DVD

Weiß wie Schnee, rot wie Blut "Snowpiercer"

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"Snowpiercer": Der Zug fährt Jahr um Jahr eine endlose Strecke ab, vorbei an schneebedeckten Landschaften.

(Foto: Ascot Elite)

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo: Die Erde ist eine Eiswüste, die letzten Menschen leben in einer Bahn. Doch die Unterschicht begehrt auf und kämpft sich an die Zugspitze. "Snowpiercer" macht daraus ein so actionreiches wie kluges Ereignis.

Eisenbahnen kommen einem heute ja fast schon altmodisch vor. In den Urlaub geht es schließlich mit dem Flugzeug oder dem Auto. Auch ausgefallene Klimaanlagen, unpünktliche Züge und überteuerte Fahrkarten sorgen nicht gerade für ein positives Image, wenn es um Bahnfahrten geht.

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Curtis (Chris Evans, Mitte) und seine Mitstreiter stehen einer kleinen Armee gegenüber.

(Foto: Ascot Elite)

Die Protagonisten von "Snowpiercer" allerdings dürften heilfroh sein, dass es noch eine Eisenbahn gibt. Denn sie ist das letzte Refugium der Menschheit, nachdem missglückte Klimaexperimente die Erde zu einem vereisten Planeten gemacht haben. Unermüdlich fährt seitdem jener Zug, kurz "die Maschine" genannt, durch die Schneelandschaften. Pro Jahr umrundet er einmal die Erde, vorbei an verlassenen Städten und zerstörten Industrieanlagen.

Ob man diese Fahrt genießen kann, hängt allerdings davon ab, welchen Waggon des Zuges man bewohnt. Während im vorderen Teil einige wenige den Luxus von Gärten, Unterhaltung und ärztlicher Versorgung in Anspruch nehmen können, haust die Masse der letzten Menschen im hinteren Teil. Dort gibt es weder Fenster noch Sonnenlicht, es ist äußerst eng und als Nahrung wird den Bewohnern ein obskurer Proteinriegel vorgesetzt.

Einer der Pflichtfilme des Jahres

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Ministerin Mason (Tilda Swinton) schwört die Masse auf Zugführer Wilford ein.

(Foto: Ascot Elite)

Kein Wunder, dass es immer wieder zu Revolten kommt, die jedoch regelmäßig niedergeschlagen werden. Dafür sorgt Ministerin Mason (Tilda Swinton, "Grand Budapest Hotel"), das Sprachrohr von Zugführer Wilford (Ed Harris, "Pollock"), der von der Zugspitze aus diktatorisch über die Geschicke der letzten Menschen lenkt.

Die Entführung eines Kindes aus dem hinteren Teil des Zuges löst allerdings einen neuen Aufstand aus, ausgeheckt von Gilliam (John Hurt, "Hercules"). Zu den Anführern gehören Curtis (Chris Evans, "Captain America") und Edgar (Jamie Bell, "Nymphomaniac"), die sich mit anderen Aufständischen bald Waggon um Waggon nach vorne kämpfen.

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Je näher die Aufständischen der Zugspitze kommen, desto bizarrer werden die Menschen, denen sie begegnen und die Waggons, die sie betreten.

(Foto: Ascot Elite)

Hilfe bekommen sie dabei vom Drogenabhängigen Namgoong (Song Kang-ho, "Sympathy for Mr. Vengeance") und dessen Tochter Yona (Ko Ah-seong, "The Host"), die sich mit der Sicherheitstechnik des Zuges bestens auskennen und die Türen zu den vorderen Waggons öffnen können. Doch bald schon stellen sich Soldaten den Revolutionären entgegen. Und Curtis, den ein dunkles Geheimnis umtreibt, spielt in den Plänen von Wilford ohnehin eine besondere Rolle.

"Snowpiercer" ist ein Glücksfall und ohne Frage einer der Pflichtfilme diesen Jahres. Die hervorragenden Darsteller dürfen sich in dem kleinen, klugen Science-Fiction-Action-Streifen von Regisseur Bong Joon-ho ("The Host") mal so richtig austoben. Vor allem Hauptdarsteller Chris Evans, der von den Marvel-Blockbustern allerlei digitale Spielereien gewohnt ist, sieht man die Spielfreude in dieser vergleichsweise winzigen Produktion an. Daneben überzeugt eine bis zur Unkenntlichkeit geschminkte Tilda Swinton als überdrehte Ministerin Mason.

Immer in Bewegung

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"Snowpiercer" ist als DVD und Blu-ray bei Ascot Elite erschienen.

Auch die Handlung geht über übliche Action- oder Endzeit-Klischees hinaus. Bezeichnend, dass Verleiher Harvey Weinstein Kürzungen verlangte, weil er den Streifen für das US-Publikum zu intelligent fand. Doch der filmische Kommentar auf die Klassengesellschaft und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, auch auf politische Manipulation und Ausbeutung ist unübersehbar. Der Film verzichtet auch hier auf Klischees und zeigt eine Gesellschaft ohne Helden, in der immer wieder die moralischen Grenzen ausgelotet werden müssen, vor denen die Menschheit im Angesicht ihrer Ausrottung steht.

Mit dem Zug - jenem Symbol des 19. und 20. Jahrhunderts - hat Bong Joon-ho zudem einen Handlungsort gefunden, der sehr untypisch ist, doch dessen Dynamik, dessen ständige Bewegung sich auf den Film überträgt. Auch die Enge der Waggons verleiht der Handlung eine starke Dramatik, die die Zuschauer unweigerlich in den Film hineinzieht. Die Action erhält durch diese Begrenztheit des Raums eine Geradlinigkeit und Direktheit, wie man sie sich für so manchen anderen Actionfilm wünschen würde.

"Snowpiercer", entstanden nach dem Comic "Schneekreuzer", zeigt erneut, welche erfrischenden Impulse vom asiatischen Kino ausgehen. Er ist eine gelungene Gratwanderung zwischen Action, Science-Fiction, Satire und Kammerspiel. Mit glänzend aufgelegten Darstellern vereint er die besten Elemente aus Ost und West. Der Film ist stellenweise blutig und brutal, aber optisch gelungen, kurzweilig und hat immer eine Wendung im Ärmel, die die Zuschauer überrascht. Daran sollte sich so mancher Hollywood-Blockbuster ein Beispiel nehmen.

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Quelle: n-tv.de

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