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Die 25.000-Euro-Frage Bleiben Tech-Aktien unter Druck?

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Die jüngste Talfahrt der Technologietitel beruht auf mehrere Ursachen. Stellt sich die Frage: Geht's nochmal runrer?

(Foto: STRF/STAR MAX/IPx)

Es ist schon fast ein Glaubenskrieg, ob Technologieaktien oder sogenannte Standardwerte aussichtsreicher sind. Die hohen Bewertungen sowie steigende Inflation und Zinsen sprechen derzeit ziemlich klar gegen Tech-Titel und für die "langweiligen" Aktien aus der Old Economy.

Der Absturz ist schon ein Hammer: Der ARK Innovation ETF hat seit Anfang November knapp 50 Prozent an Wert verloren. Der Indexfonds wird von der Anlegerikone Cathy Wood gemangt. Diese setzt massiv auf Technologietitel wie den E-Auto-Pionier Tesla, den Spezialisten für Videokonferenzen Zoom oder die Kryptobörse Coinbase. Damit hat sie zeitweise unvergleichbare Erfolge gefeiert.

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Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Doch seit ein paar Monaten stehen sie und ihr Technologie-Aktienfonds massiv unter Druck. Die Kurse fallen, und die Anleger ziehen ihr Kapital aus dem Indexfonds ab. Fast spiegelbildlich sieht es bei der Investment-Legende Warren Buffett aus. Seit fast zwei Jahren kennt seine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway nur eine Richtung: nach oben.

Die 25.000-Euro-Frage

Anleger, die einen Tag vor dem Beginn des Corona-Crashs im Frühjahr 2020 25.000 Euro in den Technologie-ETF von Wood investiert haben, liegen jetzt bei fast 29.000 Euro. Trotz der jüngsten Talfahrt verzeichnen sie noch immer ein Plus von circa 16 Prozent. Buffet hat allerdings aus 25.000 Euro, die zum selben Zeitpunkt bei ihm angelegt wurden, bis heute rund 33.000 Euro gemacht, was einen Zugewinn von fast 32 Prozent bedeutet. Und das, obwohl er die zwischenzeitliche Rally bei den Technologietiteln fast völlig verpasst hat.

Die jüngste Talfahrt der Technologietitel beruht auf mehrere Ursachen. Zum einen waren diese Werte extrem hoch bewertet, sprich einfach teuer beziehungsweise zu teuer. Eine Korrektur der Kurse war schlichtweg überfällig. Da reichte schon der kleinste Auslöser, um diese Aktien auf Talfahrt zu schicken.

Beispiel Meta, ehemals Facebook: Eine leicht rückläufige Nutzerzahl und ein Minus beim Gewinn des vierten Quartals 2021 reichten schon aus, um die Aktie in der Spitze um rund 30 Prozent abzustrafen. Dem deutschen Dax-Wert Delivery Hero ist es vor Kurzem noch schlimmer ergangen. Zum anderen hat bei den Zinsen eine Wende eingesetzt. Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren wieder mit immerhin zwei Prozent.

Der Zins macht den Unterschied

Die höheren Zinsen treffen vor allem die Technologietitel hart. Denn diese liefern in der Regel keine Dividenden. Investoren generieren mit ihnen also kein laufendes Einkommen. Anleger amerikanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren bekommen wenigsten zwei Dollar pro 100 investierter Dollar pro Jahr. Das ist nicht viel, aber immerhin mehr als gar nichts. Noch entscheidender ist allerdings, dass höhere Zinsen auf den Wert der Technologieaktien drücken.

Der Wert dieser Aktien bemisst sich in der Regel an den künftigen Gewinnen der entsprechenden Firmen. Diese werden auf die Gegenwart abgezinst, Börsianer nennen das abdiskontiert. Die Krux ist, dass diese Unternehmen häufig erst in ferner Zukunft Geld verdienen werden. Daher werden ihre erwarteten Gewinne über mehrere Jahre abgezinst. Und je höher die Zinsen notieren, desto weniger bleibt von den künftigen Profiten übrig, und die entsprechenden Aktiengesellschaften sind dadurch weniger wert. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für Fremdkapital, also für Kredite, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Gerade junge, stark wachsende Technologieunternehmen sind häufig hochverschuldet.

Ganz anders sieht das bei den sogenannten Standardwerten aus, auf die Anleger wie Buffett setzen. Diese verdienen meistens schon heute gutes Geld und schütten davon einen Teil als Dividenden an ihre Eigentümer aus. In diesem Punkt schneiden sie also sehr viel besser ab als die dividendenlosen Tech-Werte. Gleichzeitig fällt die Abzinsung künftiger Gewinne weniger ins Gewicht, da diese Unternehmen schon jetzt profitabel wirtschaften.

Tech-Ausblick bleibt teilweise düster

Insbesondere stark verschuldete Tech-Aktien aus der zweiten Reihe dürften es auch noch in den kommenden Monaten schwer haben. Denn die Inflationsrate ist in den USA im Januar auf den Rekordwert von 7,5 Prozent nach oben geschossen. Da dürfte es der amerikanischen Notenbank Fed schwerfallen, in diesem Jahr nur dreimal die Zinsen anzuheben, wie ursprünglich signalisiert. Marktteilnehmer rechen mittlerweile mit bis zu sechs Zinsschritten.

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Dieses Umfeld spricht eher für die Anlagestrategie von Buffett, also werthaltige sogenannte Value-Aktien. Dazu zählen Titel, die günstig bewertet sind, die schon heute regelmäßige Gewinne abwerfen und einen Teil davon als Dividenden auszahlen. Vereinfacht ausgedrückt verdienen Anleger im derzeitigen Umfeld eher Geld mit Unternehmen, die selbst Geld verdienen. Interessanterweise zählen dazu auch einige Tech-Titel - zum Beispiel Tesla, Amazon oder Apple. Diese Werte haben sich von der jüngsten Korrektur im Technologiesektor abgekoppelt. Apple gehört übrigens zu den größten Positionen im Portfolio von Buffett.

Über den Autor: Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 22. Februar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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