Fußball

Die Lehren des 31. Spieltags BVB gibt auf, FC Bayern patzt, alles offen

33286895ee73b30618ba1c49780ba81e.jpg

Feuer unterm Dach? Jedenfalls hat der FC Bayern in Nürnberg nicht gewonnen.

(Foto: imago images / Zink)

Der FC Bayern vergibt in Nürnberg eine Art Matchball im Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft. Und die Dortmunder Borussen sind plötzlich wieder im Rennen. Dabei hisst Trainer Lucien Favre nach der Derbyniederlage gegen Schalke schon die weiße Fahne.

1. Der FC Bayern macht es spannend

Mit Blick auf die Tabelle ein Gewinner des Spieltags, tatsächlich beteiligt an einem Remis, gefühlt verloren: Der FC Bayern hat am frühen Sonntagabend Argumente für die siebte deutsche Fußballmeisterschaft in Serie gesammelt und gleichzeitig an diesem 31. Spieltag die Tür für Borussia Dortmund wieder aufgemacht. Eine eigenartige Gemengegelage, die das 1:1 der Münchner beim 1. FC Nürnberg gebracht hat, denn die Franken sind trotz des sensationellen Bonuspunktes als Tabellenvorletzte die Verlierer des Spieltags, nicht nur wegen des verschossenen Elfmeters in der 90. Minute (Details: siehe unten).

imago40102109h.jpg

"Das verändert die Situation nur marginal": Niko Kovac.

(Foto: imago images / Sven Simon)

"Es ist total ärgerlich. Wir hätten uns heute einen Matchball erspielen und auf vier Punkte wegziehen können", sagte Trainer Niko Kovac nach dem für seine Mannschaft so komplizierten Spiel. "Es ist ein Punkt hinzugekommen, aber das verändert die Situation nur marginal. Wir müssen, um auf Nummer sicher zu gehen, sieben Punkte holen. Sie haben sich in jeden Ball geschmissen und haben 90 Minuten leidenschaftlich Fußball gespielt und verteidigt. Sie haben sich den Punkt erkämpft. Wir müssen glücklich sein, dass wir einen Punkt mitgenommen haben. Wenn der Elfmeter reingeht, ist sowieso alles gegessen." Und was Kovac nicht aussprach: Nach dem vermeintlich kaum zu verlierenden Heimspiel gegen Hannover 96 am kommenden Wochenende warten in Leipzig und gegen mutmaßlich auch am letzten Spieltag noch um einen Champions-League-Platz kämpfende Frankfurter schwere Aufgaben. "Ärgerlich und enttäuschend" sei es gewesen, die "Steilvorlage" des BVB nicht aufgenommen zu haben, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir konnten unser Spiel nie aufziehen. Wir haben keine Frische gehabt. Wir haben glücklich einen Punkt geholt." Nicht auszuschließen, dass die mangelnde Frische am Ende noch sauer bezahlt werden könnte. Dortmunder, Bayern-Antipathiesanten und die sogenannten "neutralen Fans" dürfen sich freuen: Der FC Bayern München hält überraschend die Liga spannend - bis zum Schluss.

2. Schalker Rache ist süß, der BVB gibt zu früh auf

Zwölf Jahre haben sie auf die Rache warten müssen: In der Saison 2006/2007 fährt der FC Schalke 04 am 33. Spieltag der Fußball-Bundesliga als Tabellenführer nach Dortmund. Der BVB, in jener Saison lange auf den Abstiegsrängen, gewinnt 2:0 und versaut dem Rivalen die erste Meisterschaft seit 1958. Ein paar Tage darauf saust ein Flugzeug durch den Ruhrpott mit einem Banner auf dem geschrieben steht: "Ein Leben lang - keine Schale in der Hand". Wie sich Geschichte doch wiederholen kann und wie süß sich für die Schalker der 4:2-Rache-Sieg am Samstag im Westfalenstadion angefühlt haben muss. Dem BVB ein Bein stellen im Meisterschaftskampf, das kann sogar diese Grottensaison ein bisschen retten. Dortmunds Trainer Lucien Favre konstatierte nach dem Spiel: "Der Titel ist verspielt. Das ist klar für mich." Da wusste er allerdings noch nicht, dass die Konkurrenz aus München am frühen Sonntagabend in Nürnberg nur remisieren würde.

imago40072259h.jpg

Bedient nach der Derbyniederlage und dem möglichen Titel-Aus: Dortmunds Trainer Lucien Favre.

