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Die geheime Schufa-Liste Was nicht in der Selbstauskunft steht

Einmal im Jahr können Verbraucher kostenlos abfragen, welche Daten bei der Schufa über sie gespeichert sind. Eine wichtige Information kommt in dieser Selbstauskunft aber gar nicht vor. Dabei entscheidet sie maßgeblich darüber, wie die Bonitätsbewertung ausfällt.

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Ein Schufa-Eintrag entscheidet über die Kreditwürdigkeit.

Zu welchen Konditionen gibt die Bank Kredit? Lässt sich ein Versandhändler auf Zahlung per Rechnung ein? Bekom mt man die gewünschte Wohnung oder vermietet der Besitzer lieber an jemand anderen? Solche Fragen hängen auch maßgeblich davon ab, was die Schufa über eine Person verrät. Jeder kann einmal im Jahr kostenlos die Daten abfragen, die bei der Auskunftei über die eigene Person gespeichert sind. Aber offenbar teilt die Schufa dabei nicht alle Informationen mit, die später in den sogenannten "Score-Wert" einfließen. Das hat der NDR bei der Auswertung eines vertraulichen Dokuments herausgefunden.

Die geheime Liste hat die Schufa schon 2010 im Vorfeld eines Treffens mit Datenschutzbehörden erarbeitet. Sie umfasst 18 Punkte, die beim Scoring – also der Einstufung in eine bestimmte Risikoklasse – beachtet werden. Wichtig zu wissen: Es gibt nicht einen absoluten Score-Wert, sondern 140 verschiedene, bei denen jeweils verschiedene Daten kombiniert werden. So soll branchenspezifisch analysiert werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit Kunden später ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen.

Die meisten haben eine weiße Weste

Interessant ist dabei, dass negative Informationen offenbar weniger stark ins Gewicht fallen als bisher vermutet. Das liegt auch daran, dass die große Mehrheit aller Verbraucher völlig unauffällig ist. Nur neun Prozent der bei der Schufa registrierten Personen müssen sich Sorgen machen, dass beispielsweise unbezahlte Rechnungen oder Überschuldung einen Score-Wert vermasseln. Bei den übrigen 91 Prozent muss anderweitig differenziert werden, um die Möglichkeit künftiger Zahlungsausfälle zu prognostizieren.

Ein wichtiges Kriterium ist dabei offenbar das Alter der jeweiligen Daten, also die Frage, wie lange eine Information schon bei der Schufa gespeichert ist. Wer seit zehn Jahren unter der gleichen Adresse gemeldet ist oder treu der Hausbank die Stange hält, kommt laut NDR-Informationen besser weg als jemand, der häufiger umzieht oder gelegentlich das Girokonto wechselt. Wie genau die jeweiligen Daten gewichtet werden, will die Schufa nicht verraten – und das muss sie auch nicht, wie der Bundesgerichtshof im Januar bestätigt hat.

Das Problem: Im Rahmen der Selbstauskunft teilt die Schufa den Interessenten zwar mit, welche Daten über sie gespeichert sind, aber nicht, wie lange sie die jeweiligen Informationen schon besitzt. So hätten Verbraucher keine Chance, Fehler zu erkennen und auf eine Korrektur zu drängen, moniert der NDR.

Datenschützern ist nichts aufgefallen

Die Schufa weist die Kritik zurück. Es handle sich nur um ein "technisches Datum, das keinen Lebenssachverhalt über den Betroffenen" beschreibe. Deshalb müsse es auch nicht in die Datenschutzübersicht aufgenommen werden. Im Jahr 2010 habe man das Bewertungsverfahren den Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern offengelegt. Damals habe es keine "Beanstandungen an der Verwendung dieses Datums oder Zweifel an der Prognosegüte" gegeben, verteidigt sich die größte Auskunftei Deutschlands.

Dass keine Klagen kamen, könnte aber auch daran liegen, dass man damals nicht so genau hingeschaut hat. "Wenn etwas in die Scorewerte mit einfließt, dann beschreibt es natürlich einen Lebenssachverhalt", sagte Michael Kaiser vom Amt des Hessischen Datenschutzbeauftragten dem NDR. Sprich: Dann müsste dieser Fakt auch in der Selbstauskunft enthalten sein. Das sehen auch die obersten Datenschützer anderer Länder so. Die Schufa sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. Nachbessern will sie gegebenenfalls dann, wenn das der zuständige hessische Landesdatenschutzbeauftragte verlangt.

Quelle: ntv.de, ino

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