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25 Jahre "Die Hard" - ein Abgesang McClane, stirb langsam, aber stirb endlich!

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Mit John McClane gealtert: Bruce Willis in "Stirb langsam 5".

(Foto: picture alliance / dpa)

Heute definieren hauptsächlich Computer-Effekte erfolgreiche Filmreihen. Der authentische Action-Held aber heißt John McClane. In seinem 25-jährigen Kampf hat er viele böse Buben erledigt. Doch nun verliert er gegen seinen erbittertsten Feind: die Geldgier Hollywoods.

Vor einem Vierteljahrhundert, am 15. Juli 1988, flimmerte ein Film über die US-amerikanischen Kinoleinwände, der das Actionfilm-Genre jener Zeit nicht nur auf ein höheres Niveau hob, sondern schlicht revolutionierte. Das Publikum hatte sich spontan verliebt in diesen stinknormalen Typen aus der Mitte der Gesellschaft, der in "Stirb langsam" von einem Schlamassel in den nächsten rutscht, ohne auch nur das Geringste dafür zu können. Denn eigentlich kam der unheimlich lässige Polizist mit dem Allerweltsgesicht, John McClane, nur nach L.A., um sich mit seiner Frau zu versöhnen - Ehestreit, hat man ja schon mal von gehört. Doch von nun an sollte er für immer eins bleiben: der richtige Typ zur falschen Zeit am falschen Ort.

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Klassiker des Action-Kinos: der erste Teil der "Die Hard"-Reihe.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im ersten Teil der "Die Hard"-Reihe wurde dieser irgendwie verloren wirkende und trotzdem toughe Kerl über zwei Stunden lang durch den Nakatomi-Plaza-Tower geprügelt - und im selben Atemzug mitten in die Herzen der Action- und Filmfans der auslaufenden 80er Jahre gebombt. Blutend, schwitzend, fluchend und mit einer riesigen Portion Selbstironie eroberte Bruce Willis als John McClane die Sympathien einer ganzen Generation. Ja! Endlich war da mal jemand mit Authentizität. Jemand, mit dem man sich identifizieren konnte. Jemand, der nach einer Prügelei nicht nur durch den Wind, sondern - wie nach einer durchsoffenen Nacht - höllisch verkatert wirkte. Ein Kerl, dem man es auch ansah, wenn er gerade zwanzig böse Verbrecher umgenietet hatte.

McClane war ein Normalo. Und trotzdem ein Held. Keiner dieser stoisch in die Gegend blickenden, muskelbepackten Typen, sondern der Kerl aus der Kneipe um die Ecke. In jedem von uns steckte ein bisschen von John McClane. Die Erkenntnis fühlte sich gut an.

"Yippie-ya-yeah, Schweinebacke!"

Am Ende des ersten Teils von "Stirb langsam" war nicht nur eine moderne Action-Ikone geboren, sondern mit Bruce Willis auch ein neuer Hollywood-Star. Dass Willis nicht einmal die erste Wahl von Regisseur John McTiernan (bekannt durch Klassiker wie "Predator" oder "Jagd auf Roter Oktober") war, ist im Nachhinein egal. Vor ihm waren Namen wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Harrison Ford und auch Mel Gibson im Gespräch. Doch dann kam Bruce - the one and only.

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John McTiernan drehte den ersten und den dritten Teil der Reihe.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In "Die Hard 2: Die Harder" durfte McClane sich durch den Washingtoner Flughafen ballern und prügeln. Linker Haken, rechter Haken, bumm, peng, puff ... Diese von Renny Harlin inszenierte Fortsetzung kopierte im Grunde zwar nur den Vorgänger, hatte aber dennoch viel Charme. Mit "Stirb langsam 3: Jetzt erst recht" - McTiernan saß erneut im Regiestuhl - wurde ein weiteres Stück Filmgeschichte geschrieben. Nicht nur, weil "Die Hard" mit diesem Film zur erfolgreichen Trilogie avancierte. Die Macher verstanden es auch, die Story neu zu erfinden, ohne dabei das "Stirb langsam"-Typische zu vernachlässigen. New York, Johns Heimatstadt, wurde zum Schauplatz. Zusätzlich führte man mit Zeus Carver alias Samuel L. Jackson ganz nebenbei das "Buddy Movie" in die Filmreihe ein (das hatten Gibson und Glover mit ihrer "Lethal Weapon"-Reihe zwar schon perfektioniert, aber was für Gibson gut ist, konnte für Willis ja nicht schaden).

