Überleben zu sichern? Dynaeris zum Beispiel hat gute Absichten. Unter ihrer Herrschaft sollen die Menschen Gerechtigkeit erfahren. Deswegen befreit sie Sklaven, doch sie kreuzigt auch deren Herren zu Hunderten. Sie muss sich langsam zwischen der Rolle der Kriegerkönigin und der mütterlichen Beschützerin entscheiden.

Jon Snow gibt noch den Ehrenwerten, doch wie lange kann es noch dauern, bis auch er versteht, dass es Ehre und Anstand waren, die viele seiner Verwandten das Leben gekostet haben? Wenngleich sie in der finalen Folge keine Rolle spielt, soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Sansa Stark sich endlich und ein für alle Mal aus ihrer Opferrolle befreit hat. Nur durch eine Lüge für den schwer durchschaubaren Petyr Baelish allerdings konnte sie die Herrschaft über ihr eigenes Schicksal zum Teil zurückgewinnen. Noch haben die jungen Protagonisten ihre Moralvorstellungen nicht verworfen, nur sind sie mittlerweile mit grausamen Wahrheiten konfrontiert, die sie nicht länger verleugnen können. Wie sie damit umgehen, wird sich zeigen.

Zeigen muss sich auch, wie die verbleibenden Protagonisten wiedergutmachen, was die Macher der Show ihrem Publikum genommen haben. Um den "Hund" ist es schade, doch seine Geschichte schien auserzählt. Ygritte aber hätte mehr Auftritte verdient. Stattdessen durfte sie nur grummelig Pfeile spitzen.

Auch Oberyn Martell musste zu früh sterben. Er steuerte in dieser Staffel nicht nur ordentlich Nacktszenen bei, sondern gab den vielen Feinden von Tywin Lannister ein Gesicht. Weil er Rache für den Mord an seiner Schwester nehmen wollte, erklärte er sich bereit, gegen einen Schlachter-gleichen Hünen für Tyrions Freiheit zu kämpfen. Den hatte er auch fast besiegt, nur um sich in einem Moment der Unaufmerksamkeit doch noch hinrichten zu lassen - ganz eklig übrigens mit eingedrückten Augen und platzendem Schädel.

Stattdessen hätten die Macher mal lieber an magischen oder jedenfalls fiktionalen Figuren sparen können. Die Killer-Skelette, die zombiesken "White Walkers" und auch die abartigeren Typen unter den Wilden bewegen sich an der Grenze zur Lächerlichkeit. Aber sie sind eben wichtig für das gesamte Epos. Insbesondere wenn in der kommenden Staffel die Geschichte um Bran intensiver aufgegriffen wird, könnte es schwierig werden, die Zuschauer vor dem Genrekoller zu bewahren. Vielleicht helfen da solide Dosen Margaery Tyrell und Theon Graufreud - die waren in dieser Runde GoT nämlich auch ziemlich großartig.

Quelle: ntv.de