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Verwirrung um Polizeiabfrage Jan Böhmermann im Visier von "NSU 2.0"?

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Wurde seine Adresse ausspioniert? Jan Böhmermann.

(Foto: imago/Future Image)

Die Angaben sind widersprüchlich, aber der Verdacht ist in der Welt. Einem Medienbericht zufolge wurden von einem Berliner Polizeicomputer auch Daten zu Jan Böhmermann abgerufen - kurz bevor seine Adresse in einem rechtsextremen Drohschreiben auftauchte. Ein anderer Bericht jedoch widerspricht.

Die Berliner Polizei hat möglicherweise mit einem weiteren Fall einer problematischen Datenabfrage durch Beamte zu tun - diesmal geht es um den prominenten Satiriker Jan Böhmermann. Dessen Namen teilte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann im Zusammenhang mit rechtsextremen Drohschreiben und Datenabfragen von Polizeicomputern mit.

Welche Daten von Böhmermann konkret abgefragt wurden und wann das der Fall war, sei am Donnerstag im Innenausschuss des hessischen Landtags nicht mitgeteilt worden, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Die Berliner Polizei verwies auf die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die ermittelt. Es müsse nun aufgeklärt werden, was geschehen sei, hieß es.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete unterdessen, ein Berliner Polizist habe die Daten am 25. Juli 2020 von einem Polizeirechner in Berlin abgerufen. Am 1. August sei dann eine Drohmail von "NSU 2.0" an mehrere Adressaten verschickt worden. An Böhmermann selbst ging die Mail zwar offenbar nicht, allerdings werde in dem Schreiben, das dem Blatt vorliege, "Böhmermanns Adresse verwendet".

"Tagesspiegel" widerspricht

Der Berliner "Tagesspiegel" wiederum widerspricht dieser Darstellung. So will die Zeitung exklusiv aus Kreisen der Verwaltung des Berliner Innensenators Andreas Geisel erfahren haben, dass die Datenabfrage zu Böhmermann in keinem Zusammenhang zu mit "NSU 2.0" unterzeichneten Drohschreiben steht.

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Demnach habe die angebliche Datenabfrage zu Böhmermann im Juli 2020 nie stattgefunden. Sehr wohl sei es jedoch im Juli 2019 zu einer entsprechenden Abfrage gekommen. Diese sei aber "polizeilich und dienstlich begründet gewesen", so der "Tagesspiegel". Der betreffende Berliner Beamte gelte in den Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft deshalb auch nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge.

Kürzlich war bekannt geworden, dass zwei Berliner Polizisten Daten einer Kabarettistin abgefragt hatten, die später "NSU 2.0"-Drohschreiben erhielt. Das soll am 5. März 2019 geschehen sein. Am selben Tag soll es eine ähnliche Abfrage zu der Kabarettistin auch in einer Polizeiwache in Wiesbaden gegeben haben.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa