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Tenhagens Tipps Teures Gas - so heizen Sie günstiger

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Nicht nur ein hoher Verbrauch sogt für hohe Preise.

(Foto: imago stock&people)

Die Bude dieser Tage warm zu halten, ist ein teures Vergnügen. Vor allem auch, wenn mit Gas eingeheizt wird. Denn hier steigen die Preise für Verbraucher, obwohl der Rohstoff eigentlich deutlich günstiger geworden ist. Woran liegt's, was ist zu tun? Antworten gibt Finanztip-Chef Tenhagen.    

n-tv.de: Herr Tenhagen, der Gaspreis für den Verbraucher sinkt einfach nicht beziehungsweise wird wohl weiter steigen. Und dies trotz sinkender Importpreise. Woran liegt's denn?

Hermann-Josef Tenhagen: Gier!

Tatsächlich?

Na klar. Der Importpreis sinkt, der Preis, der von vielen Kunden verlangt wird, steigt. Man kann das auch vonseiten der Anbieter als individual-ökonomisches nachvollziehbares Verhalten bezeichnen. Aber kürzer ist an dieser Stelle Gier. 

Wie setzt sich denn der Gaspreis zusammen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Der besteht ungefähr zur Hälfte aus Beschaffung, Vertrieb und Marge. Hier können die Anbieter an der Preisschraube drehen. Dann gibt es Umlagen, Steuern und die Netzentgelte, die bezahlt werden müssen, um den Rohstoff durch die Gasleitungen zu jagen. Und wenn, wie jetzt, der Importpreis um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, haben die Anbieter jede Menge Möglichkeiten, Gewinne zu erzielen. Und davon wird derzeit auch reichlich Gebrauch gemacht. Meist dauert es über ein Jahr, bis sich ein gesunkener Großhandelspreis für den Verbraucher tatsächlich in einem sinkenden Endpreis bemerkbar macht.

Gibt es da Abhilfe für den Kunden?  

Hier ist es, wie es immer ist. Wenn Sie jetzt wechseln und einen neuen Anbieter oder ein neues Angebot bei Ihrem bestehenden Anbieter suchen, dann bekommen Sie durchaus günstigere Preise angeboten. Wenn Sie das nicht tun, wird die Preiserhöhung, welche die Anbieter dieses Frühjahr durchgesetzt haben, weiterlaufen. Das ist aber natürlich kein Phänomen, was Gaskonzernen allein eigen ist.

Wann kann ich denn wechseln?

Wenn es eine Preiserhöhung gibt, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Darauf muss auch bei der Erhöhung hingewiesen werden. Das gilt übrigens auch bei einer Preissenkung. Kunden tun so oder so gut daran, die Angebote zu vergleichen. Denn beim Gas ist schon eine Menge zu sparen, hier geht es um bis zu zwei Cent je Kilowattstunde. Bei einem Durchschnittshaushalt fallen für Heizung und Warmwasser so zwischen 15.000 und 25.000 Kilowattstunden an. Sprich, hier können durchaus 300 bis 500 Euro eingespart werden.

Vergleich und Wechsel laufen also analog zum Verhalten bei steigenden Strompreisen?

Genau. Wichtig ist, sich zu überlegen: Will ich Boni jagen und womöglich jedes Jahr wieder wechseln oder möchte ich nur einen preiswerten Anbieter und ansonsten meine Ruhe haben? Letzteres ist die Voreinstellung, die wir bei Finanztip im Rechner haben. Dann ist die Einsparung vielleicht nicht ganz so hoch, aber dann muss ich mich in der nächsten Zeit erst einmal nicht kümmern.

Welche Vergleichsrechner kann man sonst noch heranziehen?

Wir nutzen bei unserem marktbreiten Vergleichsrechner die Rohdaten von Check24 und Verivox. Mit denen kann man dann oft auch direkt wechseln. Es kann aber auch sein, dass der Rechner zeigt, ein Stadtwerk oder Gasanbieter ist am günstigsten, der diese Art Wechsel nicht erlaubt. Dann gehen sie zu dem Stadtwerk direkt auf die Homepage und geben den Wechsel in Auftrag.

Was halten Sie denn von sogenannten Tarifaufpassern oder auch Tarifoptimierern? Diese bieten ihren Kunden an, den Strom- sowie Gasanbieterwechsel automatisch für sie zu übernehmen - da wurden ja jüngst auch einige von der Stiftung Warentest als sehr empfehlenswert eingestuft ...

Im Prinzip halte ich das für eine gute Idee für Menschen, die sich nicht selbst kümmern wollen. Vorausgesetzt, die Tarifoptimierer haben einigermaßen den Überblick und das funktioniert auch mit kundenfreundlichen AGBs und dem Datenschutz. Wenn sich das meine alten Kollegen bei der Stiftung angeschaut haben, gehen die ausgesprochenen Empfehlungen sicherlich in Ordnung. Aber wie gesagt, man kann auch sehr einfach selber wechseln.  

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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