Essen und Trinken

Der Geschmack des Nordens Wie Dithmarschen die Kaffeekultur rettet

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Der gute alte Porzellanfilter hat in Dithmarschen nie ausgedient.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Er muss schwarz wie die Nacht, heiß wie die Hölle und süß wie die Sünde sein - der Kaffee für den Normalverbraucher. Im Norden ist alles ein bisschen anders, selbst der Kaffee und die Eier. Es regnet länger und die Leute gelten schon als gesprächig, wenn nach dem üblichen "Moin, Moin" ein langgedehnter Seufzer folgt. Eier werden nicht nur in die Pfanne, sondern auch in den Kaffee gehauen.

Die Dithmarscher essen gerne. Und gut. Ausgiebig und lange. Kaffee und Kuchen gerne auch mal kurz vor Mitternacht. Von Uneingeweihten werden sie mitunter bestaunt, nicht nur wegen der Menge an Essen, die so ein echter Dithmarscher verspachteln kann, sondern auch wegen allgemein eher unüblichen Kombinationen von deftig und süß, die die "Südländer" meist als Entgleisungen des guten Geschmacks empfinden.

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Die Kannen in Dithmarschen sind größer als die des Puppengeschirrs für die Queen aus der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Im kollektiven Bewusstsein Rest-Deutschlands ist der Norden die Gegend, wo zu fettem Räucherfleisch Fruchtsoße gereicht, grüner Salat mit Zucker gegessen, ein undefinierbarer Brei namens Labskaus geliebt und Kohl in allen Varianten gekocht wird, wo es Pinkel und Klüten, Mehlbüdel und Rodegrütt gibt. Übrigens kenne auch ich Kopfsalat mit Zucker und Zitronensaft; das  habe ich schon als Kind geliebt - und ich bin als gebürtige "Preußin" ein ganzes Stück von Hamburg, Bremen oder auch Dithmarschen entfernt. So abartig scheint der Geschmack des Nordens wohl doch nicht zu sein, denn bis halbwegs zur Mitte Deutschlands hat er sich schon vorgearbeitet.

Nicht nur Kohl in Dithmarschen

Ja, ist denn schon Kohlzeit?, werden Sie sich fragen. Denn wenn es um Dithmarschen geht, kommt hier meistens Kohl auf den Teller. Das hat allerdings noch eine Weile Zeit, schließlich wird Anfang Mai erst einmal gepflanzt und zur Ernte lädt Dithmarschen erst wieder zu den beliebten Kohltagen vom 17. bis 22. September 2013 ein.

Doch egal, zu welchem Fest Sie nach Dithmarschen kommen, ob zu den Kohltagen, zum Marktfrieden oder der Wattolümpiade - etwas wird auf den Tischen nie fehlen: anständig Kaffee und Kuchen. Da wird nicht nur in einem mickrigen Stückchen kalorienreduzierter Joghurt-"Torte" herumgestochert, nein, üblich sind in Dithmarschen durchaus zwei oder drei anständige Stück Kuchen oder Torte. Aber bitte mit Sahne! Und natürlich mit Eierkaffee. Da halten die Dithmarscher in Zeiten von Cappuccino und Latte macchiato an ihren Traditionen fest. Moderne Pad- oder Kapselmaschinen sehen da alt aus, wohl dem, der Mutters alten Porzellan-Kaffeefilter nicht entsorgt hat. Denn Eierkaffee ist kein Coffee to go, sondern vielmehr ein Coffee to stay - möglicherweise sogar der Beitrag Dithmarschens zur Rettung der niedergehenden Kultur des Kaffeetrinkens in Europa.

Eier im Kaffee? Was sich anfangs ziemlich merkwürdig anhört und überhaupt nichts mit Eierlikör im Kaffee zu tun hat, entpuppt sich beim Probieren als echter Leckerbissen. Der Aufwand lohnt sich! Auch magenempfindliche Menschen freut’s, denn das Ei macht den Kaffee bekömmlicher, weil Bitterstoffe und Säure entzogen werden. Jeder kann’s nachmachen, man braucht nur frische Zutaten, einen Kaffeefilter von Mama und am besten noch eine Kaffee-Handmühle von der Oma sowie ein wenig mehr Zeit als für einen Knopfdruck an der Kaffeemaschine.

Dithmarscher Eierkaffee

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers):

10 TL frisch gemahlenen Kaffee
1 recht frisches Hühnerei
1 l kochendes Wasser
1 Prise Meersalz

Am besten ist es, die Kaffeebohnen erst kurz vor der Zubereitung in einer Handmühle zu mahlen. Elektrische Kaffeemühlen erhitzen das Kaffeemehl beim Mahlen und verändern daher den Geschmack. Falls Sie den Eierkaffee erst mal mit vakuumverpacktem Kaffee ausprobieren wollen, ist das für einen Nicht-Dithmarscher kein Sakrileg. Die im Norden können auch verzeihen!

Das Wasser mit einer Prise Meersalz zum Kochen bringen. Das Ei in ein wenig kaltem Wasser leicht mit einer Gabel verschlagen, dann die 10 Teelöffel Kaffee gut unterrühren und in das sprudelnd kochende Wasser geben. 2 oder 3 mal kurz aufkochen lassen, vom Feuer nehmen und 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend durch einen Kaffeefilter in eine schön vorgewärmte Kaffeekanne filtern.

So genießt man den schmackhaften und bekömmlichen Eierkaffee im Nordseeland Dithmarschen. Wer ihn lieber süß und/oder rehbraun trinkt, wird aber auch nicht schief angesehen.

Der Zucker sollte dann am besten mit dem Ei verschlagen werden. Und statt Milch schmeckt Sahne viel, viel besser im Eierkaffee. Auch ein Schuss Rum macht ihn absolut nicht schlechter.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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