Ratgeber

Die Hölle für Online-Junkies Smartphone auf der Kreuzfahrt wird teuer

imago55902096h.jpg

Wenn Land in Sicht ist, kann man meist schon das nationale Mobilfunknetz nutzen.

(Foto: imago stock&people)

Kreuzfahrten sind per so schon kein billiges Vergnügen. Noch deutlich teurer wird der Urlaub aber, wenn man an Bord nicht vom Handy lassen kann. Gesprächspreise von über 5 Euro pro Minute sind keine Seltenheit und das Surfen sollte man besser auf das Nötigste reduzieren.

Facebookpostings vom Strand oder Telefonate mit den Daheimgebliebenen sind kein Armutsrisiko mehr, nachdem die Roamingkosten in den letzten Jahren auf Druck der EU deutlich gesunken sind. Doch nicht überall profitieren Urlauber von diesen Errungenschaften. Wer mit einem Kreuzfahrtschiff über die Ozeane gleitet, lässt sein Telefon an Bord am besten aus. Sonst könnte einem die Reise bei der nächsten Handyrechnung nochmal deutlich teurer werden.

Das Problem: "Auf den Meeresgewässern wie Ostsee, Nordsee oder etwa der Atlantikküste gelten die EU-Roamingtarife nicht", erklärt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Roaming betrifft nur terrestrische Verbindungen, also solche über Mobilfunkantennen". In Küstennähe sind deren Signale noch zu empfangen, auf dem offenen Meer aber nicht mehr. Stattdessen wird die Mobilfunkverbindung hier über Satellit aufgebaut. Die Kreuzfahrt-Reedereien arbeiten dafür mit Anbietern zusammen, die spezielle Schiffsnetze unterhalten, über die beispielsweise auch Marine-U-Boote kommunizieren.

Drei Minuten sprechen für 18 Euro

 Diese Infrastruktur ist natürlich teuer und das macht sich auch bei den Mobilfunkpreisen bemerkbar. Abgerechnet wird ganz normal über die Handyrechnung, wie viel die Kunden bezahlen hängt zum einen vom Provider und zum anderen vom jeweiligen Netzanbieter ab. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, sich vorher schlau zu machen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Abgehende Gespräche kosten, je nach Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter, zwischen etwas unter 3 und weit über 6 Euro pro Minute. Für ein Telefonat von drei Minuten könnte man also 18 Euro oder mehr bezahlen. Ähnlich teuer kann es werden, wenn man sich anrufen lässt. Und wer sich per SMS von Bord meldet, muss mit Preisen zwischen 50 Cent und einem Euro rechnen.

 Richtig happig wird es, wenn man die bordeigene GSM-Verbindung für mobile Datenübertragung nutzt. 50 Kilobyte schlagen mit einem Euro zu Buche, bei O2 wird in 100 Kilobyte-Paketen zu 2,50 Euro abgerechnet. Wenn man bedenkt, dass allein eine Whatsapp-Nachricht schon 10 Kilobyte groß ost, kann man ahnen, was da zusammenkommen kann.

Wlan kann arm machen

imago50746760h.jpg

Einfach mal das Handy aus lassen kann auch ganz schön sein.

Wer im Urlaub nicht ohne Internet auskommt, findet an Bord meistens Internetcafés oder kann das schiffseigene Wlan nutzen. Nur ist das nur selten umsonst oder im Buchungspreis inbegriffen. Und von Flatrate-Preisen, wie man sie von Hotels gewohnt ist, sind die Kreuzfahrtschiffe weit entfernt. Die meisten Anbieter rechnen nach Zeit ab, manche auch nach Datenvolumen. Auf die Minute heruntergerechnet ergeben sich Preise zwischen 5 und mehr als 80 Cent:

 - Aida rechnet seit kurzem nicht mehr nach Zeit, sondern als Datenvolumen ab. 250 Megabyte kosten 25 Euro, 500 Megabyte 39 Euro und Vielsurfer wählen am besten das XL-Paket mit 3 Gigabyte für 99 Euro.

 - Bei Carnival Cruise Lines kann man für 5 Dollar (4,60 Euro) pro Tag durch die sozialen Netzwerke surfen, Knapp 15 Dollar kostet der normale Internetzugang. Wer die volle Bandbreite für Streaming oder Skype braucht, zahlt 25 Dollar, also rund 23 Euro.

 - Norwegian Cruise Lines bietet eine minutengenaue Abrechnung für umgerechnet rund 87 Cent an. Die Paketpreise variieren je nach Dauer der Kreuzfahrt. Für 30 Minuten zahlt man stolze 22 Euro, für 250 Minuten 115 Euro.

 - Auch Princess Cruises ist nicht gerade günstig. Umgerechnet 67 Euro kostet das 120 Minuten-Paket, 240 Minuten sind für 91 Euro und 680 Minuten für 187 Euro zu haben.

 - Cunard schickt unter anderem die Queen Mary 2 in die Karibik. Wer an Bord ins Netz will, zahlt 0,75 Dollar pro Minute, also 69 Cent. Für das 120 Minuten-Paket werden umgerechnet 44 Euro berechnet, 480 Minuten kosten 154 Dollar.

 - Tui Cruises berechnet für eine Online-Minute 49 Cent. Eine Stunde kostet 20 Euro, wer drei Stunden surfen will, zahlt 50 Euro.

 - Vergleichsweise preiswert ist der Wlan-Zugang bei MSC. 3,50 Euro kosten die ersten zehn Minuten im bordeigenen Internet-Café, fürs E-Mail-Checken dürfte das reichen. Wer länger braucht, zahlt 45 Cent für jede weitere Minute. Wer mit dem eigenen Gerät ins Netz will, kann sich für 17 Euro ein Stunden-Paket kaufen, fünf Stunden gibt es für 55 Euro, 24 Stunden für 170 Euro. 

- Noch günstiger kommt man bei Star Clippers ins Netz. Für eine Stunde werden 6 Euro berechnet, für vier Stunden 18 Euro.

 - Hapag Lloyd hat keine Flatrate-Pakete, mit 19 Cent pro Minute ist das Surfen aber auch hier noch vergleichsweise preiswert.

- Wer mit der Flotte von Hansa Touristik in See sticht, zahlt nur fünf Cent pro Minute.

 - Lediglich ein Anbieter kann das unterbieten: Hurtigruten stellt Gästen mit eigenem Gerät kostenloses Wlan zur Verfügung. Wer sich im Internet-Café niederlässt, zahlt rund 8 Euro für 60 Minuten.

Das Wlan ist zwar in aller Regel teurer als an Land, aber längst nicht so stabil. Die Verbindung wird stark durch die Wetterlage und die Position des Schiffs beeinträchtigt. Wer nicht dringend aufs Internet angewiesen ist, wartet besser, bis das Schiff wieder in Küstennähe ist. Sobald man in Reichweite der nationalen Funknetze ist, kommt man mit einem entsprechenden Auslandstarif besser und günstiger voran. Und für manch einen dürfte die Vorstellung, einmal unerreichbar zu sein und nicht ins Netz zu können, ja auch ganz attraktiv sein.

Quelle: ntv.de