Ratgeber
Deutschland zeigt sich bei Ausbruchsversuchen human.
Deutschland zeigt sich bei Ausbruchsversuchen human.(Foto: imago/Ikon Images)
Mittwoch, 03. Januar 2018

Raus aus dem Knast: Ist ein Gefängnisausbruch strafbar?

Von Axel Witte

Neun Männer türmen aus der Berliner JVA Plötzensee. Was kein gutes Licht auf die Haftanstalt wirft. Oder auch den Freiheitsdrang der Delinquenten unter Beweis stellt. Doch abgesehen davon, müssen die Ausbrecher nun mit noch mehr Strafe rechnen?

Je nach Schwere des Vergehens wird grundsätzlich zwischen dem Höchstmaß lebenslänglich und einer zeitlich begrenzten Haftstrafe unterschieden. Letztere darf höchstens 15 Jahre betragen. Und ein Wegsperren für weniger als 6 Monate ist nur in Ausnahmefällen möglich. Benimmt sich der Delinquent anständig, kann dies auch mit Freigang belohnt werden. Zudem besteht unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit, die Möglichkeit, nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe den Rest zur Bewährung auszusetzen.

Doch egal wie das Strafmaß lautet, das oberste Ziel ist die Resozialisierung des Inhaftierten. Was nichts daran ändern dürfte, dass die meisten Insassen eines Gefängnisses nur eines anstreben: die Freiheit. Was den einen oder anderen Gefangenen auch dazu verleitet, die erstbeste Möglichkeit zur Flucht zu nutzen. Dabei ist die Zahl derer, denen der Ausbruch tatsächlich gelingt, übersichtlich. Die Zahlen liegen pro Jahr für Gesamtdeutschland meist im einstelligen Bereich. Die neusten Vorfälle in der Berliner JVA Plötzensee werden die Statistik für das abgelaufene Jahr nun mutmaßlich etwas erhöhen. 

Doch abgesehen davon, stellt sich die Frage, ob so ein Gefängnisausbruch eigentlich strafbar ist, die Ausbrecher  - wenn sie denn gefasst werden - also mit einer zusätzlichen Strafe rechnen müssen?

Begleittaten sind meist Straftaten

Die Antwort lautet nein. Zumindest in Deutschland nicht. Denn der Gesetzgeber hat bei dieser Entscheidung den natürlichen Freiheitsdrang des Menschen berücksichtigt und eben auch respektiert. Und dies bereits schon seit den 1880er Jahren. Ähnlich human sehen dies weltweit nur Belgien, Mexiko und Österreich.

Doch meist gelingt die Flucht aus dem Knast nicht ohne Widerstände, seien diese materieller- oder menschlicher Natur. Kommt es bei dem Weg in die unerlaubte Freiheit zu Sachbeschädigungen und/oder Körperverletzungen, werden diese Vorfälle als sogenannte Begleittaten gewertet und stehen somit ganz normal unter Strafe.

Darüber hinaus kann eine Flucht auch Auswirkungen auf die weitere Haftzeit haben, indem Disziplinarmaßnahmen verhängt werden. Schließlich stellt ein Ausbruch einen Verstoß gegen die Anstaltsordnung dar. So können etwa die Haftbedingungen verschärft oder aber eine vorzeitige Haftentlassung erschwert werden.     

Sträflinge sind wegen dieser Möglichkeiten der Staatsmacht also gut beraten, noch einmal darüber nachzudenken, ob sie nicht doch besser ihre Haftstrafe ohne Fluchtversuch absitzen. Und auch etwaige Helfer, also Personen die bei einer Gefängnisflucht behilflich sind, sollten sich die Sache noch einmal überlegen. Denn für Ausbruchshelfer findet das Strafgesetzbuch Anwendung. 

Quelle: n-tv.de