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"Der Magier im Kreml"Der Mann, der Putins Realität inszeniert

21.08.2026, 18:49 Uhr MarkusVon Markus Lippold
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Die erste Begegnung von Wadim Baranow mit Wladimir Putin. (Foto: 2026 Verlag Schreiber & Leser)

Viel wurde über Putins Aufstieg zur Macht geschrieben. Die Comic-Adaption "Der Magier im Kreml" erzählt ihn aus der Perspektive eines fiktiven Kreml-Beraters. Es ist ein Einblick in ein brutales System - von dem man leicht geblendet werden kann.

"Ihr habt Russland wieder zu dem gemacht, was es immer war - ein riesiges Gefängnis." In der Feststellung von Boris Beresowski liegt Ernüchterung. Der einst mächtige Oligarch, der an den Schalthebeln der russischen Macht saß, lebt mittlerweile im Exil, umgeben von Sicherheitskräften, die ihn vor Auftragskillern des Kreml schützen sollen. Später wird er tot aufgefunden. Hat er sich selbst erhängt, wurde er ermordet? Das ist unklar.

Unklar ist auch, ob Beresowski diesen Satz tatsächlich gesagt hat. Denn in "Der Magier im Kreml", aus dem diese Szene stammt, verwischen Realität und Fiktion. Wahr ist: Beresowski war ein mächtiger Russe, eine graue Eminenz, der eigenen Aussagen zufolge Wladimir Putin an die Macht brachte - sich später jedoch mit ihm überwarf, ins Ausland ging und 2013 unter ungeklärten Umständen starb.

Macht und ihr Verlust - das ist das Kernthema des Comics "Der Magier im Kreml" von Luc Jacamon, der beim Verlag Schreiber und Leser erschienen ist (Leseprobe). Das Werk basiert auf dem gleichnamigen, gefeierten Roman des Italieners Giuliano da Empoli, der im vergangenen mit Jude Law als Putin verfilmt wurde.

Macht ist es auch, die den avantgardistischen Theatermann und TV-Autor Wadim Baranow anzieht, als er Ende der 90er Jahre zum Berater Putins aufsteigt. Baranow ist eine fiktive Figur, die da Empoli nach Putins langjährigem Vertrauten Wladislaw Surkow gestaltet hat. Er ist der Erzähler, aus dessen Perspektive die Leser hautnah den Aufstieg Putins an die Macht und zum unumstrittenen Diktator Russland erleben.

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Ordnung und Stärke will Putin für Russland - und akzeptiert dafür kein Gegengewicht im politischen System. (Foto: 2026 Verlag Schreiber & Leser)

Die Inszenierung der Realität

Der Comic zeigt, wie der eingangs zitierte Beresowski Putin Ende der 90er Jahre als Marionette installieren will. Doch der Geheimdienstler verfolgt einen eigenen Plan. Baranow begleitet diesen Machtanspruch ideologisch und propagandistisch - der einstige Theaterregisseur inszeniert Putins Realität, von der auch der Westen geblendet wird. Baranow vertritt auch das Prinzip der "Vertikale der Macht": Zentralisierung und Befehlskette statt Gewaltenteilung bestimmen fortan die Politik Russlands, in der Oligarchen zu Untertanen werden.

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Der Magier im Kreml
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Die Erzählung ist ein Abriss der Geschichte Russlands vom Ende der 90er Jahre bis zur Annexion der Krim und dem Beginn des Kriegs in der Ukraine. Viele reale Ereignisse und Figuren tauchen auf: der Krieg in Tschetschenien, der Untergang der Kursk und die Winterspiele von Sotschi, dazu der Politiker Eduard Limonow, der gefallene Oligarch Michail Chodorkowski und "Putins Koch" Jewgeni Prigoschin mit seinen Hacker-Armeen. Bei der Lektüre werden Zusammenhänge deutlich, auch wenn der Comic nur an der Oberfläche kratzt. Man wird das Gefühl nicht los, dass in der Realität alles noch viel schlimmer ist.

Einen Gegenpunkt bildet die Liebesgeschichte von Baranow und Xenja. Sie symbolisiert die Sehnsucht junger Russen nach Wohlstand und Freiheit und lässt Baranow die eigene Verstrickung in ein brutales Herrschaftssystem erkennen. Diese Szenen überzeugen auch zeichnerisch, weil sie oft im Schnee spielen und die Isolation des Individuums in Putins Russland zeigen.

Das Herrschaftssystem Putins stellt Jacamon dagegen als Rudel Wölfe dar, das einen verletzten Bären jagt und erlegt. Das Bild zieht sich wie ein roter Faden durch den Comic - der hier seine visuelle Stärke voll ausspielt. Baranows Gespräche mit dem Kremlherrscher können da nicht mithalten, sie wirken vor allem zu Beginn eher wie politische Lehrstunden. Erst in der zweiten Hälfte, wenn Baranow sich langsam vom System, das er mitgeschaffen hat, distanziert, gewinnt die Geschichte zeichnerisch wie erzählerisch an Stärke.

Quelle: ntv.de

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