Dann wurde es ruhig um den Kumpel-Bullen, er hatte sich seinen Sitz im Action-Olymp mit Schweiß und Blut erkauft. Die Ikone schien in Granit gehauen. "Yippie-ya-yeah, Schweinebacke!"

McClane blutet sich ins 21. Jahrhundert

Zwölf Jahre später erschien "Stirb langsam 4.0". Der Versuch, die Franchise wiederzubeleben, stieß bei den Fans der ersten Stunde nicht unbedingt auf Gegenliebe: Willis zu alt, der Film zu modern, der Bösewicht (Timothy Olyphant) zu lau, der Buddy-Part (Justin Long) zu weich. Kurzum: Verrat an den Pfeilern des Action-Urgesteins! Doch "Live Free or Die Hard", so der Originaltitel, ist besser als sein Ruf. Alle, die den Film bis jetzt hassten, werden ihn nach einem Videoabend mit dem fünften Teil der "Stirb langsam"-Reihe lieben und gern wieder anschauen - trotz übertriebener Düsenjet-Szene.

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Besser als sein Ruf: "Stirb langsam 4.0".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Denn "Stirb langsam 5 - Ein guter Tag zum Sterben" hält, was der Titel verspricht: Der Tag, an dem man den Film sah, war wirklich ein guter zum Sterben. Was da ein gewisser John Moore, in den Eröffnungscredits als Regisseur bezeichnet, auf den Flachbildfernseher schmiert, ist sowohl visuell als auch von der Story her eine Sauerei. Nicht mehr, aber noch ganz viel weniger. Von einem Action-Film erwartet man nicht unbedingt viel Logik und plausible Geschichten: Aber McClanes fünfter Auftritt ist lustlos, sinnfrei, langweilig und dabei stellenweise so unappetitlich wie ein Stück kalte Pizza, das man nach zwei Tagen unterm Sofa findet. In der "Die Hard"-Reihe wirkt der Film so deplatziert, wie es der unglaubliche Hulk mit Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet) in den Armen am Bug der Titanic täte.

Dass Bruce inzwischen nicht nur alt ist, sondern im fünften Aufguss auch echt alt aussieht, liegt an einer peinlichen, stümperhaften und fast schon beleidigenden Inszenierung, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Stellenweise empfindet man tatsächlich schon etwas Ekel. McClane eilt diesmal seinem - aus seiner Sicht in Schwierigkeiten geratenen - Sohnemann (von Jai Courtney dargestellt wie ein dröger, alter Kampf-Dackel) in Moskau zur Hilfe. McClane Jr. arbeitet aber verdeckt für die CIA und braucht im Grunde keine Hilfe - ganz im Gegensatz zu Regisseur Moore, der den Zuschauer in eine gefühlt stundenlange Verfolgungsjagd wirft, bei der man vor lauter fliegenden Autos und Blechschäden gar nicht mehr weiß, wer hier eigentlich wen jagt.

Alles sieht gleich aus. Moskau ist blau-grau und dunkel. Und die Russen gucken grimmig, essen schmatzend Karotten und agieren wie Zombies in "The Walking Dead". Oder aber wollen statt Gangster lieber Tänzer sein.

Story? Gibt's nicht. Dialoge? In etwa so: McClane: "Sohn, ich hab dich lieb". Sohn: "Ich dich auch". Oder so:
Szene 1: McClane ballert wild um sich: "Ich dachte, ich bin hier im Urlaub."
Szene 2: McClane verprügelt harmlose Zivilisten: "Ich dachte, ich bin hier im Urlaub."
Szene 3: McClane flüchtet vor einem Hubschrauber: "Ich dachte, ich bin hier im Urlaub."

