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Loriots Leben nach dem Tod "Der Sarg hängt schief"

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Nach dem Tod Loriots hat selbst der Zank Herrn Müller-Lüdenscheidts und Dr. Klöbners ein Ende.

Wie verhält sich Loriot im Himmel? Und wie geht es der Nudel, dem Mops und Herrn Müller-Lüdenscheidt ein Jahr nach dem Tod Vicco von Bülows? 73 Cartoonisten haben diese Fragen beantwortet. Die Ergebnisse sind im Sammelband "Cartoons für Loriot" zusammengefasst. Er zeigt: Ob nun im Himmel oder nicht - Loriot lebt weiter.

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Vicco von Bülow im Jahr 1993. Im Arm hält er die Hauptfigur seiner Karikaturen: ein korrekt gekleidetes Strichmännchen mit Knollennase.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am 22. August 2011 schied Deutschlands größter Humorist aus dem Leben. Wie ist eine Welt möglich ohne Vicco von Bülow, der den meisten nur als Verkörperung seines Alter Egos Loriot bekannt war? Antworten darauf haben sich zum ersten Todestag des Karikaturisten 73 hinterbliebene Kollegen buchstäblich ausgemalt. Das Resultat ist der Sammelband "Cartoons für Loriot", mit dem die Herausgeber Steffen Gumbert und Denis Metz im Lappan-Verlag ihre "Hommage an einen unseriösen Herrn von Format" präsentieren.

Die Cartoon-Sammlung ist dabei weit mehr als eine Hommage an Vicco von Bülow. Sie honoriert nicht nur den Schöpfer, sondern auch einen Großteil der Figuren, die er erschaffen hat: das Frühstücksei, die Nudel, den Mops, die Badeente, den sprichwörtlich gewordenen Herrn Müller-Lüdenscheidt. Letzterer darf, zusammen mit dem kauzigen Dr. Klöbner, das Gefühl zum Ausdruck bringen, das auch viele Fans Vicco von Bülows bei der Nachricht von dessen Tod heimgesucht haben dürfte: Sprachlosigkeit. So sitzen in einer originalgetreu nachgezeichneten Badewannen-Szene von Christiane Pfohlmann die Herren Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner einander nicht etwa zankend gegenüber. Die Gesichter in den Händen vergraben, trauern die wohl berühmtesten aller Loriot-Charaktere schweigend um ihren Zeichner.

Mischung aus Witz und Trauer

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"Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos."

Die Mischung aus Witz und Trauer ist es gerade, die aus den mehr als 100 Cartoons eine adäquate Würdigung des verstorbenen Meisters des Humors macht. Die Kollektion zeigt überdies, wie viel Inspiration Loriot seinen jüngeren Kollegen hinterlassen hat - sowohl in zeichnerischer als auch in humoristischer Hinsicht. "Der Sarg hängt schief", lässt etwa Denis Metz in seinem Beerdigungs-Comic einen der Trauergäste sagen. Der Leser kann den makabren Scherz gar nicht geschmacklos finden, hätte er doch so ähnlich auch von Loriot stammen können.

Dass ein Großteil der Cartoons wie Montagen verschiedener Loriot-Sketche wirken, ist keine Schwäche des Buches. Im Gegenteil: Die Gemeinsamkeiten der Zeichnungen sind ein noch stärkeres Indiz für die Zeitgeistigkeit, gleichermaßen aber auch die Unvergänglichkeit des Loriot'schen Humors. Wahrscheinlich ist es so, wie in einem abschließenden Bild von Til Mette die Nudel zum Moderator sagt: "Sicherlich … Loriot hatte komisches Talent, aber gelacht hat man über mich!!" Solange es die Nudel gibt, darf also weitergelacht werden.

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Quelle: ntv.de