Fußball

So läuft der 13. Spieltag In der Bundesliga geht die Angst um

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Vor zehn Jahren war Lucien Favre Trainer in Berlin - und hatte da schon Sorgen.

(Foto: imago sportfotodienst)

In Dortmund muss der Trainer um seinen Job fürchten, beim FC Bayern ist ihnen so einiges unheimlich, bei Hertha BSC geht alles beängstigend schnell und das Abstiegsgespenst ist ohnehin allgegenwärtig: Den Fußball-Bundesligisten steht ein gruseliger Spieltag bevor.

Was ist bei den Bayern los?

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat Angst. Es geht ein Schreckgespenst in München um und es soll Chefcoach Hansi Flick verdammt ähnlich sehen. "Es ist eine Serie, die langsam ungeheuerlich wird", sagte Rummenigge nach dem 6:0 bei Roter Stern Belgrad in der Champions League. Schon wieder zu null, schon wieder Robert Lewandowski, schon wieder eine Top-Leistung. Vier Spiele, vier Siege und 16:0 Tore - so lautet die beängstigende Flick-Bilanz. Heraus ragt natürlich der polnische Torjäger, der seine "Hochform" (Flick) einfach nicht mehr ablegen will. Vier Tore in einer Viertelstunde - Rummenigge schlottern bestimmt schon wieder die Knie.

Auch Lukas Hradecky könnte bei dem Gedanken an das bayerische Torgespenst angst und bange werden. Dabei belegt der Torwart von Bayer Leverkusen Platz eins auf der Liste der weißen Westen in der Bundesliga (zusammen mit Manuel Neuer, jeweils viermal). Aber auch wenn Bayern und Bayer gleich viele Gegentore bekommen haben (16), so ist die FCB-Offensive eben um ein Vielfaches besser (33 zu 18 Treffer). Da konnte es sich der Rekordmeister sogar erlauben, im Spiel in Belgrad Trifft-eigentlich-auch-immer-Gnabry, Wird-unter-Flick-fast-wieder-der-Alte-Müller (acht Vorlagen in dieser Saison) und Ich-bin-sowieso-der-Boss-Kimmich auf der Bank zu lassen. Wer will diese Über-Bayern momentan schlagen? Die Werkself, trotz der anhaltenden Champions-League-Hoffnungen nach dem 2:0 bei Lokomotive Moskau, an diesem Samstag um 18.30 Uhr (wie alle Spiele im Liveticker bei n-tv.de) wohl eher nicht. Tipp: Was einmal geht, geht auch zwei-, drei-, vier- oder fünfmal: 2:0. Der FCB bleibt wieder ohne Gegentor und Lewandowski trifft (will ernsthaft jemand dagegen wetten?)

Lulus Schicksalsspiel gegen Comeback-Klinsmann und den BSC

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Am Mittwochmorgen ging alles beängstigend schnell. Erst sägte Hertha BSC Trainer Ante Covic ab, bedankte sich artig bei der Klub-Ikone und stellte in Jürgen Klinsmann - jüngst eigentlich als neues Aufsichtsratmitglied verpflichtet - den neuen Chefcoach vor. Der Macher des "Sommermärchens" brachte auch gleich seine Kumpels mit: Als Co-Trainer den Ex-Werder-Trainer Alexander Nouri (beide kennen sich aus den USA) und Markus Feldhoff (war Nouris Assistent in Bremen und Ingolstadt), als Torwart-Trainer Andreas Köpke (gewann mit Klinsmann zusammen die WM 1990 und die EM 1996) und als noch zu definierender Performance-Manager Arne Friedrich (machte als Außenverteidiger unter Klinsmann 2006 den Argentiniern den Garaus).

Mit viel "Lust und Freude" und so gar nicht mit Angst will Klinsmann nun Hertha wieder in die oberen Tabellengefilde hieven und auf lange Sicht zu einem "Big-City-Klub" formen. Mal schauen, wie viel Lust und Freude nach dem ersten Spiel gegen Borussia Dortmund noch übrig bleibt oder ob das Abstiegsgespenst aus dem Tabellenkeller dem Strahle-Trainer schon einen Schrecken einjagt. In der Bundeshauptstadt ist der Klinsi-Hype auf jeden Fall real: Das zeigt zum Beispiel die Überschrift der "B.Z.": "Als Ibisevic trifft, applaudiert Klinsi". Wow. Wahnsinn. Krasser Trainer!