Vier Bösewichte und ein tänzelnder Karottenfresser

Das ganze "Die Hard"-Gefüge wird auseinandergerissen und ohne Inhalt oder Substanz lieblos zusammengeklatscht. Charaktere, Story, und Kulissen - nichts ergibt einen Sinn. Die faulste Erdbeere in dieser "Die Hard"-Kuchenschlacht aber ist der Bösewicht, denn der ist schlichtweg nicht vorhanden. Dabei war die tragende Rolle des Schurken ein Markenzeichen der Reihe. Alan Rickman legte im ersten "Stirb langsam"-Film eine bravouröse Leistung als böser Ober-Terrorist hin. William Sadler in der Fortsetzung war solide und Jeremy Irons in "Die Hard 3" ein Genuss. Timothy Olyphant als vierter Bösewicht schließlich hat bessere Kritiken verdient als die, die ihm beschert wurden. "Stirb langsam 5" indes vernachlässigt den Schurken, so wie der Film alles mit Füßen tritt, was "Die Hard" über die Jahre so beliebt gemacht hat.

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"Stirb langsam 5" verkommt zur monotonen Materialschlacht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zutaten waren vorhanden, aber Regie-Koch Moore hatte leider keine Ratte unter seiner Haube wie in "Ratatouille". Hier gibt es nur einen Karotten-Tänzer, den schlechten Politiker Viktor und den zerzausten Gefangenen Yuri (Sebastian Koch in einer vollkommen verschwendeten Darstellung). Ach ja, Yuri hat auch eine Tochter, die wohl ebenfalls böse sein soll. Das Traurige aber ist: Es ist einem beim Zuschauen vollkommen egal, wer auf wen schießt oder am Ende blutend zu Boden geht (gähn!). Die Regie verfängt sich in monotonen Materialschlachten. Und Drehbuchautor Woods fällt nichts Besseres ein, als McClane und seinen Balg nach der Zerstörung Moskaus gefühlsduselige Dialoge schwafelnd nach Pripjat zu schicken. Vater und Sohn ballern sich glücklich vereint durch Tschernobyl.

McClane verkommt zum stupiden Amerikaner, der pöbelnd und überheblich durch Russland zieht und allem und jedem schadet, der ihm gerade im Weg steht. Die Sympathie zur Figur bleibt auf der Strecke. Damit nicht genug, wird dem ergrauten Oldie der Achtziger durch seinen Nachwuchs auch noch die Rolle des Statisten und des nervigen Anhängsels verpasst. Ein gelangweilter und mürrischer Bruce Willis scheint diesen denkwürdigen Part dankend anzunehmen. "War die Besoldung derart hoch oder schlucken die Hypotheken zu viel Asche?", möchte man ihn da gern mal fragen. Hollywoods Geldmaschinerie demütigt das Idol einer ganzen Generation.

Die Hoffnung stirbt langsam

Nach anderthalb Stunden verschwendeter Lebenszeit wird dem Zuschauer ein lahmes Finale mit klirrendem Glas, explodierendem Hubschrauber und einem Sprung der beiden Helden in ein Schwimmbecken vor der Skyline von Tschernobyl beschert. Gegen Radioaktivität sind die Super-McClanes natürlich genauso resistent wie gegen Kugeln, die Schwerkraft und unterhaltende Geschichten. Bruce Willis schießt mit Hilfe seiner Schergen hinter der Kamera der Legende John McClane direkt zwischen die Augen und trägt sie mit lustloser Miene zu Grabe. Man möchte wirklich ein bisschen in sein Taschentuch flennen.

Willis hat unterdessen tatsächlich verlauten lassen, dass er auch noch einem sechsten Teil nicht abgeneigt wäre. Aber wer soll den Karren bloß aus dem Dreck ziehen? Wie wäre es mit "Die Hard"-Urgestein John McTiernan? Der sitzt allerdings gerade wegen falscher Angaben gegenüber dem FBI für ein Jahr im Knast. Entweder befreit McClane ihn mit einer selbstironischen und spektakulären Aktion. Oder aber Bruce Willis wartet noch acht Monate, bis der Regisseur seine Haftstrafe verbüßt hat.

Sollte Willis indes zu alt sein, die Gefängnismauern zu durchbrechen oder auch McTiernan die geschändete Statue McClanes nicht mehr kitten können, dann gibt es wirklich nur noch einen Rat: McClane, stirb langsam, aber bitte: Stirb endlich!

Quelle: n-tv.de

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