Kino

"Happy Halloween, Motherfuckers!" Rob Zombies "31" kennt keine Regeln

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Ist die Jagd vorbei - oder beginnt sie jetzt erst richtig?

(Foto: Tiberius)

"31" heißt Rob Zombies neuer Kinofilm. Er weckt Erinnerungen an "Haus der 1000 Leichen" und "The Devil's Rejects". Zombies' Fans werden ihn wegen der obsessiven Gewalt und des enormen Blutzolls lieben. Der Rest muss ihn ja nicht anschauen.

"31 bedeutet Krieg! Und wie die Ahnen schon sagen: Krieg ist die Hölle! Alles was ihr tun müsst, ist zu überleben. Zwölf Stunden hinter den Mauern unserer privaten kleinen Hölle." Die Ansage von Father Murder (Malcolm McDowell; "Uhrwerk Orange", "Halloween", "The Artist") sitzt - und trifft den abgehalfterten Trupp Jahrmarkts-Arbeiter bis ins Mark. Die waren gerade auf dem Weg zu einem neuen Ort, als sie irgendwelche Hinterwäldler in der Nacht vor Halloween auf offener Straße angegriffen und gefangen genommen haben.

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Wo ist die Gruppe da nur reingeraten?

(Foto: Tiberius)

Charly (Sheri Moon Zombie; "The Devil's Rejects", "Toolbox Murders"), Roscoe (Jeff Daniel Phillips; "Halloween 2"), Venus (Meg Foster; "Masters of the Universe", "The Lords of Salem"), Panda (Lawrence Hilton-Jacobs; "Killer Drag Queens on Dope") und Levon (Kevin Jackson; "Fletchers Visionen") wissen weder, wie ihnen geschieht noch, wo sie gelandet sind. Das Einzige, was sie genau wissen: Es geht um ihr nacktes Überleben, denn sie sind Teil eines mörderischen Spiels, einer tödlichen Jagd. "Fuck, was für ein verkackter Ort!" - und schon geht die wilde, blutige Hatz los.

Die Hölle öffnet ihre Pfoten

Sick-Head (Pancho Moler) jagt zuerst. Er kennt die Anlage, in der sie sich alle befinden, die "Murder World", wie seine Westentasche und ist ein eiskalter Psychopath. Es dauert nicht lange und Levone muss dran glauben. Das Blut fließt in Strömen. Doch Sick-Head ist sich zu siegessicher, er unterschätzt die Blondine Charly, deren Überlebensinstinkt der größte der nun nur noch vier Gruppenmitglieder zu sein scheint. Doch nach Sick-Heads Tod lässt Vater Mord die nächsten Psychos auf den Jahrmarkt-Trupp los.

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Auf die kleiner werdende Gruppe warten immer neue Gegner und ...

(Foto: Tiberius)

Psycho-Head (Lew Temple; "The Devil's Rejects") und Schizo-Head (David Ura; "Fear, Inc.") packen die Kettensägen und legen los. Roscoe, Charly, Venus und Panda stoßen indes auf die junge Georgina (Devin Sidell). Sie ist angekettet und völlig außer sich vor Todesangst. Aber sie sagt, sie könne ihnen helfen. Eine Falle? Aber sowas von. Zack, ein Käfig kracht von der Decke und die Kettensägen von Psycho und Schizo wüten. Roscoe ist verletzt, aber Venus findet deutliche Worte an ihn: "Heulen ist für Mädchen, lass dir 'n paar Eier wachsen, du Riesenbaby!" Das sitzt - und kurz darauf müssen Psycho und Schizo ihre eigene Medizin schlucken. Eine Riesenschweinerei.

Vater Mord schickt nun Death-Head (Torsten Voges; "The Big Lebowski", "8mm") und Sex-Head (Elizabeth Daily) in die Todesarena. Sieben Stunden verbleiben noch, um Charly und Co. den Garaus zu machen. Fröhlich nebeneinander herwackelnd machen sich Vater und Tochter, denn genau das sind sie, auf die Jagd. Ein deutsches Kinderlied auf ihren blutigen Lippen: "Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein ..." Es ist das letzte, das sie singen, denn Charlie und Venus machen sie gemeinsam alle.

Doom ist cool

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... Abscheulichkeiten. Entweder man mag es, und damit auch Rob-Zombie-Filme, oder eben nicht.

(Foto: Tiberius)

Nun wird der Schlimmste von allen, Doom-Head (Richard Brake; "Batman begins", "Thor - The Dark Kingdom") auf den Rest losgelassen. Und Doom-Head ist nicht auf der Wurstsuppe dahergeschwommen. Er zitiert Che Guevara ("Den Rauch, den er in Augenblicken der Entspannung ausstößt, ist dem einsamen Soldaten ein treuer Kamerad"), sein Selbstbewusstsein ist grenzenlos: "Wenn du Tag für Tag Glanzleistungen ablieferst, ist das kein Glück. Das ist Können!"

Im Hintergrund säuseln The Mamas and the Papas: "All the leaves are brown and the sky is grey … California dreaming on such a winter's day …" Venus und Roscoe segnen das Zeitliche. Nur Charly lebt noch und rennt um ihr Leben. Doom-Head, siegessicher, verfolgt sie. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit Vorteil für die Katze. Doom-Head stellt Charly, er beugt sich über sie. Die letzten Minuten von "31" laufen ... und der Zuschauer erinnert sich an das Franz-Kafka-Zitat vom Filmbeginn: "Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch, zu sterben."

"31" ist Krieg für die Sinne

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"31" (Tiberius) läuft ab 27. Oktober in deutschen Kinos.

(Foto: Tiberius)

"Grandios!", schreien die einen. "What the fuck ...?", fragen die anderen. Ganz nüchtern betrachtet ist "31" Rob Zombies siebter Film und einer, über den noch viel geredet werden wird. Er spielt 1976. Irgendwo in der Pampa. Die Zivilisation ist weit weg, wenn es sie dort überhaupt je gegeben hat. Es gibt entspannte Mucke aus den 1970ern, die von derbster Fäkal-Sprache konterkariert wird: Das meistgenannte Wort ist "Ficken".

"31" ist ein prominent besetztes blutiges Gewaltspektakel, das den Zuschauer an die Grenzen des Ertragbaren führt. Dieses Gefühl kennen Fans von Genre-Ikone Rob Zombie bereits aus seinen Anfangszeiten: "Das Haus der 1000 Leichen" (2003) und der Nachfolger "The Devil's Rejects" (2005) spielten auch sehr gekonnt auf dieser Klaviatur, die von abstoßender Abscheulichkeit bis hin zu einem euphorischen "Gebt mit mehr davon" reicht.

Zombies nachfolgenende Streifen, etwa die beiden "Halloween"-Filme und auch "The Lords of Salem" fielen dagegen - zumindest was Gewalt, Blutzoll und Trash-Charakter angeht - etwas ab. Allerdings fanden sie dadurch ein deutlich breiteres Publikum. Mainstream waren aber auch sie nicht.

"31" ist Slasher-Horror-Trash der alten Schule. Zugegeben, auch mit gehörig B-Movie-Charme. Das Budget dürfte dennoch eher größer gewesen sein. Das kommt den durchweg handgemachten Effekten durchaus zu Gute. "31" ist Krieg. Und Krieg ist die Hölle.

Quelle: n-tv.de