TV

Es wird ernst beim ESC Sag bitte nicht Na Na Na

8d9d407f-820a-4a07-8a8e-7e0e661b5259.jpg

Und jetzt alle: Na Na Na.

(Foto: Thomas Hanses / Eurovision.tv)

Es ist angerichtet. Die 26 Finalteilnehmer stehen fest, Bar Refaeli hält ihren Steuerbescheid in den Händen und Madonna hat sich ausgekäst. Mit anderen Worten: Let the Eurovision Song Contest 2019 begin!

Kein rundes Jubiläum, keine Schnapszahl. Und doch ist der 64. Eurovision Song Contest (ESC), der heute Abend im Convention Center von Tel Aviv über die Bühne gehen wird, etwas Besonderes. Nicht nur, weil Madonna nach langem Hin und Her die Show tatsächlich beehren wird. Nicht nur, weil Supermodel Bar Refali als eine von vier Moderatoren die Sendung aufhübschen und sich nach ihrer Millionen-Steuernachzahlung wieder ein paar Schekel dazu verdienen wird. Und nicht nur, weil über der Veranstaltung die Sonne lacht, wie schon lange nicht mehr.

Die 64. Ausgabe des Show-Dinosauriers, der sich selbst als größte Musikveranstaltung der Welt feiert, ist auch deshalb speziell, weil viele sie im Vorfeld mit Argusaugen beobachtet hatten. Es gab Boykottaufrufe gegen den Contest in Israel. Die aufkeimende Gewalt zwischen dem Gastgeberland und den Palästinensern schürte die Sicherheitsbedenken beim mittlerweile dritten ESC im Heiligen Land. Und die im Vergleich zu vorherigen Contests anscheinend ausgedünnte Journalistenschar im Pressezentrum der Veranstaltungshalle legt die Vermutung nahe, dass ein paar Berichterstatter auch tatsächlich den Weg nach Tel Aviv gescheut haben.

Musikalische Mittelmäßigkeit

Nichts wirklich Besonderes ist der diesjährige ESC dagegen in musikalischer Hinsicht. Da ist er, verglichen etwa mit den Wettbewerben in Kiew und Lissabon 2017 und 2018, eher schwach auf der Brust. Die Mittelmäßigkeit vieler Beiträge ließ sich bereits in den beiden Halbfinals erleben. Und auch im Finale scheint sich die Zahl der Favoriten und möglichen Gewinner auf einen überschaubaren Kreis zuzuspitzen.

Klar, der Beyoncé-mäßige Porno-Pop aus Zypern, Frankreichs Conchita-Wurst-Neuinterpretation oder die Power-Ballade made in Nordmazedonien mögen noch Außenseiterchancen haben. Malta indes hat mit "Chameleon" zwar einen zeitgemäßen Song im Rennen, mit Michela Pace aber eine Sängerin, die ihn live nicht transportieren kann. Die erste Geige spielen in diesem Jahr andere.

Geht es für Down Under hoch hinaus?

Die Niederlande zum Beispiel. Duncan Laurence wird mit "Arcade" der Favoritenrolle, die ihm von Anfang an angedichtet wurde, voll und ganz gerecht. Auch der Italiener Mahmood dürfte mit "Soldi" wenigstens sicher in der vorderen Tabellenhälfte landen. Und wenn Luca Hännis "She Got Me" nicht irgendwie beim ESC-Publikum verfängt, fressen wir den Besen, mit dem nach dem Ende des ESC die Halle ausgekehrt wird.

Der Song, den Kate Miller-Heidke mit "Zero Gravity" zum Besten gibt, macht einen wirklich nicht gerade schwerelos. Trotzdem könnte sich die spektakuläre Bühnenpräsentation der Australierin, die zudem strategisch günstig als 25. an den Start geht, ins kollektive Abstimmungsgedächtnis brennen. So könnte es für Down Under, nicht nur was die Performance angeht, am Ende hoch hinausgehen.

Siegeswille und Provokation

Oder bringt sein eiserner Siegeswille Sergej Lasarew, der 2016 schon einmal nur knapp beim ESC scheiterte, auf den Musikanten-Thron? Der Russe zeigt bei seiner Ballade "Scream" zu keiner Sekunde Schwäche. Abgerundet wird der Beitrag durch Videoelemente und Bühnenbild, in dem Lasarew auf mehreren Spiegelbildern zu sehen ist. Die Russen überlassen nichts dem Zufall.

Eine klare Mission haben auch die ganz und gar nicht braven Rammsteins von Hatari aus Island. Sie wollen beim Song "Hatrid Mun Sigra" (Der Hass wird siegen) mit Provokation überzeugen. "Wir glauben, dass wir den Sieg erringen können, und wir machen das, damit der Kapitalismus fallen wird", so Falsett-Sänger Klemens Hannigan im schwedischen Fernsehen SVT. Als unübersehbarer Farbtupfer beim diesjährigen Contest ist Island zumindest ein Kandidat für die Top Ten.

Die Weather Girls lassen grüßen

Und dann wären da noch die Schweden. Ja, mit ihnen muss man immer rechnen, haben sie doch auch den schwierigsten Vorentscheid zum ESC, der gleich über mehrere Runden geht. Auch der Pop-Gospel-Song "Too Late For Love" des ehemaligen Sprinters John Lundvik mit vier Chordamen, die irgendwie an die Weather Girls ("It’s Raining Man") erinnern, ist erneut gelungen. Kehrt der ESC also womöglich schon wieder ins Heimatland von ABBA zurück?

Eines jedenfalls dürfte sicher sein: Im Zwergstaat San Marino findet der Contest im kommenden Jahr nicht statt. Und das nicht nur aus logistischen Gründen. Wie es der singende Zahnarzt und Möchtegern-Adriano-Celentano Serhat mit schiefem Gesang, Einbauschrank-Charme und dem Song "Say Na Na Na" ins Finale geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Und auch wenn Deutschlands S!sters wohl nicht um den ESC-Sieg mitsingen werden, Letzter hinter San Marino können sie eigentlich nicht werden. Liebe ESC-Fans: Sagt gerne alles, aber bitte nicht Na Na Na.

*Datenschutz
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema