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Petry gibt Schlager-Comeback Wolle, wo sind all die Freundschaftsbänder?

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An der Musik hat er nach wie vor Spaß: Wolfgang Petry.

Manfred Esser / Sony Music

2006 verabschiedet er sich von der Bühne. Doch ganz weg ist Wolfgang Petry nie. Nun meldet er sich mit dem neuen Album "Genau jetzt!" und bewährtem Sound zurück. Interviews gibt er nur noch selten. n-tv.de hat er dennoch ein paar Fragen schriftlich beantwortet.

n-tv.de: Herr Petry, Ihr neues Album hört auf den Titel "Genau jetzt!". Wofür war es denn genau jetzt an der Zeit?

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Wolfgang Petry: Ich habe die letzten zwei Jahre mit meinem Team an neuen Titeln gearbeitet und jetzt sind alle Titel auf den Punkt fertig geworden, genau jetzt.

Das Album wird mit Ihrer Rückkehr zum Schlager beworben. Ist denn auch dafür genau jetzt der richtige Zeitpunkt?

Dazu gab es schon einige Diskussionen. Ich denke nicht in diesen Schubladen und ich war nie weg vom Schlager. Für mich gibt es aber Unterschiede im Schlager und ich mache eben Wolle-Schlager.

Der deutsche Schlager hat in den vergangenen Jahren ja mit Stars wie etwa Helene Fischer oder Vanessa Mai einen Imagewandel erfahren. Wie bewerten Sie das?

Ich bewerte keine Kollegen, das gehört sich nicht. Jede Künstlerin und jeder Künstler sollte seinen eigenen Weg gehen und sich nicht verbiegen lassen. Und wenn das dann noch erfolgreich ist, was kann es Schöneres geben?

Auf Ihrem neuen Album soll es nicht nur Schlager zu hören geben. Die Rede ist von einer großen Bandbreite, die auch bis hin zu berührenden Stücken und Rock'n'Roll reiche. Schon auf Ihrem Album "Brandneu" von 2015 schlugen Sie teils rockige Klänge an. Fühlen Sie sich heute musikalisch freier als früher?

Auf jeden Fall fühle ich mich freier, ich kann und darf machen, was ich möchte, und das macht mir viel Freude. Außerdem entwickelt Musik sich immer weiter, Hörgewohnheiten ändern sich und auch Geschmäcker ändern sich. Ich probiere auch schon mal gerne neue Musik aus.

Im vergangenen Jahr nahmen Sie sich auch die Freiheit heraus, als Pete Wolf ein englischsprachiges Album mit Blues-, Country- und Rock-Songs zu veröffentlichen. War das ein einmaliges Projekt?

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Nein, das war es ganz sicher nicht, jetzt ist aber erstmal die Veröffentlichung von "Genau jetzt!", und dann gehe ich wieder mit Pete Wolf ins Studio. Mal schauen, was er noch draufhat.

Ihr Pete-Wolf-Album hieß "Happy Man" - "weil ich ein glücklicher Mensch bin", haben Sie erklärt. Was macht für Sie Glück aus?

An erster Stelle stehen dafür meine Familie und Musik machen zu dürfen. Das macht mein Glück aus.

2006 hatten Sie Ihren Rückzug aus dem Showgeschäft verkündet. Doch seit 2014 veröffentlichen Sie wieder neue Musik. Gehört also letztendlich auch das für Sie zum Glück?

Ich habe in der Zwischenzeit gemerkt, dass man das Musikmachen nicht mit einem Knopf ausstellen kann - einmal Musiker, immer Musiker. Das Komponieren von Tönen und das Herstellen von Texten macht mich in der Tat glücklich.

Zugleich vermeiden Sie öffentliche Auftritte oder eine Rückkehr auf die Bühne. Warum eigentlich?

Ich war lange genug in meinem Leben auf den Bühnen und in Fernsehstudios unterwegs, damit musste irgendwann Schluss sein. Heute gibt es neue Wege, meinen Leuten neue Musik zu zeigen, und ich bekomme sehr viel positive Reaktionen.

Sie galten immer als Star zum Anfassen, eben als der "Wolle" von nebenan. Oder sogar als "Pfarrer Wolle", wie Sie einmal gesagt haben. Viele Fans hätten sicher Sehnsucht nach Ihnen. Haben Sie keine Sehnsucht nach Ihren Fans?

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Doch, die Sehnsucht nach meinen Fans ist immer da, aber das ständige Unterwegssein und viele Tage und lange von zu Hause weg zu sein, das passt nicht mehr in mein Leben.

Bekommen Sie nach all der Zeit eigentlich noch Fanpost?

