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Wechselt mit ihrem Team in dem Film die Seiten: Elizabeth Sloane (Jessica Chastain).
Wechselt mit ihrem Team in dem Film die Seiten: Elizabeth Sloane (Jessica Chastain).(Foto: picture alliance / -/Universum F)
Donnerstag, 06. Juli 2017

"Die Erfindung der Wahrheit": Miss Sloane, übernehmen Sie!

Der Film "Die Erfindung der Wahrheit" passt natürlich wie die Faust aufs Auge in die Zeit. Es geht um die US-Waffenlobby, Ränkespiele im Senat und die Verrohung der politischen Sitten. Getragen wird das alles von Hauptdarstellerin Jessica Chastain.

Jedes Jahr werden in den USA Tausende Menschen erschossen. Zumindest von Europa aus betrachtet scheint ein entscheidender Grund für diese Entwicklung klar: Die laschen Waffengesetze im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo viele eine Waffe tragen dürfen und sogar Kinder-Gewehre angeboten werden - für den bewaffneten Nachwuchs. Immer wieder machen Kinder Schlagzeilen, die versehentlich nächste Verwandte erschießen.

Der Zweite Verfassungszusatz von 1791 schützt das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen. Und die mächtige Waffenlobby hat viel dafür getan, dass schärfere Gesetze wie beispielsweise Ex-US-Präsident Barack Obama sie einführen wollte, keine Chance haben.

Wie ein US-Politthriller - von einem Briten

Vor diesem Hintergrund hat der (britische!) Regisseur John Madden, unter anderem bekannt für "Shakespeare in Love", einen Film über den Einfluss eben jener Lobby auf die US-Politik gemacht. In "Die Erfindung der Wahrheit" muss die Lobbyistin Elizabeth Sloane in einer Kongress-Anhörung aussagen, weil der Verdacht besteht, sie habe die Ethik-Regeln des gepflegten Lobbyings verletzt. Ihr droht Gefängnis.

Chastain wurde unter anderem durch "Zero Dark Thirty" bekannt.
Chastain wurde unter anderem durch "Zero Dark Thirty" bekannt.(Foto: picture alliance / -/Universum F)

In Rückblicken wird dann die eigentliche Geschichte erzählt: Sloanes Firma wird von der Waffenlobby dafür engagiert, ein geplantes Gesetz zur Verschärfung des US-Waffenrechtes zu verhindern. Der Plan: Vor allem Frauen sollen von einer Pro-Waffen-Kampagne angesprochen werden.

Doch Sloane, die den Kampagnen-Plan ohnehin absurd findet, überlegt es sich anders und stellt sich auf die Seite des Underdogs, der rivalisierenden Lobby-Firma von Rodolfo Schmidt (Mark Strong), die den Gesetzesentwurf durchboxen will. Ein Wettrennen um Senatorenstimmen beginnt, wie man ihn schon oft gesehen hat in US-Politthrillern. Doch spannend ist das immer wieder.

Gelungen dank Jessica Chastain

Das Alleinstellungsmerkmal des Films: Sloane wird gespielt von Jessica Chastain, die sich schon in "Zero Dark Thirty" von Regisseurin Kathryn Bigelow über die Jagd auf und die Tötung von Osama bin Laden ganz tief einarbeitete in die US-amerikanische Politik. Die Schauspielerin ist es, die den streckenweise zwar etwas überzogenen, aber immer unterhaltsamen Film mit ihrer Rolle trägt.

Passend also, dass er im Original den Titel "Miss Sloane" hat. Berechtigt, dass Chastain für einen Golden Globe nominiert wurde. Sie spielt die skrupellose Lobbyistin, die ihren Zielen alles - schließlich sogar sich selbst - kompromisslos unterordnet und menschliche Beziehungen nur zulässt, wenn sie dafür bezahlt (Callboy), mit einer Kälte und kühlen Schönheit, die ihresgleichen sucht.

Der Film wirft - wie viele vor ihm - ein Streiflicht auf die Praktiken der US-Politik, in der gewählte Volksvertreter nur in den seltensten Fällen nach ihrem Gewissen oder im Sinne ihrer Wähler entscheiden, sondern ausschließlich nach der Frage: Was habe ich persönlich davon? Machtstreben als Triebfeder aller Politik.

"Die Erfindung der Wahrheit" ist auch ein Film über die Verrohung politischer Sitten geworden. Gerade in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump und einer Debatte über Fake News und konstruierte, erfundene Wahrheiten ist das ein interessanter Blickwinkel.

Quelle: n-tv.de