Collinas Erben

"Collinas Erben" und die Keeper Regelkunde für Flekken, Rot für Jarstein

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Da geht's in die Kabine: Jarstein muss nach der berechtigten Roten Karte vom Platz.

(Foto: imago images/ActionPictures)

In Leverkusen bekommt der Freiburger Torwart nach einem Ausrutscher unfreiwillig ein wenig Nachhilfe in Sachen Regelkunde - und hat Glück, dass die Situation für ihn glimpflich ausgeht. Sein Kollege von Hertha BSC dagegen würde den Spieltag wohl am liebsten vergessen.

Kurioser hätte die Partie zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem SC Freiburg (1:1) an diesem zwölften Spieltag der Fußball-Bundesliga kaum beginnen können: Zwei Minuten waren gespielt, da glitt der Freiburger Torwart Mark Flekken beim Abstoß auf dem seifigen Rasen aus. Den Ball traf er deshalb nicht wie geplant, die Kugel rollte nur ein kurzes Stück nach vorne, weshalb der Leverkusener Karim Bellarabi seine Chance witterte und herbeieilte. Für Flekken wurde es eng, daher beförderte er den Ball mit dem Fuß ins Toraus. Besser einen Eckstoß verursacht als ein Gegentor, mag er sich gedacht haben. Doch Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied anders, als der Schlussmann der Gäste es annahm.

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Denn in der Regel 16, die sich mit dem Abstoß beschäftigt, heißt es: "Wenn der ausführende Spieler den Ball, nachdem dieser wieder im Spiel ist, erneut berührt, bevor ein anderer Spieler ihn berührt hat, wird ein indirekter Freistoß verhängt." In diesem Fall acht Meter vor dem Freiburger Tor, also dort, wo Flekken den Ball ein zweites Mal gespielt hatte.

So ist das - mit Ausnahme des Schiedsrichterballs, den der Unparteiische ins Spiel bringt - bei jeder Spielfortsetzung in der Mannschaftssportart Fußball: Bevor der ausführende Spieler die Kugel erneut berühren darf, muss ein anderer Spieler am Ball gewesen sein. Eine Doppelberührung führt stets zu einem indirekten Freistoß, wobei im Strafraum eine Sonderbestimmung gilt: Ist der Ausführungsort weniger als 9,15 Meter vom Tor entfernt, auf das der Freistoß ausgeführt wird, dann dürfen die Verteidiger und der Torwart sich auf der eigenen Torlinie postieren. Weiter nach vorne bewegen dürfen sie sich erst, wenn der Freistoß ausgeführt worden ist, das heißt, wenn der Ball sich bewegt hat. Kerem Demirbay konnte die große Torchance allerdings nicht nutzen: Nicolas Höfler lenkte die Kugel mit dem Kopf an die Latte, den Nachschuss setzte Bellarabi am Tor vorbei.

Freiburgs Schlussmann kannte die Regel nicht

Die Zeitlupen zeigten schließlich allerdings, dass es den indirekten Freistoß eigentlich gar nicht hätte geben dürfen. Denn in der Regel 16 steht auch geschrieben, dass der Ball im Spiel ist, "wenn er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt" hat. Flekken hatte den Ball jedoch nicht wie geplant mit seinem rechten Fuß getroffen, sondern im Wegrutschen mit seinem linken Knie oder Schienbein. Zudem hatte sich Bellarabi in diesem Moment auf der Strafraumlinie befunden, statt sich wie vorgeschrieben außerhalb des gegnerischen Sechzehnmeterraums aufzuhalten. Beides war aber erst mithilfe der verlangsamten Wiederholung zweifelsfrei zu erkennen. Hätte der Referee es wahrgenommen, dann hätte er eine Wiederholung des Abstoßes angeordnet und keinen Freistoß.

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Noch steht er sicher ...

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der Video-Assistent durfte hier allerdings nicht eingreifen, weil Freistöße nicht zu den prüfbaren Situationen gehören, auch nicht indirekte im gegnerischen Strafraum. Hätten die Leverkusener ihre Chance genutzt, dann wäre das Tor also anerkannt worden. Mark Flekken atmete deshalb nach dem Spiel auf: "Zum Glück ging es gut für uns aus", sagte er. "Ich wusste selbst nicht, dass es Freistoß gibt, weil es mir noch nie passiert ist", räumte der Keeper ein. Eine Gelbe oder gar eine Rote Karte sehen die Regeln für diesen Verstoß übrigens nicht vor, selbst wenn dadurch ein aussichtsreicher Angriff, eine offensichtliche Torchance oder ein Tor vereitelt wird.

Was sonst noch wichtig war:

  • Wie das gesamte Team erwischte auch der Berliner Torwart Rune Jarstein im Spiel zwischen dem FC Augsburg und Hertha BSC (4:0) einen gebrauchten Tag: Nach 26 Minuten vertändelte er vor dem eigenen Gehäuse den Ball und streckte bei seinen anschließenden Rettungsversuchen erst Florian Niederlechner und dann Sergio Cordova mit groben Fouls nieder. Es half nichts, Cordova traf in dieser Situation trotzdem zum 2:0, und das Tor zählte, weil Schiedsrichter Sascha Stegemann den Vorteil abgewartet hatte. Die Rote Karte für Jarstein gab es dennoch, und das zu Recht: Zwar wird der erfolglose Versuch, ein Tor mit regelwidrigen Mitteln zu verhindern, grundsätzlich nur mit der Gelben Karte geahndet. Doch ein brutales Foulspiel führt ungeachtet dessen immer zu einem Feldverweis. Auch die Anwendung der Vorteilsbestimmung war korrekt: Bei Vergehen, die einen Platzverweis nach sich ziehen, soll sie nur dann zum Tragen kommen, wenn trotzdem eine glasklare Torchance abzusehen ist. Genau das war hier der Fall.
  • Ob es für ein hartes Foulspiel die Gelbe oder die Rote Karte gibt, hängt nicht nur von der Intensität, der Dynamik und dem Tempo ab, sondern auch davon, wo und wie der Gegner getroffen wird. Oberhalb des Knöchels und des Sprunggelenks beginnt gewissermaßen die "rote Zone", erst recht, wenn es zu einem Volltreffer mit der "offenen Sohle" kommt. Deshalb erhielt der Mainzer Ridle Baku in der Begegnung der TSG Hoffenheim gegen den 1. FSV Mainz 05 (1:5) zu Recht einen Feldverweis: Er hatte Sebastian Rudy von hinten im Sprung mit den Stollen oberhalb des Knöchels erwischt. Schiedsrichter Bastian Dankert korrigierte seine Entscheidung deshalb nach einer Intervention des Video-Assistenten von Gelb auf Rot.
  • Bei den Fouls von Rouwen Hennings gegen David Alaba im Spiel Fortuna Düsseldorf – FC Bayern München (0:4) und von Simon Terodde gegen Dayot Upamecano in der Partie des 1. FC Köln bei RB Leipzig (1:4) dagegen sah das "Trefferbild", wie der Fachterminus in Schiedsrichterkreisen heißt, ein wenig anders aus: Der Gegner wurde jeweils an der Fußseite getroffen, die weniger verletzungsanfällig ist. Auch die Intensität war nicht so hoch, dass ein Feldverweis unausweichlich gewesen wäre. Deshalb griffen die Video-Assistenten richtigerweise nicht ein, als die Unparteiischen es jeweils bei einer Gelben Karte beließen. Weil es sich, anders als beim Mainzer Baku, um Grenzfälle handelte, hätten sie es bei Roten Karten allerdings wohl ebenfalls nicht getan.

Quelle: n-tv.de

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