Unterhaltung

Ein legendäres Konzert Meine einzigartige Nacht mit Prince

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Prince war ein Genie und vor allem ein begnadeter Live-Musiker. Meine Erinnerungen an eine unvergessene Nacht in der Großen Freiheit in Hamburg - ein musikalischer One-Night-Stand in einem kleinen Klub.

Hamburg-Reeperbahn. 1988.

Die Gerüchte stimmen. Endlich. Ist das wirklich Prince? Das ist er doch! Unser musikalisches Idol. Unser Liebling im Plattenregal. Da steht Prince auf der kleinen Bühne. Was kaum einer noch glauben wollte, er ist wirklich noch auf die Reeperbahn gekommen. Das Musik-Genie aus Minneapolis lächelt wie ein Schelm in der Großen Freiheit 36 in Hamburg, einem kleinen Klub auf der Reeperbahn. Es ist halb zwei oder halb drei am Morgen. Ende August 1988. Erst jetzt sieht die überschaubare Menge den Meister. Jubel! Prince guckt verlegen. Aber auch sexy. Und schon prasseln die ersten Klänge aus den Lautsprechern in den dunklen Saal. Es ist wirklich Prince!

Von Nahem wirkt er noch kleiner als in den Musikvideos. Da helfen auch keine hohen Stiefel.

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In seiner Heimatstadt Minneapolis trauern die Menschen vor dem Nachtclub, in dem seine Karriere begonnen hatte.

(Foto: AP)

Die Frauen neben uns flippen regelrecht aus, als sie das erste Lied erkennen. Die "Revolution" dreht auf. Prince ist noch lange nicht müde. Er will mit seiner grandiosen Band noch Spaß haben. Einfach Musik machen. Beim Konzert einige Stunden zuvor gab es schon Getuschel. Er könnte noch in die Große Freiheit kommen. Aber keiner war sich sicher. Trotz eines mehrstündigen Konzerts auf der "Lovesexy"-Tour packt Prince noch der Rhythmus. Sein schlanker, muskulöser Körper will das Gleiche wie das Publikum. Singen und tanzen.

Auf einer Stufe mit Michael Jackson und Whitney Houston

Der Legende nach hatte die Polizei im Vorfeld schon gedroht, "das Konzert beenden wir, wenn Prince nicht um 23 Uhr aufhört". Dann macht Prince halt woanders weiter.

Jetzt sind sie alle ganz nah. Dr. Fink am Keyboard, Prince an der Gitarre, seine fulminanten Schlagzeuger und die Percussionisten sind noch nicht müde. Die Band spielt auf Zuruf, worauf sie gerade Lust hat. Klassiker und weniger bekannte Songs. Es ist die Zeit, in der Prince mit "Alphabet Street" und "LoveSexy" die Charts und Radiosender dominiert. Seit der Langspielplatte und dem Film "Purple Rain" ist er in Deutschland ein Superstar. Ein Wort, das heute viel zu oft benutzt wird, aber auf Prince lange Jahre zutraf.

Prince soll mal gesagt haben: "Ein echter Star kann am Morgen im Radio sagen, dass er ein Konzert gibt. Am Abend muss es dann ausverkauft sein." Ende der 80er, Anfang der 90er wäre das für Prince ein Leichtes gewesen - egal, wo auf der Welt er das gesagt hätte. Er prägte zusammen mit Michael Jackson und Whitney Houston die schwarze Musik seiner Zeit. Spätestens seit "Kiss" liebte ihn auch das Musikfernsehen von MTV.

Und Prince war immer auch der Mann, der bei einem Song auch einfach mal alle Instrumente selbst einspielte. Warum? Weil er es konnte. Prince machte immer das, was er wollte. Das Allround-Talent scherte sich irgendwann nicht mehr zu sehr um Verkaufszahlen seiner Alben. Die echten Fans würden seine Scheiben schon kaufen.

Zwei Großmeister - ein Lied

Der Abend in der Seitenstraße der Reeperbahn will kein Ende nehmen. Alle sind hellwach. Auf einmal steht die Pop-Röhre Taylor Dayne ("Tell it to my heart" war ihr großer Hit) neben Prince on Stage. Gemeinsam improvisieren sie, lachen auf der Bühne. Hatte Prince noch seinen Mega-Hit "Love Bizarre" gespielt? Wurde nicht auch "Strange Relationship" zu einer zehnminütigen Live-Version veredelt? Ich weiß es nicht mehr.

Es ist draußen schon fast wieder taghell, da ertönt der Bass noch einmal "very funky". "Cold Sweat" - ein Live-Klassiker von James Brown - bohrt sich in den Magen und die Ohren. Ein weiterer Höhepunkt. Das Publikum ist beseelt und erschöpft nach dieser verschwitzten Liebesnacht. Einem unvergesslichen One-Night-Stand mit Prince. Er tanzt, singt und schreit wie James Brown. Zwei Großmeister - ein Lied.

Wenn es damals schon Smartphones gegeben hätte, hätte ich alle Fotos und Lieder vom Handy gelöscht, um das ganze Konzert zu filmen. Heute hätte ich es meinen Kindern gezeigt. Im Gedächtnis bleibt die Erinnerung an den Großmeister des Funk und Soul, seine Lieder, die Momente, in denen man zu ihnen getanzt und mitgesungen hat. Prince ist tot. Lang lebe Prince!

Quelle: ntv.de