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Auch beim Bowling kann der betriebliche Zweck im Vordergrund stehen.
Auch beim Bowling kann der betriebliche Zweck im Vordergrund stehen.(Foto: imago/foto2press)
Donnerstag, 07. Dezember 2017

Turnier mit Folgen : Sturz beim Kollegen-Bowling - Arbeitsunfall?

Betriebliche Veranstaltungen werden oft mit Freizeitaktivitäten aufgelockert. Wenig vergnüglich wird es aber, wenn sich ein Teilnehmer dabei verletzt. Etwa beim Bowling. Ob es sich dabei um einen Arbeitsunfall handelt, hatte ein Gericht zu entscheiden.

Darüber, wann die gesetzliche Unfallversicherung zahlen muss, wird oft und ergiebig vor Gerichten gestritten. Denn nicht selten werden Verunglückten Leistungen verweigert. Grundsätzlich muss ein Arbeitsunfall mit der versicherten Tätigkeit bei der Arbeit im Zusammenhang stehen. Im Einzelfall kann dieser auch bei einer Unterbrechung der versicherten Tätigkeit bestehen. Allerdings nur, wenn die Unterbrechung zeitlich und räumlich nur ganz geringfügig ist und einer Verrichtung dient, die "im Vorbeigehen" und "ganz nebenher" erledigt wird. Hierzu gehören im Übrigen weder der Gang zur Toilette noch der in die Kantine.

Aber auch wenn der Mitarbeiter voll bei der Sache ist und gar nicht mit seiner eigentlichen Tätigkeit beschäftigt war, etwa beim Bowling, kann dies als Arbeitsunfall gewertet werden, wie ein Urteil des Sozialgerichts (SG) Aachen zeigt (Az.: S 6 U 135/16).  

Was war passiert? Ein Arbeitnehmer hatte auf Anweisung seines Arbeitgebers an einer mehrtägigen betrieblichen Veranstaltung eines Partnerunternehmens teilgenommen. Im Rahmen dessen fand auch ein Bowling-Turnier mit sämtlichen Teilnehmern statt. In dessen Verlauf stürzte der Mann und renkte sich die Schulter aus.

Wie so oft lehnte die zuständige Berufsgenossenschaft ab, das Malheur als Arbeitsunfall anzuerkennen. Begründung: Der Mitarbeiter habe sich beim Bowling privaten Belangen gewidmet. Was der Verunglückte anders sah und gegen die Entscheidung klagte.

Erfolgreich, denn das SG stufte den Sturz als versicherte Tätigkeit ein. Nicht zuletzt deshalb, weil dem Mann eine Teilnahme an der Fortbildung von seinem Arbeitgeber vorgeschrieben worden und das Bowling-Turnier fester Programmpunkt der Veranstaltung war. Denn da der Zweck der Veranstaltung der Austausch mit Mitarbeitern des Partnerunternehmens gewesen sei, habe der Mitarbeiter mit der Teilnahme eine Nebenpflicht aus seinem Arbeitsverhältnis erfüllt.

Der Umstand, dass das Bowling-Turnier daneben auch der sportlichen Betätigung des Mitarbeiters gedient habe, lässt den im Vordergrund stehenden betrieblichen Zweck nicht entfallen, befand das Gericht.  

Quelle: n-tv.de

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