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Neunzehn Jahre später Harry Potter ist alt und hat sich verändert

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Inzwischen bringt der Hogwarts-Express schon Harry Potters Sohn in die Zaubererschule.

(Foto: REUTERS)

Am Gleis 9 3/4 geht die Geschichte von Harry Potter weiter. Diesmal allerdings auf ganz und gar ungewohnte Weise. Denn der Potter, der diesmal im Mittelpunkt steht, ist Albus Severus Potter. Und der bricht mindestens genau so viele Regeln wie sein Vater.

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Hermine, Harry und Ron (v.l.n.r.) auf der Bühne in London.

(Foto: dpa)

Lang ist's her, seit Dumbledore's Army in die Heiligtümer des Todes ihren (vermeintlich) letzten Kampf gegen das Böse geführt hat. Seitdem ist es in der Zauberwelt ruhig geworden. Voldemort ist tot, die geflossenen Tränen um Fred Weasley und Professor Snape sind vergessen und Harry, Ron und Hermine erwachsen geworden.

Neun Jahre nach dem letzten Band hat kaum noch einer daran geglaubt: Autorin J.K. Rowling lässt Harry Potter wiederauferstehen, diesmal in Form eines Theaterstücks, das bereits seit dem 30. Juli in London spielt und als Buch jetzt auch in deutscher Übersetzung erscheint. Das Skript von "Harry Potter und das verwunschene Kind" ist gleichzeitig das neue Buch und unterscheidet sich deshalb auch stark von den anderen sieben Harry Potter Bändern: Rowlings magische Beschreibungen, die zur einzigartigen Atmosphäre jedes Buches beitragen haben, fehlen. Stattdessen weichen sie Regieanweisungen und Dialogen.

Slytherin statt Gryffindor

Vorsicht -  wer ganz alleine in das achte Abenteuer eintauchen möchte, der sollte jetzt schnell disapparieren (oder auf dem Besen das Weite suchen). Für alle anderen wird nicht zu viel verraten, denn über den Plot muss man gar nicht viel sagen. Die Geschichte beginnt genau mit der Szene, mit der das letzte Buch endet. Es ist 19 Jahre her, seit Voldemort in der letzten großen Schlacht besiegt wurde: Harry und Ginny stehen am Gleis 9 3/4 und verabschieden ihren elfjährigen Sohn Albus Severus Potter, der sein erstes Hogwarts-Schuljahr antritt. Der kleine Potter wird prompt vom sprechenden Hut ins Haus Slytherin gesteckt und da beginnen auch schon die Probleme.

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Das Buch ist bei Carlsen erschienen und kostet 19,99 Euro.

(Foto: Carlsen Verlag)

Albus, der mit der Berühmtheit seines Vaters zu kämpfen hat, wird in Hogwarts zunehmend unglücklicher. Seinen Frust lässt er vor allem Harry spüren, der sich in seiner Rolle als Vater überfordert fühlt. Schnell entsteht aus der Wut des Teenagers eine dumme Idee – und die hat es in sich.

Ein Ausflug in die Vergangenheit

Wer sich jetzt panisch fragt, wo die alten Lieblingscharaktere abgeblieben sind, der kann wieder seinen Blutdruck senken. Neben Ron und Hermine finden auch alle anderen wichtigen Persönlichkeiten ihren Platz im achten Teil. Ein raffinierter Autoren-Kniff lässt Erinnerungen an Harrys Schulzeit wach werden und die Leser durchleben dank einer kleinen "Zeitreise" nochmal ein paar der spannendsten Momente der letzten sieben Abenteuer. Einer darf dabei ebenfalls nicht fehlen: Voldemort, und der sorgt für Stimmung, die dunkler und schauriger ist als jeder Dementor-Kuss.

Statt der üblichen Hauptpersonen sind es vor allem neue Gesichter, die in "Harry Potter und das verwunschene Kind" im Mittelpunkt stehen. Albus' bester Freund Skorpius ist ein Streber mit Humor. Damit ist er allerdings keine genetische Kreuzung von Ron und Hermine, sondern der Sohn von Draco Malfoy. Trotzdem hat er als Neuzugang das größte Lieblingscharakter-Potenzial. Vor allem die enge und ehrliche Freundschaft zu Albus sorgt in der sonst so schnellen Geschichte für Tiefgang.

Rowling fehlt

Doch nicht alles schmeckt nach Butterbier: Tatsächlich fühlt sich der Plot ungewohnt vorhersehbar an und Rowlings erzählerische Raffinesse fehlt an vielen Stellen. Details bleiben dem Leser vorenthalten, die Kapitel werden schneller abgehandelt, offene Fragen nicht ausreichend geklärt. Muggel brauchen das Buch kaum in die Hand zu nehmen, denn unerlässlich sind auch die vielen Informationen aus den vorhergehenden sieben Harry Potter Büchern. Der Dialog als Erzählform macht es zudem schwer, sich so manche Szene bildlich vorzustellen und verlangt eine Menge Fantasie.

Trotzdem hat man beim Lesen der Regieanweisungen das Gefühl, dass die Erzählung auf der Bühne visuell einiges zu bieten hat und dort erst so richtig zum Leben erwacht. Davon dürften sich wahre "Potterheads" aber kaum abschrecken lassen, denn die Geschichte bietet sonst alles was ein guter Harry-Potter-Band eben braucht. Duelle, bis die Zauberstäbe glühen, ein Junge, der alle Regeln bricht und: eine Narbe, die schmerzt, wenn das Böse naht.

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Quelle: n-tv.de

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