Essen und Trinken

Unruhe in manchen Betten Der Mond ist eine Scheibe

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Kann jemand mal den Mond wegschieben?

(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt den Mann im Mond und es gibt Frau Luna. Hat jeder seine Mondhälfte, getrennt von Tisch und Bett wie im Trennungsjahr auf Erden, oder kramen die miteinander und heraus kommt irgendein Gefühlsdurcheinander? Die Raumfahrt will uns weismachen, dass da oben niemand herumkraxelt – aber wer weiß das wirklich? Ein bisschen Mystik bleibt.

Vollscheibe am Himmel! Das bedeutet nicht nur für mich schlaflose Nächte: 40 Prozent der Deutschen geben an, "mondfühlig" zu sein. Psychologen und Schlafforscher hämmern den mondgeplagten Menschen ein, dass das alles Blödsinn sei, bestenfalls Einbildung. Das würden Studien in Schlaflabors zeigen. Auch die etwas hellere Mondnacht könne nicht verantwortlich für die schlechte Schlafqualität gemacht werden. Denn der Mond habe eine geringere Lichtstärke als viele Straßenlaternen. Also könne auch die vermeintlich hellere Nacht bei Vollmond nicht schuld sein an der Unruhe in manchen Betten. Jetzt haben Wissenschaftler mich und die anderen "Mondfühligen" von allen Selbstzweifeln befreit!

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Der Mann im Mond: Lacht der mich an oder aus?

(Foto: Ilse Dunkel (ille)_pixelio.de)

Bei den Tests in den Schlaflaboren pennten offenbar alle gleich gut, egal ob der Mond voll am Himmel hing oder eben nicht. Vielleicht gab’s ja Freibier jeden Abend; denn ein paar Gläser Bier machen schläfrig. Das liegt nicht allein am Alkohol, sondern am Hopfen. Alkoholarme Sorten mit geringem Hopfenanteil machen nicht so müde. Am besten soll Weißbier sein, weil es nicht so viel Hopfen enthält. Schon im 19. Jahrhundert fand man heraus, dass der Hopfen eine beruhigende Wirkung auf den Organismus und die Nerven hat. Deshalb wirkt zum Beispiel Sekt aufputschend, der hat bekanntlich keinen Hopfen im Glas. Müdigkeit ist aber auch ein Symptom für Leberschäden. Für mich müden, aber bei Vollmond schlaflosen Menschen ergibt sich nun die Frage: Hab ich’s an der Leber oder am Kopf?

Alle klugen Ratschläge für "empfindliche" Menschen wie  Rollos anbringen, einkuscheln und an was Schönes denken (nur nicht an "Vollmond"!) oder Kinderberuhigungstee trinken bringen mir gar nichts. Im Schlafzimmer ist es dank der Rollos mehr als dunkel, dazu ist der Himmel auch noch dick wolkenverhangen und kein Mond weit und breit zu sehen - aber dahinter grinst der Kerl in voller Schönheit. Und das ist offenbar ausschlaggebend und keine Einbildung. Was bin ich froh: Ich hab’s nicht am Kopf! Und die Leberwerte sind auch super – es ist tatsächlich dieser Mistpfützenkrebs von Mond, der mich nicht schlafen lässt.

Der Mond mischt die Gefühle auf

Schon seit alters glauben Menschen an die geheimnisvolle Kraft des Mondes, er sei Herrscher über unsere Gefühle. Nun gehöre ich gar nicht zu diesen Menschen, die Haare und Hecken nach den Mondphasen schneiden, und über meine Gefühle herrsche ich lieber selbst, da lasse ich nicht so gern herumfummeln, nicht mal den Mann im Mond oder Frau Luna. Kann der Mond es nicht bei Ebbe und Flut belassen? Tatsache ist leider: Mein Wille ist die eine Seite, die andere ist der Mond.

Mit Wissenschaftlern und ihren Studien ist das so eine Sache: Die einen sagen so, die anderen so. Dann gibt es noch welche, die können Irrtümer wirklich zugeben und beweisen dann das Gegenteil. Denn Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Schweizer Chronobiologen haben nun herausgefunden, was ich schon immer behauptet habe: Der Mond nervt! Die Eidgenossen werteten Daten einer früheren Studie noch einmal neu aus, und zwar unter dem Aspekt der Mondphasen. Die Idee zur Auswertung einer neuen Hypothese der ehemals unter ganz anderen Gesichtspunkten durchgeführten Studie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel kam den Forschern übrigens bei einem gemeinsamen Bierabend in einer Vollmondnacht. Was überhaupt nicht gegen Selbstversuche spricht, im Gegenteil.

Die Forscher um Christian Cajochen haben nach eigenen Angaben erstmals einen überzeugenden wissenschaftlichen Beleg dafür gefunden, dass der Mond tatsächlich den Schlaf des Menschen beeinflusst. Ha! Es sei auch ein Spiel der Hormone. Beherrscht der Mond nun doch meine Gefühle? Immerhin fanden die Wissenschaftler messbare biologische Anhaltspunkte für einen "Mond-Faktor": Bei Vollmond sank der Melatonin-Spiegel um etwa die Hälfte, wie Speichelproben ergaben. Das auch als Schlafhormon bezeichnete Melatonin ist entscheidend an der Steuerung von Schlaf- und Wachphasen beteiligt.

