TV

Kölner Mobbing-"Tatort" Nie wieder Schule!

1_Tatort_Kein_Mitleid_keine_Gnade.jpg

Ermitteln an einer Schule: Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Schenk (Dietmar Bär).

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Kaum zu glauben, dass Homophobie an Schulen im Jahr 2020 noch ein Thema ist, trotzdem beschäftigt sich "Kein Mitleid, keine Gnade" genau damit. Ob die Kölner Kommissare am Geist der Zeit vorbei ermitteln oder doch richtig liegen, lesen Sie hier.

Kommissar Schenk (Dietmar Bär) ist ein korrekter Typ. Manchmal kommt der Kölner Ermittler zwar etwas raubeinig daher, aber das Herz hat er am rechten Fleck - und seine Hände behält er ohnehin bei sich. Nach fast 80 gemeinsamen Fällen wissen das die Zuschauer genauso gut wie Kollege Ballauf (Klaus J. Behrendt), aber damit hat es sich dann auch schon: Der Rest von Köln glaubt lieber der Schülerin Nadine (Emma Drogunova), die Schenk vor laufender Handykamera vorwirft, sie bedrängt zu haben.

10_Tatort_Kein_Mitleid_keine_Gnade.jpg

Lennart (Moritz Jahn, l.), Nadine (Emma Drogunova) und Robin (Justus Johanssen) führen eine ziemlich ungesunde Dreiecksbeziehung.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Auf der einen Seite der knorrige Kommissar, auf der anderen das hübsche Mädchen mit den großen unschuldigen Augen: Schenk ist nicht nur in den Augen der Öffentlichkeit schuldig, auch die Kollegen, die gerade noch seine Überraschungsparty organisierten, wenden sich von dem Kommissar ab. So schnell kann das mit dem Rufmord heutzutage gehen - dabei wollten die Kölner "Tatort"-Kommissare eigentlich nur den brutalen Mord an einem schwulen Schüler aufklären.

Drei Kids aus der Hölle

"Kein Mitleid, keine Gnade" ist der so schnörkellose wie passende Titel dieses Krimis, der ziemlich eindrucksvoll zeigt, dass die Schulzeit bei Weitem nicht für jeden "die schönste Zeit des Lebens" ist, wie so oft behauptet wird. An dem Kölner Gymnasium, an dem Schenk und Ballauf ermitteln, herrschen jedenfalls ganz schön raue Sitten: Drei Kids aus der Hölle reichen aus, um das Leben von zwei schwulen Außenseitern zum Alptraum zu machen, während der Rest der Schülerschaft und die schweigende Lehrerschaft zu stillen Komplizen werden.

Das tut schon beim Zuschauen weh, vielleicht auch, weil wohl die Allermeisten schon mal in der einen oder anderen Art Erfahrung mit Mobbing gemacht haben. Die Jugendlichen, die in dieser Episode die eigentlichen Hauptdarsteller sind, machen ihren Job allerdings auch durch die Bank hervorragend: Da sind Nadine und ihr Freund Lennart (Moritz Jahn), die sich in eine ebenso spannende wie verkorkste Dreiecksbeziehung mit Robin (Justus Johanssen) stürzen. Vor allem aber Thomas Prenn, der der beste und einzige Freund des Verstorbenen war - und nach seinem "Tatort"-Debüt im Schwarzwald-Krimi "Damian" erneut einen jungen Mann spielt, der am gesellschaftlichen Druck zerbricht - mit den von Prenn so eindringlich gespielten Außenseitern muss man einfach mitfühlen.

Unterlegt wird das Ganze vom großartigen Soundtrack von Sven Rossenbach und Florian van Volxem, die zuletzt beim neuen Münchner "Polizeiruf" gezeigt haben, wie viel Einfluss Musik auf eine glaubhafte Charakterzeichnung haben kann. Alles in allem ist "Kein Mitleid, keine Gnade" ein starker und eindringlicher Psychokrimi, der aber auch Fans klassischer Ermittlungsarbeit überzeugen dürfte.

Quelle: ntv.de