Unterhaltung
Er kann es auch ohne Strom: Peter Maffay.
Er kann es auch ohne Strom: Peter Maffay.(Foto: Wolfgang Köhler)
Freitag, 03. November 2017

"Das wäre ziemlich spooky": Peter Maffay zieht den Stecker

Wer sich mit den fleischgewordenen Speerspitzen der deutschen Musiklandschaft beschäftigt, der stolpert irgendwann zwangsläufig über den Namen Peter Maffay. Mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger, 17 Nummer-1-Alben und unzählige ausverkaufte Arena-Tourneen: Der "Kleinste" unter Deutschlands "Größten" hat in seiner fast 50-jährigen Karriere so ziemlich alles mitgenommen, was das Musikgeschäft zu bieten hat.

Im vergangenen August erfüllte sich Peter Maffay einen seiner letzten musikalischen Träume. Im ehrwürdigen Steintor-Varieté in Halle an der Saale lud der Deutschrock-Barde zur längst überfälligen MTV -Unplugged-Sause. Mit dabei: Jennifer Rostock, Johannes Oerding, Philipp Poisel, Katie Melua, Tony Carey und Percussion-Legende Ray Cooper. Kurz vor der Veröffentlichung des daraus entstandenen Live-Albums trafen wir uns mit Peter Maffay in Berlin zum Vieraugengespräch.

n-tv.de: Peter, Paul Stanley sagte einmal, dass jeder Rocksong auch im Akustikgewand funktionieren müsse. Sonst sei es kein guter Rocksong. Stimmst du dem Kiss-Sänger zu?

Peter Maffay: Auf jeden Fall. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Jeder Rocksong entsteht irgendwo in einer kleinen Ecke. Man sitzt auf der Couch, schnappt sich die Gitarre und vereint das, was man spielt, mit Ideen aus dem Kopf. Das ist die Basis. Irgendwann legt man dem entstandenen Gerüst dann gemeinsam mit der Band einen pompösen Umhang um und zieht damit durch die Hallen. Wer schon einmal einen Rocksong geschrieben hat, der weiß, dass das Fundament im stillen Kämmerlein gelegt wird.

Viele Künstler bezeichnen das MTV-Unplugged-Format als "Königsdisziplin". Du auch?

Es ist schon etwas ganz Besonderes. Ich meine, wir haben schon vor 20 Jahren Unplugged-Blöcke in unsere Live-Sets eingebunden. Auf der "Laut & Leise"-Tour im Jahr 2005 haben wir jede Show mit einem akustischen Part begonnen. Aber das alles lässt sich mit der Magie dieses Formats nicht wirklich vergleichen. Die Intimität des Rahmens, die Gäste, die Location: Das waren schon drei ganz besondere Abende in Halle.

Man will so ein Happening natürlich in bester Erinnerung behalten. Habt ihr deswegen gleich dreimal aufgezeichnet?

Ja, so sind wir die Sache angegangen. Wir wollten natürlich das Maximum rausholen. Normalerweise schnürt man sich in solchen Fällen am Ende die besten Momente zusammen. In unserem Fall war es aber so, dass wir uns am Ende für den kompletten Mitschnitt des dritten Abends entschieden haben. Da hat einfach alles gepasst.

In puncto Duette hast du dich mit Jennifer Weist, Johannes Oerding und Philipp Poisel für die Deutsch-Pop-"Jugend" entschieden. Hatten die Herren Westernhagen, Grönemeyer und Lindenberg keine Zeit? Oder war das eine bewusste Entscheidung?

Bei seiner Unplugged-Show wurde Maffay von zahlreichen Gästen, darunter etwa Johannes Oerding, unterstützt.
Bei seiner Unplugged-Show wurde Maffay von zahlreichen Gästen, darunter etwa Johannes Oerding, unterstützt.(Foto: Wolfgang Köhler)

Das Alter und die Erfahrung spielten für mich keine große Rolle. Ich wollte einfach mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen ich menschlich und musikalisch etwas anfangen kann. Sicher, ich hätte auch Udo anrufen können. Aber mit ihm habe ich schon oft gemeinsam auf der Bühne gestanden.

