Ratgeber

Portal ist nicht neutral Jameda muss Ärztin-Bewertung löschen

Nicht alle Bewertungen fallen so positiv auf und manchem gefällt das eben nicht. Foto: Andrea Warnecke

Ein Bewertungsportal muss Werbung und Inhalt trennen.

(Foto: dpa)

Eine Medizinerin zieht wegen schlechter Bewertungen auf einem Ärztebewertungsportal vor den BGH. Sie verlangt, dass ihre Daten gelöscht werden, da sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sieht und sich durch Werbung benachteiligt fühlt. Die Klage hat Erfolg.

Das Ärztebewertungsportal Jameda muss eine Dermatologin auf deren Wunsch as seiner Datenbank löschen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az.: VI ZR 30/17). Demnach ist das Portal kein "neutraler Informationsmittler", da zahlende Ärzte in einem "Premium-Paket" auf der Seite ohne Konkurrenz in der Umgebung der Bewertung der Klägerin angezeigt werden.

In dem verhandelten Fall war eine Hautärztin gegen ihren Willen bei Jameda gelistet und wollte daraus gelöscht werden. Hier sind Mediziner verzeichnet, Patienten können sie bewerten. Die Frau sah ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, unter anderem wegen schlechter Bewertungen. Insbesondere aber vor dem Hintergrund, dass das Portal auch als Plattform für Ärzte dient, die dort kostenpflichtig für sich werben können. Die entsprechenden Werbeeinblendungen bieten aber keinen echten Nutzen für die Patienten. Je nach Beitrag können die werbenden Mediziner ein eigenes Foto nebst Text mit ausführlicher Eigenwerbung in ihr Profil einstellen. Das ist nicht zahlenden Ärzten nicht möglich und führe zu Intransparenz und Ungleichbehandlung.

Eine Einschätzung, welcher der BGH mit seinem Urteil folgte. Denn dadurch, dass das Ärztebewertungsportal bei zahlenden "Premium"-Kunden keine konkurrierenden Ärzte anzeigt, komme es nicht mehr seiner Rolle als neutraler Informationsmittler nach. Deshalb überwiege hier das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Klägerin und ihrem "schutzwürdigen Interesse", auf dem Bewertungsportal nicht gespeichert und angezeigt zu werden.

Bei neutraler Darstellung der Mediziner ist aber weiterhin erlaubt, Ärzte durch Patienten bewerten zu lassen, entschied das Gericht. Denn im Sinne der freien Arztwahl müssten es Mediziner hinnehmen, dass sie in solchen Portalen auftauchen und dort auch bewertet werden. Das öffentliche Interesse sei bei Einhaltung entsprechender Standards höher zu bewerten als das Recht des Arztes auf informationelle Selbstbestimmung.

Nach Angaben einer Jameda-Sprecherin wurden die vom Bundesgerichtshof beanstandeten Anzeigen mittlerweile entfernt.

Quelle: ntv.de, awi

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.