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Voll der Mond über Berlin: Wer soll denn da schlafen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die neue Auswertung ergab, dass die 33 Versuchspersonen bei Vollmond im Schnitt fünf Minuten länger gebraucht hatten, um einzuschlafen. Sie hatten zudem pro Nacht insgesamt 20 Minuten weniger geschlafen. Die Hirnaktivität zeigte, dass die Länge des Tiefschlafs um etwa ein Drittel abnahm. Dies sei der erste verlässliche Beweis, dass sich ein lunarer Rhythmus auf die Schlafstruktur des Menschen auswirken kann, schreiben die Forscher. Möglicherweise beeinflusse der Mond auch andere Aspekte unseres Verhaltens, etwa die Stimmung oder die geistige Leistung. Nach Ansicht der Forscher könnte dies ein Relikt aus vergangenen Zeiten sein, als der Mond das menschliche Verhalten synchronisierte. Somit könnten die Mondzyklen unbewusst immer noch als biologische Taktgeber fungieren. Das ist aus dem Tierreich bekannt, wo das Mondlicht zum Beispiel das Fortpflanzungsverhalten von Meerestieren beeinflusst. Plankton bewegt sich selbst in stockdunkler Tiefsee den Mondphasen folgend auf und ab.

Ein bisschen Mystik bleibt dennoch, denn der Mensch ist weder Fisch noch Einzeller. Wie genau der Erdtrabant auf unseren Körper wirkt und warum einige Menschen empfindlicher auf die wechselnden Mondphasen reagieren als andere, liegt weiter im Dunkel – trotz Vollmond. Bis das auch noch geklärt ist, denke ich in schlaflosen Vollmondnächten an etwas Schönes, meistens an etwas Süßes, nehme Stift und ein Blatt Papier und mache mir Gedanken über das nächste Dessert:

Vollmond-Parfait (Orangen- und Haselnuss-Parfait)

Zutaten (6 Pers):

600 g Schlagsahne
5 Eier
4 Eigelb
400 g Zucker
50 g Haselnüsse (mit brauner Haut)
70 g Nougat
4 cl Weinbrand
4 cl Cointreau oder Grand Marnier
1 Bio-Orange
1 TL Zimt
Natron
etwas Öl

Zubereitung Orangen-Parfait:

Orange heiß abwaschen und die Schale abreiben. Dann die Orange auspressen. 50 g von dem Zucker goldgelb (nicht zu dunkel!) schmelzen, 1 Msp. Natron unterrühren und aufschäumen lassen. Das Karamell auf eine geölte Alufolie gießen und auskühlen lassen. Das erkaltete Karamell in grobe Stücke brechen und im Hacker zerbröseln.

2 Eier und 2 Dotter, 150 g Zucker, Zimt, Orangenschale und den –saft  in einer Schüssel im heißen Wasserbad so lange aufschlagen, bis ein dicklicher Schaum entstanden ist. Erst zum Schluss den Cointreau mit unterschlagen. Nun die Masse in eiskaltem Wasser schlagen, bis sie kalt ist.

300 g Sahne steif schlagen und unter die Eiermasse heben, ebenso die Karamellbrösel. Alles in eine mit Frischhaltefolie ausgekleidete Form (zum Beispiel eine Königskuchenform) gießen, abdecken und im Frostschrank gefrieren.

Zubereitung Haselnuss-Parfait:

Das Nougat (am besten aus dem Kühlschrank) entweder grob raspeln oder in sehr kleine Stücke schneiden. Die ganzen Haselnüsse in einer trockenen Pfanne rösten.

Wie für das helle Parfait Karamell herstellen, nur kann es hier schön goldbraun werden: 50 g Zucker schmelzen, die gerösteten Haselnüsse dazugeben und vermengen, 1 Msp. Natron unterrühren, aufschäumen lassen und auf einer geölten Alufolie erkalten lassen. Dann in grobe Stücke brechen und diese im Hacker zerkleinern.

3 Eier und 2 Eigelb sowie 150 g Zucker und das Nougat im Wasserbad schaumig schlagen, zum Schluss den Weinbrand zugeben und alles in Eiswasser schlagen, bis die Masse erkaltet. Die restlichen 300 g Sahne steif schlagen und unter die Eiermasse ziehen. Wie beim hellen Parfait in eine Form geben und einfrieren.

Die beiden Parfaitsorten in Scheiben schneiden und jeweils eine helle und eine dunkle auf jedem Teller anrichten. Mit Minzeblättchen garnieren. Oder Sie stellen aus dem übrig gebliebenen Eiklar kleine Baisers her und garnieren damit.

Viel Spaß und keine schlaflosen Nächte wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de