Als wäre das alles nicht schon spannend genug, spielt nun auch noch der BVB für (oder gegen) das Schicksal seines Trainers Lucien Favre (hat wahrscheinlich sogar noch mehr Angst als Rummenigge, wenn das möglich ist) in der Partie im Olympiastadion, und zwar am Samstag um 15.30 Uhr. Zuletzt hatte man immer wieder das Gefühl, die Mannschaft spiele nicht wirklich für ihren Coach. Das mutlose 1:3 in Barcelona am Mittwoch in der Champions League macht die Situation nicht besser, aber so richtig rumort es unter dem schwarz-gelben Trainerstuhl seit der herben Klatsche gegen den FC Bayern und dem laut Kapitän Marco Reus "beschämenden" 3:3 gegen Paderborn nach 0:3-Rückstand. Zum Fürchten, diese Auftritte. Der BVB braucht drei Punkte, ganz einfach.

Das Problem: Für einen Sieg braucht es Tore und der einzige richtige Stürmer, Paco Alcacer, ist mal wieder verletzt. Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke gab deshalb zu, dass er und die Chefetage es verpennt hätten, in der Sommerpause im Sturm nachzulegen. Gewiss: Lucien Favre bringt diese Aussage am Samstag auch nichts mehr, sollte sein Team verlieren. Einen neuen Stürmer (Mandzukic? Giroud? Haaland?) könnte er sich dann am TV anschauen. Tipp: 1:1 und keiner weiß danach, was es jetzt wirklich gebracht haben soll.

Was macht der Spitzenreiter im Spitzenspiel (!) gegen den SC Freiburg?

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Oscar Wendt kann seine Freude über einen gehaltenen Ball nicht so zeigen.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Auch wenn die Borussia aus Mönchengladbach noch über allen anderen in der Bundesliga-Tabelle thront, schlottern den Fohlen garantiert schon ein wenig die Knie. Das Bayern-Gespenst ist aber auch allzu gruselig dieser Tage. Die 0:2-Niederlage der Gladbacher am vergangenen Spieltag beim 1. FC Union Berlin war es ebenfalls. Immerhin konnte man am Donnerstagabend mit einem 1:0 beim Wolfsberger AC, seit dem 0:4 im Hinspiel Gladbacher Angstgegner, einen ganz wichtigen Europa-League-Erfolg feiern.

Die Freiburger haben seit vier Bundesligaspielen nicht mehr verloren und könnten - wenn es ganz verrückt läuft - sogar Spitzenreiter werden. Dafür müssten allerdings alle drei Teams, die über dem SCF stehen, verlieren. Aber Christian Streich und sein Team sind auch so bereits die Überraschung der Bundesliga und gegen schwächelnde und Europa-League-ausgelaugte Gladbacher ist am Sonntag um 15.30 Uhr durchaus was drin. Tipp: 1:1.

Was passiert sonst noch?

FC Schalke 04 - 1. FC Union Berlin (Freitag, 20.30 Uhr):  Mit einem Sieg könnte Union in einstellige Tabellenregionen vordringen, was noch vor wenigen Spieltagen niemand für möglich gehalten hätte. Sogar bis auf einen Punkt an die Dortmunder und die Europa-League-Plätze könnten die Köpenicker herankommen, zumindest vorübergehend. Vier Bundesliga-Siege in Folge (fünf in den letzten sechs Partien) sprechen Bände und so darf der Aufsteiger auch im Freitagabendspiel auf Punkte hoffen. Allerdings geht es nach Gelsenkirchen und Schalke 04 ist ähnlich formstark, hat seit fünf Partien nicht mehr verloren. S04-Coach David Wagner lobte seinen Gegner dennoch: " Wenn diese Mannschaft verletzungsfrei bleibt, sehe ich keine Chance, dass sie am Ende unter den letzten drei landet. Dafür machen sie es zu gut." Tipp: Wagner hat recht, Schalke gewinnt aber trotzdem mit 2:1.

TSG Hoffenheim - Fortuna Düsseldorf: Was heute Union ist, war vergangenes Jahr Düsseldorf. Als sicher geglaubter Absteiger mischten die Fortuna die Liga auf. Dieses Jahr läuft es für Friedhelm Funkels Männer nicht mehr so gut. Ganz anders die TSG Hoffenheim: Fünf Siege in Folge fuhren die Kraichgauer ein, unter anderem gegen Bayern und Schalke. Aber dann setzte es die herbe 1:5-Klatsche im heimischen Sinsheim - und ausgerechnet gegen den 1. FSV Mainz 05, der vorher praktisch gar nicht ins gegnerische Tor getroffen hatte. Fortunas Trainer Funkel philosophierte vor dem Spiel: "Wir versuchen über 90 Minuten, eine Chance zu haben, zu punkten." Das sollte seine Mannschaft doch hinbekommen, oder? Tipp: Die Mannen von Funkel versuchen es, verlieren aber trotzdem. 3:2 für Hoffenheim.

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Kölsche Tafelrunde: Marco Höger und Markus Gisdol.

