Unterhaltung

"Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" Heimweh, Hashtags und die Sara-Kulka-Diät

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Feinde, überall Feinde: Sara Kulka muss auch am zweiten Tag zur Dschungelprüfung.

(Foto: RTL / Stefan Menne)

Tag 2: Kodderschnauze Kulka hat nur einen Tag gebraucht, um das Land zu spalten. Doch Walter legt noch eins drauf. Der will nämlich eine ausrangierte Familiensendung neu beleben. Und zwar, man glaubt es kaum: "Wetten, dass...?".

"Ich hab Angst. Ich kann das nicht. Scheiße!", zetert Sara und bricht in Tränen aus. Die Amazone mit der Gusche eines Bauarbeiters ist in der australischen Dschungelhölle angekommen. Da, wo es richtig kreucht und fleucht und Frauen unter Beweis stellen, dass sie auf der Tonleiter locker mit Mariah Carey mithalten können, wenn die Angst sie überwältigt. Je kleiner der Hypothalamus, desto größer das Ausmaß der Furcht. Hilfe!

Tageswertung

Held: absolut heldenloser Tag

Ergatterte Sterne: 0

Heulsuse des Tages: Angelina, weil sie schon an Tag 2 schlimmes Heimweh hat

Irrtum des Tages: "Ich bin ansehnlich, top in Form und das Idol einer ganzen Generation". (Walter)

Zitat des Tages: "Ich bin das Opfer der Nation" (Sara)

Zur nächsten Prüfung muss: Sara

Tipp des Tages: Bei Lebenskrisen Walter fragen

Eingepfercht in ein Rattenloch unter Tage, dem gegenüber die miefigen Slums von Kalkutta wie eine Wellness-Oase anmuten, merkt "Wild Girl" Sara, dass ein vorlautes, aber sympathisches Mundwerk allein nicht genügt, um die Gunst des Publikums zu ergattern. Was in "Indiana Jones und der Tempel des Todes" so leicht aussah, stellt sich für Mrs. "Ich-will-Vollgas-geben-und-alles-schlucken" als unlösbare Aufgabe heraus.

Schon am Höhleneingang gesteht sie: "Ich kann das nicht!". Als Sonja und Daniel ihr im Angesicht von Totenköpfen und Skorpionen erklären, wie sie die Sterne ergattern soll, die sie nun mal braucht, damit alle am Abend etwas zwischen die Kiemen kriegen, entgleitet dem "Opfer der Nation" erneut ein verzweifeltes: "Ich kann das nicht!" Und als sie schluchzend auf dem Boden hockt, ereilt sie, trotz Synapsen-Salat im Oberstübchen eine mit an Sicherheit grenzende Vorahnung: "Jetzt werden die mich immer wieder wählen". Der Grund liegt für Sara klar auf der Hand: "Weil die mich alle hassen".

Und dann geschieht, was wohl geschehen muss: Frau Kulka-"Dingens" macht die "kürzeste Prüfung ever" und bricht mit den Worten "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" ab. Damit führt sie sogleich die "Sara-Kulka-Diät" ein, denn mit null Sternen im Schlepptau heißt das nichts anderes, als dass der Abendbrot-Teller leer bleibt. Da ist es tröstend, dass das geläuterte "Hasi" von Mutti Maren aufgebaut und von den anderen nicht verstoßen wird.

Von Gefühlen überwältigt

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Patricia Blanco (l.) lässt sich von Tanja Tischewitsch das Phänomen der Hashtags erklären.

(Foto: RTL)

Nur ein, zwei Blicke ins Lagerfeuer und schon werden die Menschen melancholisch und denken übers Leben nach. Maren vertraut Boyband-Benji an, dass sie früher gern eine Tochter gehabt hätte, aber der Zug inzwischen abgefahren sei und so "ein Kind im Ausland zu kaufen, ist ja auch doof".

Auch die anderen Camper werden von ihren Gefühlen überwältigt. Sie dürfen nämlich ein paar persönliche Dinge in Empfang nehmen, Kuschelkissen mit dem Konterfei eines geliebten Menschen, so was halt. Und da ist es durchaus verständlich, wenn Sensibelchen Angelina - von der #IBES-Community unsanft mit dem Hashtag Memme gefoppt - dicke Krokodilstränen weint, weil sie bereits am zweiten Tag Heimweh hat. Ja, das Leben kann hart wie ein Bullenpuller sein. Es soll ja sogar Leute geben, die vor Heimweh zusammenbrechen, nur, wenn sie mit dem Hund eine Runde um den Block gehen. Oder drei Stationen mit dem Bus zu Edeka fahren. Im Vergleich dazu das gut bezahlte Heimweh im Busch: Nicht auszuhalten. Unerträglich!

Die kleine Raute, besser unter dem Begriff: "Hashtag" bekannt, war eines der zentralen Themen im Camp. Roberto Blancos Tochter wusste noch nicht, was ein Hashtag ist. "Hair-Steak? Häääää? Meinste mit Kräuterbutter?", fragt sie leicht verwirrt, als "Technik-Tussi" Tanja ihr versucht zu erklären, um was genau es sich dabei handelt: "Hashtag Boobs, Hashtag Sex, Hashtag beautiful. Weißte, was ich mein'?"

Schnell fällt bei Patricia der Groschen. Und weil sie nicht mehr Blanco heißen will, erklärt ihr die Social-Media-Expertin auch gleich, wie sie ihren neuen Namen im Netz bekannter machen kann: "#PhoenixP" oder noch besser: "Hashtag Patricia Phoenix", denn die Patricia ist - wie der von Conchita Wurst besungene Vogel - auch aus der Asche gestiegen.

Hoffnung auf Rückkehr von "Wetten, dass?..."?

Dann geschieht etwas, das zumindest den empfindsamen Seelen für eine Nanosekunde das Herz in die Hose plumpsen lässt. Walter, der abgehalfterte Moderator a.D., verkündet Zuschauern und Sendeanstalten gleichermaßen, dass er einen neuen Job sucht. Nun könnte man ihn für seine teils larmoyante, teils sich selbstüberschätzende Art belächeln, aber das Lachen bleibt einem wie ein Stückchen Känguru-Hirn im Halse stecken.

Denn "Quallen"-Walter ist eben nicht nur das leicht unsympathische, "arme Schwein", das "keiner mehr einstellen will". Der alte Knacker, seit Jahren arbeitslos, steht auch stellvertretend für viele ältere Jobsuchende, die am eigenen Leib spüren, dass Alter in unserer Gesellschaft oft nicht mit Erfahrung, sondern vor allem mit Gebrechlichkeit gleichgesetzt wird. Aber wer will es einem verübeln, wenn man sich den Walter so anschaut? Nichtsdestotrotz hat er sich ein Herz gefasst und sich beim ZDF beworben. Er würde sofort beim kürzlich eingestampften "Wetten, das...?" anheuern. Ein ausrangierter Moderator mit multipler Nahtod-Erfahrung übernimmt eine ausrangierte Sendung: Optimisten würden sagen, Wunder gibt es immer wieder.

Kein Wunder hingegen ereignet sich bei der Wahl zur nächsten Dschungelprüfung. Die Zuschauer haben erneut Sara gewählt.

Quelle: ntv.de