Unterhaltung

Coming Out bei "Star Trek" Mr. Sulu ist jetzt schwul

johncho.jpg

Sulu-Darsteller John Cho hat das Geheimnis ausgeplaudert.

(Foto: Paramount Pictures)

Eine Afroamerikanerin, ein Russe, ein Japaner und noch dazu ein Vulkanier als Teil der Führungscrew - die Fans feiern "Star Trek" seit jeher als Vorhut gegen Rassismus und Sexismus. Nun soll ein Charakter auf der Enterprise erstmals auch offen schwul sein.

Als "Star Trek" 1966 in den Vereinigten Staaten auf Sendung ging, wagte die Serie eine kleine Revolution: Dass mit der von Nichelle Nichols gespielten Nyota Uhura eine schwarze Kommunikationsoffizierin mit an Bord der Enterprise war, war gerade mal zwei Jahre nach der Aufhebung der Rassentrennung in den USA alles andere als selbstverständlich. Dass sie dann später auch noch Captain Kirk (William Shatner) küssen sollte, war sogar ein regelrechter Skandal. Nie zuvor hatte man eine derartige Intimität zwischen einer Schwarzen und einem Weißen im US-Fernsehen gesehen.

*Datenschutz

Doch auch die Besetzung anderer Führungspositionen auf der fiktiven Enterprise war nicht ganz ohne, sei es die des Steuermanns mit dem Japaner Hikaru Sulu (George Takei) oder die des Navigators mit dem Russen Pavel Chekov (Walter Koenig), während in der realen Welt der Kalte Krieg tobte. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, der Respekt vor allen Ethnien und Rassen, und seien es auch Vulkanier oder Klingonen - das gehört zu den Grundprinzipien der Weltanschauung, die auch in den späteren "Star Trek"-Fortsetzungen vermittelt wird. Und nicht zuletzt dafür lieben die Fans die Kultserie.

John Cho packt aus

Doch obwohl die unterschiedlichen "Star Trek"-Besatzungen nun seit mittlerweile 50 Jahren neue Welten, neues Leben und neue Zivilisationen erforschen, gibt es in der Serie immer noch Platz für eine weitere Revolution: Im neuen Film "Star Trek Beyond" wird erstmals ein offen homosexueller Charakter auftauchen. Dabei handelt es sich um keinen Geringeren als den bereits erwähnten Lieutenant Sulu. Der Schauspieler John Cho, der den Steuermann in dem Streifen verkörpert, ließ die Bombe in einem Interview mit der australischen Zeitung "The Herald Sun" platzen.

imago71099925h.jpg

Ausgerechnet der frühere Mr.-Sulu-Darsteller George Takei findet die Entscheidung nicht gut.

(Foto: imago/Future Image)

Die Macher des Films gehen dem Bericht zufolge sogar noch einen kleinen Schritt weiter. Demnach wollen sie die Figur künftig nicht nur als vergebenen Mann in einer homosexuellen Beziehung darstellen, sondern auch als Vater einer Tochter. Laut Cho soll die Veränderung im Skript jedoch nicht aufgebauscht werden: "Ich mochte den Zugang, der keine große Sache aus der Neuerung macht. Ich hoffe, dorthin wird sich auch die Menschheit als Spezies entwickeln - persönliche Orientierungen nicht zu politisieren."

Kritik von George Takei

Obwohl "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry kurz vor seinem Tod 1991 versprochen hatte, homosexuelle Charaktere in kommende Geschichten einzubauen, war es bislang nie tatsächlich zur Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gekommen. Auch der Regisseur der jüngsten "Star Trek"-Filme, J.J. Abrams, hatte 2011 versprochen, die Idee homosexueller Figuren an die Drehbuchschreiber heranzutragen. Die Umsetzung in den Filmen blieb aber aus. Das neue Team um Regisseur Justin Lin und Autor Simon Pegg ändert das nun offenbar.

Denkbar ist, dass die Wahl des Mr. Sulu eine Art Verbeugung vor George Takei darstellen soll - der erste Sulu-Darsteller hatte sich bereits vor Jahren als schwul geoutet. Doch ausgerechnet Takei hadert mit der jetzigen Entscheidung der Filmemacher. Dem "Hollywood Reporter" sagte er, er freue sich zwar grundsätzlich darüber, dass es nun einen schwulen Charakter gebe. Doch Hikara Sulu sei dafür die falsche Wahl. Gene Roddenberry sei ein starker Verfechter der Rechte von Schwulen und Lesben gewesen, so Takei. Doch der "Star Trek"-Erfinder habe sich auch viele Gedanken über seine Figuren gemacht. Mr. Sulu sei dabei nun mal nicht als homosexueller Charakter angelegt gewesen - ihm nun diese sexuelle Orientierung zu verpassen, verdrehe Roddenberrys Ideen.

"Star Trek Beyond" kommt am 21. Juli in die deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de, vpr/spot

Mehr zum Thema