Unterhaltung

"The Voice Of Germany"-Startschuss Heuchler, Charmebolzen und Verrückte

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(Foto: ZB)

Peng! Peng! Peng! Zu Beginn der sechsten "The Voice Of Germany"-Staffel schießen die Verantwortlichen mit angsteinflößendem Musical-Metal, durchgeknalltem Pianobar-Jazz und rotzigem Bluesrock um sich.

Die sechste "The Voice Of Germany"-Staffel ist noch keine zehn Minuten alt, da geht dem ersten Hauptprotagonisten bereits der Arsch auf Grundeis. Sein Name: Danyal Demir. "Ich komme aus Bayern. Das ist in der Nähe von München", zittert der 23-jährige Sunnyboy nach seinem "Pony"-Auftritt ins Mikrofon.

Der arme Kerl ist so nervös, dass er Sekunden später erst einmal auf den Bühnenboden plumpst, um wieder "runter zu kommen". Die Jury allerdings ist hin und weg. Sie hat an dem hibbeligen Sänger sofort einen Narren gefressen. Danyals groovender Soul holt sie alle ab: Samu Haber, Yvonne Catterfeld, die beiden Fanta 4-Haudegen Smudo und Michi und auch Andreas Bourani. Alle sind geflasht.

Und Danyal? Der kann sein Glück kaum fassen. Doch was nun? Schnick, Schnack, Schnuck? Ene, mene muh? Danyal zögert kurz. Einen Augenblick später tanzen die selbsternannten "The Voice-Soulmates", Michi Beck und Smudo, das erste Mal an diesem Abend vor Freude im Dreieck. Das erste Juwel ist schon mal im Sack. Und es soll nicht das letzte gewesen sein.

Wie ein ausgehungerter Toblerone-Junkie

Auch der 27-jährige Michael Wansch entscheidet sich für das rappende Klamauk-Duo. Mit seiner schizophrenen Metal-meets-Musical-Performance ("Confrontation") haut er vor allem Smudo aus den Socken: "Du wirst der Erste sein, den wir im Battle gegen sich selbst antreten lassen", jauchzt das Fanta 4-Urgestein.

Den dicksten Fisch ziehen die Hip Hopper aber kurz vor Show-Schluss an Land. Marc Amacher aus der Schweiz rockt die Bühne wie einst Klaus Kinski die Filmsets. Wie ein ausgehungerter Toblerone-Junkie rattert sich der bärtige Gitarren-Nerd durch Buffalo Springfields "What It’s Worth". Mit improvisiertem Bluesrock der dreckigsten Sorte schießt der quirlige Familienvater den Vogel ab. Der Lohn: vier leuchtende Buzzer, drei Zugabe-Runden und ein begeistert in die Hände klatschendes Team Fanta, das sich bereits jetzt sicher ist, einen der Titel-Favoriten im Sack zu haben. Aber so weit sind wir natürlich noch nicht.

Sicher, Smudo und Michi Beck dürfen sich nach den ersten Blind Auditions durchaus gegenseitig auf die Schultern klopfen. Aber auch die anderen drei Juroren dürfen sich über vielversprechende Zusammenarbeiten freuen.

"Fucking unfassbar"

Neuzugang Yvonne Catterfeld beispielsweise, die ihre Mitstreiter gleich zu Beginn der Show verbal in ihre Schranken weist ("Hier sitzen ein Heuchler, ein Charmebolzen und zwei Verrückte"), feilt demnächst an skurrilen Jazz- und tiefgründigen Deutschpop-Rohdiamanten (Vera Tavares, Darius Zander).

Schönredner Andreas Bourani hat bald die Haare schön. Mit der Friseurmeisterin Marina Mast holt er sich aber nicht nur eine Styling-Verstärkung, sondern auch eine energiegeladene Anastacia-Stimme ins Haus.

Und Rückkehrer Samu Haber? Der lässt in puncto Redenschwingen zwar reichlich Federn. Aber dafür reißt er sich mit dem 17-jährigen Bünyamin Yazici ein wahres Deutschpop-Ausnahmetalent unter die Nägel. Das ist "fucking unfassbar", johlt der blonde Finne ins Mikrofon. Jawohl Samu, so isses! Und nicht anders.

Da soll nochmal einer behaupten, Castingshows fehle mittlerweile das Feuer. Hier und heute brannte die Hütte. Und zwar lichterloh. Mit großen Emotionen, durchgeknallten musikalischen Achterbahnfahrten und einer impulsiven Jury, die sich untereinander nichts schenkt, zeigt "The Voice Of Germany" ähnlich gestrickten Castingformaten hierzulande mal wieder die lange Nase.

Quelle: ntv.de

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