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Kann man Halbtote ermorden? Der Stuttgarter "Tatort" im Schnellcheck

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Bootz (Felix Klare, l.) und Lannert (Richy Müller) werden zu einem unklaren Todesfall gerufen.

(Foto: SWR/Maor Waisburd)

Alte Menschen sterben irgendwann, das ist der Lauf der Dinge. Manchmal beschleunigen Menschen das Ableben anderer, das nennt man dann Mord. Aber was ist, wenn das Beschleunigen nur im Weglassen einer Pille besteht?

Das Szenario

Altenpflegerin Anne (Katharina Marie Schubert) hat ein Zeitproblem: Sie müsste eigentlich schon längst auf dem Weg zum nächsten Klienten sein, um ihrem schwer pubertären Sohn im Anschluss noch rechtzeitig das Abendessen kochen zu können. Stattdessen sitzt sie zwei Stuttgarter Kommissaren gegenüber, die in ebenso vielen Mordfällen ermitteln. Und die Mörderin soll Anne selbst sein.

Tatsächlich wissen alle Beteiligten bereits in den ersten Minuten, dass Anne für den Tod der beiden alten Männer zumindest mitverantwortlich war, und trotzdem schweben eine ganze Reihe von Fragezeichen in der Luft: Wann ist ein Mord ein Mord? Welches Motiv sollte Anne für die Tötungen haben? Und wie weist man jemandem einen Mord nach, wenn die Morde aus einem minimalen Schubs die Treppe hinunter und dem Weglassen einer Tablette bestehen?

Die eigentliche Botschaft

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Altenpflegerin auf Abwegen: Anne (Katharina Marie Schubert)

(Foto: SWR/Maor Waisburd)

Es gibt eine massive Unwucht bei der Wertschätzung von Arbeit. Leicht zugespitzt formuliert: Je wertvoller ein Job für die Gesellschaft ist, desto schlechter wird er bezahlt. Die Altenpflege gehört dabei zu den undankbarsten Jobs in Deutschland: Sie funktioniert nur durch die konsequente (Selbst-) Ausbeutung der Arbeitnehmer - und die Beschäftigten in der Branche stehen ständig mit einem Bein im Gefängnis.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Über die moralische Dimension dieses Falles: Wann ist ein Mord ein Mord?

Der Plausibilitätsfaktor

Hoch. 98 Prozent aller Todesscheine in Mecklenburg-Vorpommern (Zahlen für ganz Deutschland gibt es nicht) weisen Mängel auf: Gerade bei alten Menschen wird die Leichenschau selten so gründlich durchgeführt, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Eine hohe Dunkelziffer an unnatürlichen Todesfällen ist die Folge - wäre die junge Ärztin im "Tatort" nicht so aufmerksam gewesen, wären auch Annes Morde unentdeckt geblieben.

Die Bewertung

7,5 von 10 Punkten. Eine ehrliche Frau verzweifelt an einem kaputten System. Stark erzählt, allerdings gibt es für die teils arg gestelzten Dialoge leichte Abzüge in der B-Note.

Quelle: n-tv.de

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