Fanpost bekomme ich immer noch und ich freue mich über jede einzelne Nachricht. Es ist schön, zu sehen, dass meine Leute mir noch was zu sagen haben.

"Mit Freundschaftsbändchen, rockigen Live-Shows und langen wuscheligen Haaren sorgte Wolfgang Petry über 30 Jahre erfolgreich für Partystimmung", heißt es in einem Text auf Ihrer Webseite. Wenn man Sie heute hingegen zum Beispiel in Ihren neuen Musikvideos sieht, wirken Sie eher nachdenklich und in sich gekehrt. Täuscht das?

Das täuscht ganz gewaltig. Ich kann heute viele Seiten bedienen und mich komplett ausleben in meinen Songs. Jeder, der das Album "Genau jetzt!" durchhört, wird genau diese unterschiedlichen Seiten erkennen.

Apropos Freundschaftsbändchen: Die haben Sie ja schon 2002 für einen guten Zweck versteigern lassen. Wissen Sie eigentlich, wer die heute besitzt und wo sie sind?

Leider nein, irgendwann hat sich der Weg der Freundschaftsbänder verloren. Aber wir konnten damals ein klein wenig mit der Aktion helfen, das war mir wichtig.  

Sie haben schon früher kein Blatt vor den Mund genommen, auch wenn es um die negativen Seiten des Showgeschäfts geht. Überwiegen für Sie eher positive oder negative Gefühle, wenn Sie auf Ihre über drei Jahrzehnte währende Karriere im Rampenlicht zurückblicken?

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Die positiven Gefühle überwiegen ganz klar und ganz besonders die vielen tollen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen.

Ihr Sohn Achim ist ja sozusagen in Ihre Fußstapfen getreten und führt Ihr Erbe fort - mit eigenen Songs, die Sie zum Teil für ihn schreiben, aber auch mit Coverversionen Ihrer Hits. Haben Sie das von Anfang an für eine gute Idee gehalten?

Wir haben ja bis jetzt gemeinsam drei Alben mit Achim produziert und Achim und ich können super über Musik diskutieren. Auf der Bühne hat Achim meinen Part übernommen und ich finde es sehr gut, dass es jetzt einen jüngeren Petry gibt.

Wie blicken Sie heute auf die Karriere Ihres Sohnes?

Ich bin sehr stolz auf Achim. Achim ist wahnsinnig fleißig, ständig unterwegs und macht einen super Job auf den Bühnen.

Sie selbst haben inzwischen mit "Das ist Wahnsinn!" auch in einem Musical mit Ihren Songs indirekt Karriere gemacht. Es feierte Anfang dieses Jahres Premiere, wird aber auch 2019 in vielen Städten zu sehen sein. Haben Sie sich dafür, wie angekündigt, eine Dauerkarte gekauft?

Nein, ich habe zum Glück sehr gute Kontakte zum Veranstalter dieses Musicals und ich habe eine Dauerkarte geschenkt bekommen. So kann ich mit Rosie (Wolfgang Petrys Frau Rosemarie, Anm. d. Red.) immer mal wieder in eine der Shows gehen.

Heino hat soeben sein Abschiedsalbum veröffentlicht. Auch darauf sind Sie mit dem Duett "Ich atme" vertreten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

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Als ich den Titel "Ich atme" komponiert habe, hatte ich auf einmal Heino im Kopf und das Gefühl, der Titel könnte gut zu ihm passen. Parallel kam eine Anfrage von Heino, ob ich ein Duett mit ihm machen würde. Da habe ich sofort zugesagt und den richtigen Titel hatten wir dann auch.

Auch Heino hat einen nicht immer einfachen Weg im Showgeschäft hinter sich - mit vielen Anfeindungen, aber auch umstrittenen Punkten in seiner Biografie. Gab es für Sie keine Berührungsängste?

Nein, Heino ist ein toller Kollege. Wir sind uns in all den Jahren immer wieder begegnet und wir haben uns immer gut verstanden.

Die erste Single aus Ihrem Album "Genau jetzt!" ist "Wo sind denn all die Helden". Wer ist für Sie ein Held?

Es gibt unzählige Helden und Alltagshelden für mich. In jedem von uns steckt ein kleiner Held. Wenn wir nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und mal bei Kleinigkeiten helfen und unterstützen, finde ich das schon heldenhaft und menschlich.

Gibt es denn die Chance, dass der Bühnen-Held Wolfgang Petry irgendwann doch noch einmal zurückkehrt oder ist dieses Kapitel ein für alle Mal abgehakt?

Das ist zur Zeit kein Thema für mich. Ich bin mit so vielen Themen beschäftigt, dass ich mir darüber keine Gedanken mache.

Die Fragen an Wolfgang Petry stellte Volker Probst

Quelle: n-tv.de

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