(Foto: imago images / Beautiful Sports)

Für die Schalker aber hat sich diese Saison selten so gut angefühlt. Der Kampf gegen den Abstieg ist noch nicht gewonnen, aber es sieht gut aus. Wie wichtig der Sieg in Dortmund am Samstagnachmittag war, zeigte sich wenige Stunden später, als der VfB Stuttgart etwas überraschend gegen die Borussia aus Mönchengladbach gewann. So bleibt es drei Spieltage vor dem Ende der Saison bei den sechs Punkten, die der S04 vor dem VfB auf dem Relegationsplatz steht. Gegen den BVB spielte die Mannschaft von Interimstrainer Huub Stevens zwar keinen guten Fußball, aber die kämpfte, schoss Tore und stand defensiv einigermaßen sicher. Und dann brannten den Dortmundern mit zwei roten Karten binnen fünf Minuten die Sicherungen durch. Ob den Schalkern allerdings mit dem ersten Derbysieg in Dortmund seit 2012 die Rache für 2007 vollständig geglückt ist - das muss sich erst noch zeigen. Denn der Titelkampf bleibt spannend. Dafür hat der FC Bayern gesorgt.

3. Der Tabellenkeller lebt - und hat doch keine Gewinner

Was haben sie alle herumgekrampft in den vergangenen Wochen: Stuttgart ging am 30. Spieltag 0:6 in Augsburg baden, Schalke wurde zu Hause 2:5 von Hoffenheim auseinander genommen und Hannover hatte sogar neun Spiele nicht mehr gewonnen. Es schien, als wolle keines der Kellerkinder wirklich raus aus dem Tabellensumpf. Im Gleichschritt trat man auf der Stelle. Doch siehe da, der Keller lebt und seine Kinder erst recht. Am Samstag gewann erst Hannover 96 durch ein Slapstick-Tor gegen aktivere Mainzer und Schalke im emotionalen Derby gegen traurige Dortmunder. Stuttgart fühlte sich bedrängt, legte gegen enttäuschende Gladbacher mit 1:0 nach und hat mit dem neuen Trainer Nico Willig wohl alles richtig gemacht. Und dann knöpften wackere Nürnberger am Sonntag dem FC Bayern tatsächlich einen Punkt ab. Gleichwohl: Ihre Position im Abstiegsk(r)ampf verbessern konnte dadurch keine Mannschaft so richtig.

4. Die besten Leipziger der Geschichte

imago40059708h.jpg

Leipzigs Stürmer Timo Werner schoss RB in die Champions League.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Julian Nagelsmann wird innerlich gejubelt haben am Samstag gegen 17.20 Uhr, auch wenn seine Hoffenheimer erst am Sonntag spielten - und dann auch noch klar gegen den VfL Wolfsburg verloren. RB Leipzig machte drei Spieltage vor dem Saisonende mit dem 2:1 gegen Freiburg die Champions League klar und der zukünftige Leipziger Nagelsmann sitzt in der kommenden Saison deshalb nicht nur in Mainz und Düsseldorf auf der Auswärtstrainerbank, sondern auch in Liverpool, Barcelona oder Paris. Die Sachsen spielten wieder einmal Power-Fußball vom Feinsten, der heiß umworbene Timo Werner traf erneut, auch wenn Freiburg gut dagegen hielt. In dieser Verfassung dürfte RB in der Champions League und auch vorher im DFB-Pokalfinale am 25. Mai gegen den FC Bayern kein angenehmer Gegner sein. Um noch einen draufzusetzen, stellten die Leipziger auch ihre Serie von 13 Liga-Spielen ohne Niederlage aus der Saison 2016/2017 ein. Nagelsmann wird sich in Gedanken schon einmal seinen feinen Zwirn für die Champions League Nächte rauslegen. Weitere Lehre aus diesem Spiel: Wenn der Schiedsrichter pfeift, geht's los. RB-Keeper Gulasci positionierte noch fleißig seine Mauer, als Schiedsrichter Robert Schröder in die Pfeife blies und Vincenzo Grifo sich mit dem Freistoßtor zum zwischenzeitlichen 1:1 bedankte. Wieder was gelernt.

