Unterhaltung

Starker Tobak aus Island Hatari bringt SM zum ESC

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Setzen auf Provokation: Hatari.

(Foto: eurovision.tv)

Auffallen und provozieren: Mit diesem Plan wartet Island beim ESC auf. Nach mehreren erfolglosen Jahren soll die Band Hatari ein unübersehbarer Farbtupfer für ihr Land sein. Deutlich ruhiger treten dagegen die anderen Nordeuropäer auf.

Düsterer geht es kaum noch: "Das Gelage war zügellos, der Kater war endlos, das Leben ist sinnlos, die Leere beansprucht alles", beginnt der Text des isländischen Beitrags beim Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Kein Wunder, dass sich die dazu gehörende Band Hatari (die Hasser) nennt. Auch der Songtitel "Hatrid Mun Sigra" (Der Hass muss siegen) lässt nichts Gutes erwarten. Der Beitrag hat eine depressive Grundstimmung und wird von den Hatari-Jungs auf Isländisch vorgetragen.

Klemens Hannigan, Matthías Haraldsson und Einar Stefánsson wollen nicht nur laut und provokativ sein, sie sehen sich auch als politische Band. Ihr Ziel ist die Abschaffung des Kapitalismus - das soll möglichst schnell geschehen. Weil die Band ihrem Ziel in der jüngeren Vergangenheit nicht näher gekommen war, wollte sie sich eigentlich Ende des vergangenen Jahres auflösen.

Aber dies verhinderte das isländische Fernsehen, das Hatari bat, am ESC-Vorentscheid teilzunehmen. Wohl als ein Farbtupfer, weil die im Nordatlantik gelegene Inselrepublik mit braven Beiträgen bei den vier vorherigen Contests nicht viel gerissen hatte und über das Halbfinale nicht hinauskam. Die Bitte der TV-Bosse stimmte Hatari um, wohl auch, weil eine Woche ESC Bekanntheit außerhalb Islands verspricht.

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Dabei nehmen die isländischen Fernsehgewaltigen auch möglichen Ärger in Kauf. Sie würden sich beim ESC für die Sache der Palästinenser einsetzen, ließen Hatari die Öffentlichkeit wissen. Nach Angaben der Zeitung "Stundin" würden sie Benjamin Netanjahu zu einer Art Wrestling einladen. Würde Israels Regierungschef gewinnen, bekäme er die vor Island gelegene Inselgruppe Vestmannaeyjar geschenkt. Hatari würde bei einem Sieg im jüdischen Staat eine sogenannte BDSM-Kolonie gründen, in der bestimmte sadomasochistische Praktiken betrieben würden. Das ist alles natürlich nicht ernst gemeint. Kein Wunder also, dass es aus Jerusalem kein Statement dazu gibt.

Gelingt den Isländern mit ihrem Stil, der sich zwischen Industrial, Techno und Digital Hardcore bewegt, mit "Hatrid Mun Sigra" der große Sprung nach oben? Das ist wohl ziemlich unwahrscheinlich, denn einem große Teil der ESC-Gemeinde ist dieser Song wohl zu speziell und provokativ. Aber Hataris Performance, mit für sexuelle Undergroundszenen typischem Outfit, könnte für einen Einzug ins Finale reichen.

Schweden setzt auf Bewährtes

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John Lundvik versucht's mit poppigem Gospel.

(Foto: eurovision.tv)

Gediegener kommen die anderen Nordlichter daher. So stellt Schwedens John Lundvik nicht den Hass, sondern die Liebe in den Mittelpunkt. Der 36-jährige ehemalige Leichtathlet aus Växjö will mit dem Lied "Too Late For Love" den ESC-Olymp erklimmen. Der in London geborene und von einem schwedischen Ehepaar adoptierte Lundvik ist in seiner Heimat kein unbeschriebenes Blatt. So trat er anlässlich des 70. Geburtstages von Königin Silvia und des Namenstages von Kronprinzessin Victoria auf. Auch als Songschreiber ist Lundvik ziemlich erfolgreich. "Too Late For Love" ist eine Popnummer mit Gospeleinschlag. Also keine großen Experimente in Schweden. Bislang ist man damit erfolgreich.

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Die Norweger setzen zehn Jahre nach dem ESC-Sieg von Alexander Rybak mit "Fairytale" auf das Trio KEiiNO. Tom Hugo, Fred-René Buljo und Alexandra Rotan beschäftigen sich in ihrem Song "Spirit In The Sky" mit der Gleichberechtigung - nicht nur unabhängig vom Geschlecht, sondern auch von der Herkunft. Buljo, der bereits als samischer Rapper auftrat, performt "Spirit In The Sky" als Joik, eine spezielle Gesangstechnik seines Volkes. Das Finale dürfte für KEiiNO mit diesem eingängigen Ethno-Song möglich sein.

Seit 1961 ist Finnland beim ESC. Es ist so oft wie kein anderes Land auf einen der drei letzten Plätze gekommen. Nur einen Sieg konnten die Künstler aus dem Land der tausend Seen bislang holen - 2006 setzten sich die maskierten Hardrocker von Lordi in Athen mit "Hard Rock Hallelujah" durch. Diesmal steigt DJ Darude, der eigentlich Ville Virtanen heißt, für die Finnen in die Bütt. "Look Away" heißt der Song, den der in seiner Heimat und auch außerhalb bekannte Künstler nicht alleine performt. Dem 43-jährigen Darude steht Sebastian Rejman als Sänger zur Seite. Mit dem Titel "Sandstorm" hatte Darude zu Jahrhundertbeginn immerhin die Spitze der britischen Charts erklommen. Trotzdem hatte er nach eigenen Angaben "ein bisschen Angst", sein Land beim ESC zu vertreten. Bleibt für ihn zu hoffen, dass die Vorschusslorbeeren für ein gutes Abschneiden beim Contest hilfreich sind.

Quelle: n-tv.de

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