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Erholung und Arbeit am Wochenende schließen sich keinesfalls aus und können mit einer gelungenen Work-Life-Balance vereinbar sein.
Erholung und Arbeit am Wochenende schließen sich keinesfalls aus und können mit einer gelungenen Work-Life-Balance vereinbar sein.(Foto: imago/Westend61)
Sonntag, 04. März 2018

Work-Life-Balance?: Arbeiten in der Freizeit kann entspannen

Die Aktentasche fliegt in die Ecke, der Schlips landet im Schrank - hurra, das Wochenende ist da. Wenn da nur nicht das ungute Gefühl wäre, dass bei der Arbeit einiges unerledigt geblieben ist. Einfach ignorieren oder ran an den Rechner?

Die Sehnsucht nach dem Wochenende beginnt für viele Arbeitnehmer bereits am Montagmorgen, wenn der Wecker klingelt. Dann gilt es zwar im Berufsalltag einen guten Job zu machen, aber eben auch darum, auf eine paar freie Tage hinzuarbeiten. Was auch in schöner Regelmäßigkeit gelingt. Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Doch manchmal beschleicht den einen oder anderen Beschäftigten auch in der Freizeit das Gefühl, irgendwie nicht alle Aufgaben im Job erledigt zu haben. Das wirkt sich gemeinerweise nachhaltig auf die Fähigkeit, am Wochenende entspannen zu können, aus.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, mit dem Dilemma umzugehen: entweder es ignorieren, sich weiter im Stillen grämen und eben die freie Zeit nicht wirklich genießen können oder aber den Rechner anwerfen und die Versäumnisse der Arbeitswoche nachholen. Um dann mit guten Gewissen abzuschalten.

Bitte abschalten!

Wer bei letzterer Möglichkeit warnend auf die Work-Life-Balance verweist, kennt das Ergebnis einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGP) nicht. Hier ließ ein Psychologenteam 83 Berufstätige aus unterschiedlichen Branchen, die nebenbei Psychologie studierten, über drei Monate hinweg jeden Freitag und Montag Tagebuch führen. Die Befragten notierten jeden Freitag ihre unerledigten Aufgaben am Ende der Arbeitswoche. Montags sollten sie angeben, ob sie im Verlauf des Wochenendes in ihrer Freizeit gearbeitet haben und wie sie sich erholen konnten. Diejenigen, die gearbeitet hatten, nannten außerdem ihre Gründe für die Arbeit und inwieweit sie mit dieser in der Freizeit vorangekommen sind, also zum Beispiel unerledigte Aufgaben abschließen konnten.

Das Ergebnis: "Erholung und Arbeit am Wochenende schließen sich keinesfalls aus und können mit einer gelungenen Work-Life-Balance vereinbar sein", wie Oliver Weigelt, Organisations- und Personalpsychologe von der Universität Rostock und Hauptautor der Studie erklärt.

Demnach sei aus der psychologischen Forschung bekannt, dass Menschen einmal begonnene Arbeitsaufgaben nur ungern unerledigt lassen und sogar persönliche Nachteile in Kauf nehmen, um die Aufgaben abschließen zu können. Tatsächlich zeigte sich auch in dieser Studie, dass ein Teil der Berufstätigen am Wochenende arbeitete, um Arbeitsaufgaben abzuschließen oder sich auf die kommende Arbeitswoche vorzubereiten. Und diese konnten sich scheinbar auch schlechter erholen. Weigelt gibt jedoch zu bedenken: "Auf den ersten Blick ist Arbeit in der Freizeit damit eigentlich nicht zu empfehlen. Wenn man aber berücksichtigt, dass Freizeitarbeit auch Chancen bietet, Unerledigtes abzuschließen und dadurch die innere Ruhe am Wochenende wiederzugewinnen, dann ergibt sich ein weit positiveres Bild."

Denn waren im Rahmen der Untersuchung zu Beginn des Wochenendes besonders viele Aufgaben unerledigt, konnten sich auch diese Berufstätigen schlechter erholen. Wurden aber über die freien Tage einige oder sogar alle Aufgaben erledigt, gelangen auch die Erholung und besonders das Abschalten von der Arbeit insgesamt besser. Die verbleibende Freizeit konnte dann umso mehr genossen werden.

Fazit: Arbeitnehmer, die am Wochenende unter quälenden Gedanken an Unerledigtem leiden, tun sich trotz vorübergehend ruinierter Work-Life-Balance einen Gefallen, Belastendes während ihrer freien Tage abzuarbeiten. Auch ohne finanziellen Ausgleich. Was nur auf den ersten Blick ein schlechtes Geschäft ist. Denn das Seelenheil ist bekanntlich unbezahlbar.     

Quelle: n-tv.de