Musik

Goldene Hits - und goldener Schrott So klingen die Oscars

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Common (l.) und John Legend nach ihrer "Glory"-Performance aus "Selma" bei den Grammy Awards in Los Angeles - der Song gilt dieses Jahr als Oscar-Favorit.

(Foto: REUTERS)

Absolute Klassiker wie "Over the Rainbow", Ohrensmog wie "My Heart Will Go On", Tanzflächenkracher wie "What a Feeling" und Rap-Songs wie "Lose Yourself" - ein kritischer Blick auf die vergangenen Oscar-Songs.

Hand aufs Herz: Wer kann sagen, wer im vergangenen Jahr den Oscar für den besten Song gewonnen hat? Die meisten von uns vergessen so etwas sehr schnell und auch zu Recht. Wie bei den Filmen, gewinnen nicht immer die Lieder, die einem auf ewig im Gedächtnis bleiben. Und wenn sie es tun, dann manchmal nicht aus dem richtigen Grund. Bestes Beispiel wird der Gewinner vom vergangenen Jahr sein: "Let It Go" aus dem Film "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren". Legionen von Eltern kleiner Mädchen bluten wahrscheinlich die Ohren, da der Nachwuchs zum 236. Mal die übersetzte Fassung "Lass los" im Auto hören will.

Ein Abo für Disney

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"König der Löwen" bekam den Oscar für die beste Filmmusik und den besten Song, "Can You Feel the Love Tonight". gesungen von Elton John.

(Foto: imago stock&people)

Seien wir mal ehrlich, Oscar-Gewinner sind meistens kitschige Balladen. Disney-Filme haben da ein Abo drauf - Elton John gewann 1995 mit "Can You Feel the Love Tonight" aus "König der Löwen", Phill Collins 2000 für "Tarzan" mit "You'll Be in My Heart". Wenn es Disney mal ein wenig knorriger wollte, engagierten sie Randy Newman. Und wie oft haben sie ihn engagiert! Zwölf Mal und nur zwei Mal konnte er gewinnen: 2002 mit "I Didn't Have You" aus "Die Monster AG" und 2011 mit "We Belong Together" aus "Toy Story 3"

Randy Newman ist übrigens nicht der einzige Komponist, der mit Eifer dabei war und nicht so oft belohnt wurde: Easy-Listening-King Burt Bacharach warf sich fünf Mal ins Rennen. Perlen wie "What's new Pussycat?", "Alfie" oder das großartige "Look of Love" wurden nie für würdig befunden. Immerhin gewann der US-Amerikaner 1969 mit dem Klassiker "Raindrops Keep Fallin' on My Head" aus "Zwei Banditen" und teilte sich 1981 mit den anderen den Preis für "Arthur's Theme" aus "Arthur - Kein Kind von Traurigkeit".

Schock: Es wird gerappt!

Barcharachs eingängige Musik ist eigentlich perfekt für den Oscar. Nur selten trauten sich die Juroren, etwas unzugänglichere Lieder zu prämieren. 2002 war es so weit - da konnte Eminem mit "Lose Yourself" zum Erstaunen vieler triumphieren. Ein Rap-Song gewinnt einen Oscar! Das wiederholte sich dann 2005 mit "It's Hard out Here for a Pimp", für das Three 6 Mafia verantwortlich war. Die Leute schüttelten wieder mit dem Kopf, aber der Song war nach ein paar Monaten wieder vergessen.

Dabei gibt es sie - die Oscar-Lieder, die ihren Platz in der Musikgeschichte fanden: Klassiker wie "Over the Rainbow" aus "Der Zauberer von Oz" (1940), "White Christmas" (1943) aus "Weiße Weihnachten", "Whatever Will Be,. Will Be (Qué Será, Será)" aus "Der Mann, der zuviel wusste" (1957) oder "Moon River" aus "Frühstück bei Tiffany"(1962) bleiben auf ewig im kollektiven Gedächtnis.

Coole Filme, schlimme Musik

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1972 bekam Isaac Hayes einen Oscar für sein "Theme from Shaft".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Da muss man in den siebziger Jahren ein bisschen buddeln, bevor man etwas mit größerer Halbwertzeit findet. Das Jahrzehnt war bekannt für tolle Filme, weniger für deren bleibende Musik. Ausnahmen gibt es natürlich: 1972 gewann das coole "Shaft" aus dem gleichnamigen Thriller und Barbra Streisands "The Way We Were" aus "So wie wir waren" (1974) ist ein absoluter Heuler und das ist hier einmal positiv gemeint. Aber das war es dann auch mit unvergesslichen musikalischen Siegern. Beindruckende Verlierer gab es allerdings: "Gonna Fly Now", der Song aus "Rocky" , zu dem sich noch heute viele mental pushen, wurde 1977 ebenso ignoriert wie das unheimliche "Ave Santini" aus "Das Omen".

In den achtziger Jahren war die Ära der Tanzfilme und die hatten ein leichtes Spiel: 1981 triumphierte "Fame", 1984 war "Flashdance … What A Feeling" aus der gleichnamigen Produktion der Sieger und 1988 "(I've Had) The Time of My Life" aus "Dirty Dancing" - alles Sachen, mit denen noch heute die Tanzflächen erfolgreich beschallt werden. Aber auch andere Gewinner sind bis heute in Erinnerung geblieben: das unvergessliche "Up Where We Belong" aus "Ein Offizier und Gentleman" (1983),Stevie Wonders "I Just Call to Say I love You" aus "Die Frau in Rot" (1985) und "Take My Breath Away" aus "Top Gun" (1987).

Das unvermeidliche "My Heart Will Go On"

Die neunziger Jahre waren geprägt von Disney-Filmen und dem unvermeidlichen "My Heart Will Go On" von Celine Dion aus "Titanic" (1998) - das wunderbare "Miss Misery" von Elliot Smith hatte da keine Chance. Es gab einen Lichtblick: Bruce Springsteens "Streets of Philadelphia" aus "Philadelphia" (1994).

Das Millennium und die anschließende Dekade sah größere Vielfalt: Bob Dylan durfte sich 2002 für "Things Have Changed" aus "Die WonderBoys" einen Oscar abholen, es wurde mit "Al otro lado del rio" aus "Die Reise des jungen Che" (2005) ein spanisches Lied ausgezeichnet und sich mit "Jai Ho" aus "Slumdog Millionär" (2009) vor Bollywood verneigt. Die beiden Rap-Songs wurden bereits erwähnt.

Alte Muster und ein Kinderdisco-Favorit

Unser Jahrzehnt sieht die Oscar-Jury wieder in alte Muster verfallen - Disney oder die Muppets gewinnen, einzig Adele konnte dies 2013 mit "Skyfall" durchbrechen.

Dieses Jahr gilt John Legends "Glory" aus "Selma" als großer Favorit, aber ihm könnte "Everything is Awesome" einen Strich durch die Rechnung machen. Wie, das kennen Sie nicht? Wie "Lass looooos" aus "Die Eiskönigin" bestimmt auch "Hier ist alles super" die Kinder-Disco und wer weiß, vielleicht werden den Oscar-Juroren von ihren Kleinen die Daumenschrauben angesetzt und der Ohrwurm aus "The LEGO Movie" triumphiert bei der diesjährigen Oscar-Verleihung.

Quelle: n-tv.de

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