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Lehren aus dem Kalten Krieg Keine Waffen für Kiew

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Donezk, 11. Februar 2015.

(Foto: dpa)

Die Regierung in Kiew fordert Waffen, um die Kosten, die der Krieg im Osten der Ukraine für Russland verursacht, in die Höhe zu treiben. Das wäre die afghanische Lösung: eine Katastrophe.

Wenn die Verhandlungen in Minsk scheitern sollten, wird US-Präsident Barack Obama sich entscheiden müssen: Liefert er Waffen an die ukrainische Armee? Einige US-Senatoren fordern dies bereits. Auch deutsche Politiker diskutieren, ob man den Ukrainern nicht Waffen liefern sollte - wobei mit "man" natürlich die USA gemeint sind.

Doch mehr Waffen werden diesen Krieg nicht beenden. Die Analyse von Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft zu: Eine verbesserte Ausrüstung der ukrainischen Armee wird nicht dazu führen, dass Wladimir Putin befürchtet, militärisch zu verlieren. Richtig, entgegnen dann die Befürworter von Waffenlieferungen, aber man müsse den Krieg in der Ukraine für Russland immer teurer machen. So habe der Westen schließlich auch den Kalten Krieg gewonnen: indem er die Sowjetunion dazu gezwungen habe, sich zu Tode zu rüsten.

Merkel hat die bessere historische Parallele gezogen: Sowohl bei der Sicherheitskonferenz in München als auch im Weißen Haus erinnerte sie an den Mauerbau von 1961. Niemand habe damals geglaubt, dass man den DDR-Bürgern mit Waffengewalt zu einem Leben in Freiheit verhelfen könne, argumentierte sie. Dennoch passierte knapp 30 Jahre später genau das. Merkels Botschaft: Es ist besser, Geduld zu haben, als ein Land in Schutt und Asche zu bomben.

Der ukrainischen Regierung schwebt offenbar eine "afghanische Lösung" vor. Mit finanzieller Unterstützung der USA schafften es die Mudschaheddin in den 1980er Jahren, die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben. Doch auch dieses historische Vorbild ist zumindest gewagt: Am Ende lag Afghanistan in Trümmern.

Auch Merkel will "die Kosten" für Russland erhöhen - allerdings nicht, indem sie das Gemetzel in der Ukraine befördert, dem bislang möglicherweise schon 50.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Sondern durch Sanktionen. Das ist nicht so spektakulär wie Waffen für Kiew. Aber es ist klüger.

Doch, wenden manche ein, wer Waffenlieferungen ausschließt, verringert den Druck auf Putin. Mag sein. Wer Waffenlieferungen ausschließt, erhöht allerdings auch den Druck auf den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Putin hat den Bezug zur Realität verloren, das hat er häufig genug bewiesen. Aber auch die ukrainische Regierung scheint zunehmend in ihrer eigenen Welt zu leben. Es stimmt: Die Ukraine hat ein Recht darauf, Separatisten und russische Soldaten auf ihrem Territorium zu bekämpfen. Eine andere Frage ist, ob dies sinnvoll ist. Das ist es nicht. Diesen sinnlosen Kampf sollte der Westen nicht noch mit Waffen befeuern.

Quelle: ntv.de