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Berlin knickst vor Elizabeth II. Merkel zeigt Mauer, Queen warnt vor Spaltung

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Die Queen sagt, wir sind Teil von Europa.

(Foto: imago/i Images)

Bellevue, Bootsfahrt und Bundeskanzleramt: Die Queen eilt in der deutschen Hauptstadt von einem Termin zum nächsten. Es entstehen Bilder für die Geschichtsbücher. Und am Abend fallen deutliche Worte.

So politisch ist die Queen selten. Beim festlichen Abendessen mit Bundespräsident Gauck, Kanzlerin Merkel und ihrem Premierminister David Cameron warnt die 89-Jährige eindringlich: "Wir wissen, dass die Spaltung in Europa gefährlich ist und dass wir uns davor in Acht nehmen müssen". Und das in einer Zeit, in der Politiker im heimischen Großbritannien täglich gegen die EU wettern. Elizabeth II. ist als Monarchin zu Neutralität verpflichtet, doch die Botschaft während des Staatsbanketts im Schloss Bellevue dürfte ankommen.

Eine kleine Geschichtsstunde zum Thema Einheit bekommt die Königin von Angela Merkel. "Dort, wo der Zug fährt, da stand die Mauer", erklärt die Kanzlerin und zeigt mit dem Finger die Bahnlinie entlang. "Und ich habe in Ostdeutschland gelebt, nur 200 Meter hinter den Schienen." Elizabeth II. nickt interessiert und sagt "Yes". Im Kanzleramt schaut sie gleich am ersten Tag ihres fünften Staatsbesuchs vorbei.

Er steht im Zeichen des angespannten Verhältnisses des Königreichs zur EU, über ihre Mitgliedschaft in der Union sollen die Briten spätestens 2017 abstimmen. Umso deutlicher zeigt das britische Staatsoberhaupt Einigkeit mit der Kanzlerin, die die Briten gern "Queen of Europe" nennen, und mit Joachim Gauck. Vor seinem Amtssitz Schloss Bellevue fährt der dunkelrote royale Bentley der Queen und ihres Mannes Prinz Philip am Vormittag vor. Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt warten schon. Wie bei der Ankunft in Berlin am Vorabend ist das Wetter durchwachsen.

Der Hut sitzt

Als eine Militärkapelle "God Save the Queen" spielt, zerren Windböen am weißen Mantel der Monarchin. Der Hut aber sitzt fest. Nach dem Eintrag ins Gästebuch gibt es Geschenke. Das Bild "Pferd in Royalblau" lässt die Königin staunen: "Das ist eine lustige Farbe für ein Pferd", bemerkt sie trocken. Auf dem blauen Tier ist sie selbst zu sehen als etwa neun Jahre alte Prinzessin. Ihren Vater George VI. (1895-1952), der das Pony am Zügel hält, erkennt die Queen nicht gleich. Gemalt hat das Bild die Hamburger Künstlerin Nicole Leidenfrost nach einem Foto.

Was anschließend gesprochen wird am Tisch im Bundespräsidialamt, wird geheim bleiben. Dass es irgendwie um die EU geht, ist aber anzunehmen. Zu Fuß geht es anschließend an die Spree. Die 89 Jahre alte Königin und ihr 94 Jahre alter Mann wirken rüstig, auch wenn beide bedächtig gehen und aufpassen, nicht zu stolpern. Die Bootstour durch das Regierungsviertel ist eine besondere Geste des Bundespräsidenten. Bisher ist Gauck in seiner Amtszeit noch nie mit einem Staatsgast vom Schloss aus über die Spree gefahren. Das Ufer ist von jubelnden Schaulustigen gesäumt. Das offene Holzboot "Ajax" ist Jahrgang 1926, wie der Besuch aus London. Besonders Gauck winkt viel. Die Bilder dürften einmal Geschichtsbücher zieren. "Was das alles kostet, ein Wahnsinn, das ganze Polizeiaufgebot", erbost sich ein Berliner Rentner, der seinen Namen nicht nennen will.

Nach der Ankunft geht es für die Königin weiter Richtung Kanzleramt. Merkel wartet am roten Teppich. Sie knickst nicht, sondern reicht die Hand. Queen und Kanzlerin kennen sich, vor eineinhalb Jahren war Merkel auf einen Tee im Buckingham-Palast. Das Video, das die beiden Frauen auf dem Kanzleramtsbalkon zeigt, hat die Bundesregierung sicher nicht ohne Hintergedanken veröffentlicht. Am Nachmittag hatte auch Premier Cameron noch einen Termin bei Merkel. Vor der wohlverdienten Mittagspause im Hotel Adlon macht die Queen an der Neuen Wache halt, Deutschlands zentraler Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Am Nachmittag geht es weiter an die Technische Universität, wo sie Gauck und Merkel wieder trifft.

Die Queen ist amüsiert

Neil MacGregor, in Großbritannien als großer Deutschland-Erklärer bekannt, ist ein alter Bekannter. Der Leiter des British Museum wechselt noch in diesem Jahr nach Berlin ans Humboldtforum. Sein Vortrag "Symbols of a Nation" erklärt diesmal nicht die Deutschen, sondern die Briten, mit James Bond und akkurat getrimmtem Rasen. Ein kleiner Roboter, der sehr menschenähnlich auf der Stelle trippelt, bringt die Queen zum Lachen. Auch Philip schaut amüsiert. Es ist ein volles Programm, das die Königin absolviert. Mit Besuchen in Frankfurt am Main und der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen dürften Donnerstag und Freitag nicht weniger intensiv werden, und nebenbei will die Königin, so heißt es, sich so vielen Bürgern wie möglich zeigen. Wo sie auftaucht, wird gejubelt und gewunken.

Merkel sagt im Kanzleramt, der Staatsbesuch - 50 Jahre nach dem ersten - sei etwas Besonderes. "Und ich finde, es ist ein außergewöhnliches Jahr - 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs." Darauf Elizabeth II.: "So ist es tatsächlich, nicht wahr. Es gibt so viele Jahrestage." Übrigens hat die Königin auch vor 50 Jahren schon über Europa gesprochen. "Angesichts der Spannungen und Ungewissheiten in der modernen Welt können sich die Völker Europas die Konflikte und Spaltungen früherer Jahrhunderte nicht mehr leisten", sagte sie 1965. Es hätte auch 2015 in ihr Manuskript gepasst.

Quelle: ntv.de, Teresa Dapp und Caroline Bock, dpa