Ratgeber

Nach der Leitzinserhöhung Wird für Sparer alles gut?

Die Zinsen steigen wieder: die Leitzinserhöhung der Europäische Zentralbank um 0,25 Prozentpunkte hat für Anleger und Sparer Folgen - allerdings unterschiedliche. Jetzt kommt es darauf an, wie schnell die Banken reagieren.

Zinsen Eurozone

Die Zinsentscheidung hatte sich schon Anfang März angekündigt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die deutschen Verbraucher müssen sich langfristig auf ein steigendes Zinsniveau einstellen. Denn die Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte erst der Anfang gewesen sein. Die EZB hat den Leitzins für den Euroraum von 1,0 auf 1,25 Prozent erhöht, um die steigenden Inflationsgefahr einzudämmen. Nach der Finanzkrise waren die Zinsen drei Jahre lang auf historisch niedrigem Niveau. Nun fordern Fachleute eine Normalisierung. Wie wirkt sich der Zinsentscheid auf Sparer, Geldanleger und Kreditnehmer aus?

Tagesgeld

Für alle, die ihr Geld auf Tagesgeldkonten anlegen, ist die Zinserhöhung eine gute Nachricht. Zwar bieten laut Finanzberatung FMH schon jetzt einzelne Banken bis zu 2,81 Prozent für eine Anlage von 10.000 Euro. Der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeldanlagen von 5000 Euro liegt aber derzeit bei 1,23 Prozent - und damit unterhalb der Inflationsrate von aktuell 2,1 Prozent. Mittelfristig werden auch die Tagesgeld-Zinssätze nach der Leitzinserhöhung steigen, ist FMH-Inhaber Max Herbst überzeugt. Bei einigen Angeboten werde es bald die Drei vor dem Komma geben, prognostiziert der Zinsexperte. Im Kampf um neue Kunden scheine es, "als haben einige Banken die Entscheidung der EZB schon vorweggenommen", sagt Marcus Preu vom Finanzportal Biallo.

Vom Wettbewerb der Banken profitieren allerdings zunächst einmal die Neukunden. Unklar ist daher, wann es für Sparer, die bei ihrer Hausbank bleiben wollen, höhere Zinsen geben wird. Finanzberater Herbst vermutet, dass sie noch etwas länger auf bessere Konditionen warten müssen.

Festgeld

Auch beim Festgeld können sich Anleger auf steigende Zinssätze einstellen. Einige Anbieter haben die Zinserhöhung auch schon vorweggenommen, sie wurde schließlich schon Anfang März angekündigt. Zu lange sollten sich Anleger derzeit aber nicht binden. "In der Regel erhöhen Notenbanken die Leitzinsen peu à peu über zwei bis drei Jahre hinweg, bis sie schließlich die Inflation im Griff haben", erläutert Herbst. "Zu diesem Zeitpunkt sind die Zinsen dann im Zenit." Das einjährige Festgeld ist laut Herbst ein guter Kompromiss zwischen sicherer Rendite und nötiger Flexibilität. Laut FMH bekommen Anleger für 10.000 Euro für ein zwölfmonatiges Festgeld bis zu 2,8 Prozent Zinsen. Der durchschnittliche Zinssatz liegt hier bei 1,67 Prozent.

Kredite

Ratenkredite haben sich seit fast zwei Jahren kontinuierlich verbilligt. Die EZB-Entscheidung wird vermutlich keine Trendwende einleiten. Aber: "Die deutliche Abwärtsbewegung bei den Ratenkrediten wird bei einer Leitzins-Erhöhung gestoppt", vermutet Preu. Ob die Banken die Erhöhung zum Anlass nehmen, auch die Dispozinsen heraufzusetzen, ist unklar. Zinssenkungen hatten sich in der Vergangenheit kaum auf die Dispozinsen ausgewirkt, sehr zum Ärger von Verbraucherschützern.

Immobilienkredite

Hauskäufer müssen mittelfristig tiefer in die Tasche greifen, denn neben den Guthabenzinsen werden auch die Kreditzinsen steigen. Schon nach dem Tiefstand im Spätsommer 2010 haben die Kreditzinsen einen kräftigen Satz nach oben gemacht. "Trotzdem liegen sie noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von über sechs Prozent bei Darlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung", sagt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen. Wer konkrete Pläne hat, sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sei nun gut beraten, sie in die Tat umzusetzen. Erste Wahl sind dabei laut einer aktuellen Studie von "Finanztest" die Riester-geförderten Kombikredite der Bausparkassen. "Sie sind derzeit deutlich günstiger als klassische Bankdarlehen", sagt auch Nothaft. "Mit ihnen kann man sich monatliche Raten und Zinsen bis zu 28 Jahre lang sichern."

Kaufinteressenten sollten sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen. Die Hypothekenzinsen würden nach der Zinserhöhung nicht sofort steigen, sagt Herbst. Laut FMH liegt der durchschnittliche Zinssatz für einen Baukredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 4,18 Prozent. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren müssen im Durchschnitt 3,73 Prozent Zinsen gezahlt werden.

Aktien

Zinserhöhungen wirken sich auch auf den Aktienmarkt aus. Die Kurse bewegen sich nach einem solchen Schritt meist vor allem nach unten. "Steigen die Zinsen, werden festverzinsliche Papiere für Anleger interessanter", erklärt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktien-Institut. "Viele Anleger verkaufen daher Aktien und kaufen Anleihen." Außerdem müssten die Unternehmen bei steigenden Zinsen mehr Geld für ihre Finanzierung aufwenden. Das könne dazu führen, dass Investitionen zurückgestellt und Gewinne kleiner werden.

Dass die aktuelle Zinsentscheidung große Kursschwankungen an der Börse zur Folge haben könnte, glaubt Leven nicht: "Der Schritt der EZB wurde erwartet." Die Zinserhöhung sei somit bereits weitgehend in die Kurse "eingepreist". Anleger müssten ihr Depot deshalb jetzt nicht umschichten - denn das würde mehr Kosten als Nutzen bringen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa