Ratgeber

Abschließen und anschließen Fahrräder richtig vor Dieben schützen

Ob mit Bolzenschneider, kleinem Zylinderschloss-Werkzeug oder sogar Wagenhebern: Fahrraddiebe arbeiten mit unterschiedlichsten Methoden. Hundertprozentig sicher können Radler vor ihnen nie sein. Doch richtig gewappnet senken sie ihr Verlustrisiko enorm.

imago59232518h.jpg

Das Schloss den Bruchversuchen möglichst lange widerstehen

(Foto: imago stock&people)

Am Morgen hat der Radfahrer sein Velo am Fahrradständer abgeschlossen. Dann der Schock am Nachmittag: Das Schloss liegt aufgebrochen am Boden, und das Rad ist weg. Das passiert oft in Deutschland: Gut 900 Fahrräder werden jeden Tag geklaut - rund 335.000 waren es 2015 insgesamt. Nur etwa jeder zehnte Diebstahl wird aufgeklärt, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt.

Die meisten Diebe greifen eher zu brutalen Methoden, sagt Torsten Mendel vom Fahrradschloss-Hersteller Abus. Sie gehen mit Säge, Bolzenschneider oder sogar Wagenhebern auf Diebeszug. Wagenheber? Diese werden an Bügelschlössern ausprobiert. "Die Diebe klemmen den Heber zwischen die Bügel und kurbeln - in der Hoffnung, dass die Bügel aufreißen", sagt Mendel. Manche Diebe verzichten hingegen ganz auf schwere Werkzeuge. Sie versuchen direkt die Schließzylinder zu überwinden. Experten nennen dieses Vorgehen Picking.

Hundertprozentige Sicherheit bietet kein Schloss. Doch man kann es den Langfingern sehr schwer machen. Eine Grundregel: Schnell zu knackende Schlösser ziehen sie eher an. "Viele sind Gelegenheitstäter", sagt Oliver Wiesmann vom Hersteller Trelock. Ein günstiges Spiralkabelschloss zum Beispiel leistet Dieben nur wenig Widerstand und ist schnell durchgetrennt. "Je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug." Diese dünnen Schlösser, die meist nur wenige Euro kosten, sind eigentlich nur dazu da, um das Fahrrad anzuschließen, um etwa kurz zum Bäcker zu gehen. So kann sich niemand einfach auf den Sattel setzen und mit dem Velo wegfahren. Rahmenschlösser am Fahrrad erfüllen denselben Zweck. Beide sind als alleiniges Schloss unsicher.

"Ein gutes Schloss wiegt viel und kostet auch einiges"

Abschreckung ist ein wichtiger Faktor beim Fahrradschloss. Denn Diebe wollen schnell sein. Schon allein der Anblick von schweren, massiv wirkenden Schlössern lässt sie unter Umständen einen Bogen um ein Fahrrad machen. Wenn sie das Aussehen nicht schreckt, sollte das Schloss den Bruchversuchen möglichst lange widerstehen. "Ein gutes Schloss wiegt viel und kostet auch einiges", sagt Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Die Faustregel lautet: Rund zehn Prozent des Radpreises sollten für das Schloss investiert werden. "Wobei das nur Pi mal Daumen ist", schränkt Torsten Mendel ein. Denn in manchen Städten, wo besonders viel geklaut wird, kann es schon sinnvoll sein, günstige Räder mit vergleichsweise teuren Schlössern zu sichern.

Der Preis ist aber nicht das alleinige Kriterium. Die Fragen sollten auch sein: Wo steht das Fahrrad und wie lange steht es dort? Je nach Einsatzbereich geben Schloss-Hersteller für ihre Produkte Sicherheitsklassen an, die eine Einschätzung erlauben sollen. Käufer sollten aber wissen: Die Skalen sind nicht genormt und von Hersteller zu Hersteller verschieden. Jedoch, sagt Behrendt, bei den namhaften Firmen geben sie eine Orientierung.

Einfach weggetragen?

Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser können sehr robust sein. Ihr Vorteil: Sie sind gleichzeitig recht flexibel. Beim Anschließen des Velos lassen sie sich auch um voluminöse Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Die U-förmigen, starren Schlösser gelten dafür als relativ sicher. Beim Schlosskauf gilt es aber auch, praktische Gesichtspunkte zu bedenken. "Ein Schloss ist nur brauchbar, wenn es vernünftig am Fahrrad angebracht werden kann", sagt Behrendt. Bei Bügelschlössern etwa rät er, das Rad zum Kauf mitzunehmen. Dann wird geschaut, welche Schlosshalterung ans Fahrrad passt. Denn kiloschwere Schlösser immerzu im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.

Kein Schloss der Welt hilft, wenn das Rad einfach weggetragen werden kann. Denn an einem sicheren Ort haben die Diebe dann alle Zeit, um auch extrem robuste Schlösser zu knacken. Deshalb sollte es immer angeschlossen werden. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und danach um einen verankerten Gegenstand gewickelt, sagt Torsten Mendel. Liegt das Schloss auf dem Boden, bietet das den Dieben manchmal einen besseren Hebel, erläutert er. Sie können zum Beispiel den Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. Dann wirkt mehr Kraft auf das Schloss, wenn sie zudrücken. Natürlich stehen Fahrräder in umschlossenen Räumen wie Kellern oder Garagen besonders sicher. Auch da schließt man sie aber lieber noch zusätzlich irgendwo an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen.

Haben alle Vorkehrungen nichts gebracht, sollen kleine, versteckt eingebaute GPS-Tracker helfen, das gestohlene Fahrrad wieder aufzufinden. Bei ganz teuren Bikes mag dies sinnvoll erscheinen, weil die Tracker möglicherweise zur Aufklärung des Diebstahls beitragen, sagt Oliver Wiesmann. "Es gab schon Fälle, wo das Fahrrad aufgefunden werden konnte", berichtet Stephan Behrendt. Er schränkt aber ein: Es sei auch viel Glück dabei. "In einem großen Wohnblock mit sehr vielen Parteien wird man das Fahrrad kaum finden." Die Tracker benötigen eine SIM-Karte mit Mobilfunkvertrag zum Senden und Empfangen von Daten. Diese sorgt zusätzlich für laufende Kosten, die man bei der Ausrüstung des Velos mit so einer Technik bedenken sollte.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

Mehr zum Thema