Ratgeber

Abgeltungsteuer soll weg Höhere Steuern für Sparer?

Zinsen, Dividenden und Kursgewinne sollen demnach steuerlich wie Einnahmen aus Lohn und Gehalt behandelt werden. Meint SPD-Chef Gabriel. Also mit Abzügen von bis zu 45 Prozent.

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Der Sparerfreibetrag soll wohl erhalten bleiben.

(Foto: imago/McPHOTO)

Seit 2009 führen Banken automatisch 25 Prozent von erzielten Kapitalerträgen in Form der Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Es sei denn, der Sparer hat einen Freistellungsauftrag gestellt. Dann sind 801 Euro pro Person der erzielten Kapitaleinnahmen (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) steuerfrei.

Seit ihrer Einführung sorgt die Abgeltungssteuer für Streit. Vor allem Grüne, SPD und Linke halten die ungleiche Behandlung von Kapital und Einkommen für verfassungswidrig und ungerecht. Denn die Reichen würden dadurch begünstigt, so der Vorwurf. Und tatsächlich verhält es sich bis dato so, dass selbst bei Kapitalerträgen in Millionenhöhe diese nur mit 25 Prozent besteuert werden. Hinzu kommen noch geringfügige Abgaben in Form des Solidaritätszuschlags und gegebenenfalls die Kirchensteuer.

SPD-Chef Gabriel gab nun bekannt, die Abgeltungssteuer im Fall einer künftigen Regierungsbeteiligung seiner Partei abschaffen zu wollen. Stattdessen sollen Kapitalerträge wie alle anderen Einnahmen versteuert werden - abhängig vom Gesamteinkommen mit bis zu 45 Prozent.

Allerdings ist der Gedanke weder neu noch per se sozialdemokratisch. Denn auch Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) hat bereits über einen Wegfall der umstrittenen Steuer nachgedacht. Wenn auch aus anderen Motiven. War die Einführung der Abgeltungssteuer doch vor allem dadurch begründet, dass Kapitalerträge, die Steuersünder bis 2009 verheimlichen konnten, so zumindest pauschal besteuert werden konnten. Frei nach dem Motto: 25 Prozent von x ist mehr als 45 von nix. Durch eine engmaschigere Steuerfahndung entfällt nun nach Meinung Schäubles dieser Grund und höhere Einnahmen locken.

So oder so - ob eine Abschaffung der Abgeltungssteuer tatsächlich für mehr Steuergerechtigkeit sorgen würde, ist nicht klar. Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ergeben ein uneinheitliches Bild.

Demnach würden nicht nur Reiche mit hohen Kapitalerträgen stärker besteuert, sondern vor allem ledige Gutverdiener, deren Einkommen zu einem Großteil aus Kapitaleinkünften stammt. Allerdings nur, wenn es sich dabei um Zinseinnahmen handelt. Handelt es sich hingegen um Kursgewinne und Dividenden und würden diese wie bereits Dividenden vor 2009 dem Teileinkünfteverfahren unterworfen (nur etwa 60 Prozent wären steuerpflichtig), würde der gutverdienende Aktienbesitzer laut den Berechnungen sogar von einer Neuregelung profitieren. 

Für Geringverdiener würde sich hingegen nichts ändern. Diese werden schon heute nach dem persönlichen Steuersatz besteuert. Denn liegt dieser unter 25 Prozent, wird auch nur der entsprechende Steuersatz für Kapitalerträge fällig.

Unabhängig davon, ob die Abgeltungssteuer abgeschafft wird oder nicht, der Sparerfreibetrag (derzeit 801 Euro pro Kopf) steht nicht in der politischen Diskussion und soll wohl erhalten bleiben.  

Quelle: ntv.de