(Foto: imago images/Herbert Bucco)

1. FC Köln - FC Augsburg: Der Effzeh besuchte unter der Woche ein Kinderkrankenhaus zur vorweihnachtlichen Bescherung. Geschenke verteilt hatte die Mannschaft von Neu-Trainer Markus Gisdol allerdings auch schon beim 1:4 gegen Leipzig. Das soll sich ändern, damit in der Bundesliga nicht auch die Augsburger schon ein verfrühtes Weihnachten feiern können. Neu-Sportchef Horst Heldt sagt: "Das Ziel muss sein, dass die gegnerischen Mannschaften wieder Angst haben, nach Köln in unser Stadion zu kommen. Dann würden wir einen Riesenschritt machen." Bis dahin ist es ein weiter Weg. Gisdol erwägt dafür sogar, mal mit drei Stürmern aufzulaufen. Viel schlechter als die bislang mageren elf Tore in zwölf Spielen kann es ja nicht laufen. Und Heldt denkt darüber nach, Sportpsychologen zu engagieren. Der FCA hat aber nach zwei Siegen in Folge und besonders der 4:0-Hertha-Demolierung ordentlich Rückenwind im Gepäck. Tipp: Sorry Köln, mehr als ein 1:1 ist nicht drin.

SC Paderborn - RB Leipzig (alle Samstag, 15.30 Uhr): In der 96. Minute geben die Spieler normalerweise schon Interviews, die Fans trotten so langsam nach Hause. In der Nachspielzeit im Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon wurde aber noch gespielt und gespielt und in exakt dieser 96. Minute durfte Emil Forsberg die Leipziger zum erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse schießen. "Ein Herzschlagfinale", sagte Nationalverteidiger Lukas Klostermann. Gegen Paderborn könnten die Sachsen sich jetzt auch noch an die Tabellenspitze ballern - vorausgesetzt, Gladbach gewinnt nicht. Die vergangenen Ergebnisse von RB belegen erstens, dass ein eigener Erfolg keineswegs abwegig ist und zweitens, dass "ballern" das korrekte Verb ist: 4:1, 4:2, 2:0 (CL) 8:0, 6:1 (Pokal). Der SCP ist zwar nach dem 3:3 in Dortmund in aller Munde, verpasste aber trotz 3:0-Führung den zweiten Saisonsieg. Tipp: Mindestens 1:4.

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Die Ärmel deuten an: Florian Kohfeldt durfte lange nicht mehr fliegen.

(Foto: imago images / Michael Weber)

VfL Wolfsburg - Werder Bremen (Sonntag, 18 Uhr): Bei Werder Bremen wurde dieser Tage auf Twitter der Geburtstag des Ex-Stürmers Nelson Valdez gefeiert. Mit einem Video, in dem er beide Tore markierte im Spiel in der Königsklasse 2004 gegen Valencia. Diese Zeiten sind an der Weser längst vorbei. "Wir haben jetzt acht Spiele nicht gewonnen, also ist ja offensichtlich, dass nicht alles richtig gelaufen ist", fasst es Maxi Eggestein passend zusammen. Trotzdem wollen die Grün-Weißen beim starken VfL Wolfsburg was holen, so der Mittelfeld-Motor: "Wir sind keine Mannschaft, die etwas verhindern will. Deshalb fahren wir nach Wolfsburg und wollen dort gewinnen." Man habe die Fehler aus der Niederlage gegen Schalke lange analysiert und daraus gelernt. Blöde nur, wenn man das jede Woche macht und sich nichts ändert. So könnte Werder zumindest auf den Relegationsplatz rutschen. Tipp: Werder hat mal wieder nichts gelernt, 2:1.

1. FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt (Montag, 20.30 Uhr): Mal wieder ein von den Fans verhasstes Montagsspiel. Und das auch noch beim Rhein-Main-Derby. Natürlich planen die Anhänger von Mainz 05 Proteste. Ein 15 Minuten und 30 Sekunden andauernder Stimmungsboykott ist angekündigt. Ansonsten sind die Mainzer dieser Tage aber wohl nur mit strahlenden Gesichtern gesehen worden. Das 5:1 gegen Hoffenheim (das davor fünfmal in Folge siegte) unter dem neuen Trainer Achim Beierlorzer weckt Hoffnungen, den Tabellenkeller endlich so richtig zu verlassen. "Ein Trainerwechsel bietet eben auch immer die Möglichkeit, den Resetknopf zu drücken", sagte der Neu-Coach. Zum Glück macht die DFL das auch bald mit den Montagsspielen: Zur Saison 2021/22 werden sie wieder abgeschafft. Tipp: Der Beierlorzer-Effekt hält weiter an, 1:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Wir sind Borussia Dortmund, das muss man sehen. Reißt euch zusammen, strafft euch. Versucht so aufzutreten, wie das von Borussen erwartet wird."

(BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Sonntag auf der Mitgliederversammlung von Borussia Dortmund an Trainer Lucien Favre und die Mannschaft gerichtet)

Quelle: n-tv.de