Mich hat ja die Zusammenarbeit mit Katie Melua ein wenig überrascht. Die hätte ich jetzt nicht sofort auf dem Schirm gehabt.

Nun, Katie kenne ich schon ziemlich lange. Ich wollte sie schon damals in das "Begegnungen"-Projekt mit einbinden. Aus Zeitgründen hat das leider nicht geklappt. Seitdem ist die Verbindung aber nie abgebrochen. Diesmal hat alles gepasst. Und das freut mich ungemein.

Percussion-Guru Ray Cooper und Rainbow-Keyboarder Tony Carey sind auch mit am Start.

Ray Cooper ist eine Legende. Der Kerl stand schon mit den Stones, Pink Floyd und George Harrison auf der Bühne. Und über einen wie Tony Carey muss man auch nicht viele Worte verlieren. Ich bin mit der Musik von ZZ Top, AC/DC und dem ganzen alten Rock-Kram aufgewachsen. Ray und Tony verkörpern diese Epochen. Es war einfach unglaublich, mit diesen Leuten Musik zu machen.

Apropos ZZ Top, AC/DC und Konsorten: Deine musikalische Sozialisation deckt sich ja nicht so ganz mit den Klängen, die sich zu Beginn deiner Karriere unter deinem Namen verbreiteten. Hast du heute noch einen Bezug zu deiner Schlager-Vergangenheit?

Das Album "MTV Unplugged" von Peter Maffay ist ab sofort erhältlich.
Das Album "MTV Unplugged" von Peter Maffay ist ab sofort erhältlich.(Foto: Red Rooster / Andreas Richter)

Nur wenn ich die Songs von damals live spiele. Ansonsten haben meine Anfänge nicht mehr viel mit mir und meinem Verständnis für tiefgreifende Musik zu tun. (lacht)

Nervt es dich, wenn deine alteingesessenen Fans einen Song wie "Du" live hören wollen?

Nein, gar nicht. Den Song spiele ich ja schon lange nicht mehr so, wie er damals aufgenommen wurde. Auf der Unplugged-Version wird der Text auch nur zitiert. So baut man eine Brücke zwischen alt und neu. Anders würde das nicht mehr funktionieren. Ich gehe die Live-Performance von Songs wie "Du" oder "Und es war Sommer" auch immer mit einem Lächeln an. Wenn ich solche Texte heute noch ernst nehmen würde … Das wäre schon ziemlich spooky.

Als du mit dem Musikmachen angefangen hast wurden Sounds aus drei Örtlichkeiten hinaus in die weite Welt getragen: aus dem Proberaum, dem Studio und von der Bühne. Heute verbreitet sich Musik primär übers Internet. Wie "spooky" findest du diese Entwicklung?

Ich empfinde sie als spannend und herausfordernd. Es gibt einfach Entwicklungen, denen man sich anpassen muss. Und wenn man heutzutage mit Musik sein Geld verdienen will, dann darf und kann man das Internet und die damit verbundene Digitalisierung von kreativem Schaffen nicht einfach so übersehen. Das funktioniert nicht. Als die Rechner damals einen Großteil des analogen Studio-Equipments ersetzt haben, war ich auch nicht begeistert. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass der Einzug von digitaler Technik nicht das Ende von Kreativität bedeutet. Man muss nur lernen, wie man die neuen Werkzeuge richtig und gewinnbringend einsetzt. Letztlich schafft diese Entwicklung Platz für neue Ideen, neue Strukturen und neue Ergebnisse. Wir bringen beispielsweise im nächsten Herbst einen komplett animierten "Tabaluga"-Film an den Start. Das wäre ohne die sich stetig weiter entwickelnde Technik nicht möglich. Insofern: Alles gut, so wie es ist.

MTV Unplugged, eine große Tour im Frühjahr, ein "Tabaluga"-Film: Fehlt eigentlich nur noch ein neues Studioalbum, oder?

Schritt für Schritt. Es freut mich natürlich, dass die Leute schon wieder heiß auf neue Songs sind. Aber wir sind ja keine Maschinen. Der Kalender ist erstmal pickepackevoll. (lacht)

Mit Peter Maffay sprach Kai Butterweck

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Quelle: n-tv.de

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