5. Erfolgreiche Trainer nerven

imago00024986h.jpg

Fuchsteufelswild am Spielfeldrand: Werner Lorant 1997 als Trainer des TSV 1860 München.

(Foto: imago/Team 2)

Eduard Geyer musste als Trainer von Energie Cottbus zwischen 2000 und 2003 siebenmal auf die Tribüne und sagte: "Gegen mein Training ist die Bundeswehr wie Urlaub." Werner Lorant trainierte nach dem Motto "Die Spieler sollen rennen und das Maul halten". Als er dem TSV 1860 den Rücken kehrte, sagte man in München: "Ein Irrer weniger". Giovanni Trapattoni und seine "Flasche leer" sind Kult. Als erfolgreicher Trainer musst du wohl anecken, das bekräftigte Leipzigs Ralf Rangnick im ZDF-Sportstudio: "Alle Top-Trainer, egal ob das vor 25 Jahren Arrigo Sacchi war oder ob das jetzt ein Pep Guardiola, Thomas Tuchel oder Jürgen Klopp ist - ich nehme mich da auch nicht aus - die sind glaube ich alle anstrengend." Angesprochen auf seinen designierten Nachfolger Nagelsmann erklärte Rangnick: "Du musst Spieler nerven, jeden Tag aufs Neue, weil du sie entwickeln willst." Gut, nach dieser Regel hätten Cottbus und 1860 Serienmeister werden müssen. Doch verpasst Dortmund mit Favre vielleicht die Meisterschaft, einfach weil der Schweizer zu sympathisch und nett ist?

6. Ab der nächsten Saison Fußballer ohne Arme?

Alle Spieltage wieder: Diskussionen um den Videobeweis und Handelfmeter. ARD-Kommentator Steffen Simon ("Aus 30 Zentimetern angeschossen, mein Gott, was soll er denn machen?!") und der ehemalige Fifa-Referee Markus Merk ("Das ist eine natürliche und fußballtypische Bewegung von Weigl. Für mich ist es unverständlich, warum hier auf Elfmeter entschieden wird") waren sich einig, dass Felix Zwayer falsch entschieden hatte. Allerdings hatte der Schiedsrichter, wie unsere Experten von Collinas Erben erklären, keine andere Wahl.

Bei der Entscheidung zum Handelfmeter für Schalke, der zum 1:1 führte, wurde der Dortmunder Julian Weigl im Strafraum aus kürzester Distanz am Arm getroffen. Zwayer schaute sich die Szene auf dem Bildschirm an (in der Bundesliga macht man das im Gegensatz zu den Pokalhalbfinals noch), zeigte auf den Punkt und die Streitereien begannen mal wieder. Auch Leipzigs Trainer Rangnick, dessen Mannschaft einen unberechtigten Handelfmeter gegen Freiburg zugesprochen bekam, sagte: "Da ist dringender Nachbesserungsbedarf. Wir haben diese Diskussion fast an jedem Spieltag, nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal." BVB-Coach Favre hatte die rettende Idee, wie man diesen Zwiespalt in der neuen Saison lösen könne. Man müsse den Spielern einfach "die Arme abschneiden". Das Problem an seinem Allheilmittel erkannte Favre allerdings auch: "Ohne Arme hat man kein Gleichgewicht mehr."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema