Fußball-WM 2018

So läuft der Start gegen Mexiko Löw will ein Zeichen - gegen die WM-Zweifel

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Aus Spaß wird Ernst: Heute geht's für Draxler, Kimmich und Co. gegen Mexiko.

(Foto: imago/Bildbyran)

Ist die DFB-Elf 2018 besser als das Weltmeister-Team von 2014? Der WM-Auftakt gegen Mexiko kann nur Indizien liefern. Aber der Trainer verspricht ein Zeichen. Und der Schweigsamste macht Witzchen.

Worum geht's?

Beim deutschen Ex-Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer ist ja inzwischen relevanter, was er alles nicht sagt, vor allem zu seiner Verstrickung in den Sommermärchen-Skandal. Dabei war Beckenbauer einst ein Meister schlichter Wahrheiten, von ihm stammt die Binse: Das erste Spiel ist stets das wichtigste. Gut starten ist halt einfach besser als schlecht starten. Also sagte Bundestrainer Joachim Löw am Tag vor dem ersten Spiel seiner Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft: "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Mexiko und haben den Anspruch, das Spiel zu gewinnen." Das klingt nach einem soliden Plan, den sein Team gegen den wohl stärksten Gegner in der Gruppe F heute (ab 17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Moskauer Luschniki-Stadion umsetzen will. Also dort, wo Gastgeber Russland mit dem 5:0 gegen ein seltsam indisponiertes Team aus Saudi-Arabien diese WM mit dem bisher höchsten Sieg eröffnet hatte.

Deutschland - Mexiko, 17 Uhr

Voraussichtliche Aufstellungen

Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Hector - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Draxler - Werner. - Trainer: Joachim Löw.
Mexiko: Ochoa - Salcedo, Ayala, Moreno, Layun - Herrera - J. dos Santos, Guardado - Vela, Lozano - Chicharito. - Trainer: Juan Carlos Osorio
Schiedsrichter: Alireza Faghani (Iran)

Bisher hat das mit dem Auftaktspiel stets so prima geklappt, dass ein englischer Journalist den Bundestrainer bei der Pressekonferenz sehr eindringlich fragte, wie die Deutschen das denn immer hinkriegten. Löw überlegte kurz und erzählte dann was von Vorbereitung und davon, dass man in Kauf nehmen müsse, in Testspielen auch mal nicht so gut auszusehen. Letztlich sei es halt wichtig, zum richtigen Zeitpunkt voll da zu sein: "Das hat auch was mit Mentalität zu tun." Seine Mannschaft habe auch aufgrund ihrer Erfahrung "die Fähigkeit, sich auf den Punkt zu konzentrieren". Um das noch kurz zu referieren: Die Europameisterschaft 2016 begann die DFB-Elf mit einem 2:0 gegen die Ukraine, die WM 2014 in Brasilien mit einem 4:0 gegen Portugal, die EM 2012 in Polen und der Ukraine mit einem 1:0 gegen den gleichen Gegner. Bei der WM 2010 in Südafrika gab's ein 4:0 gegen Australien, bei der EM 2008 ein 2:0 gegen Polen und bei der WM 2006, da war Löw noch Jürgen Klinsmanns Assistent, ein 4:2 gegen Costa Rica. Kurzum: Bei den jüngsten drei Weltmeisterschaften hat die deutsche Mannschaft stets vier Tore im ersten Spiel erzielt. Das dürfte auch heute reichen.

Wie ist die Ausgangslage?

Grundsätzlich ist es so, dass die DFB-Elf als amtierender Titelträger ins Rennen geht und sich fest vorgenommen hat, Russland nach dem Endspiel am 15. Juli auch als Weltmeister zu verlassen. Aber langsam, erst einmal heißt der Gegner Mexiko, dann folgen am 23. Juni in Sotschi und am 27. Juni in Kasan die Partien gegen Schweden und Südkorea. Grundsätzlich stellt sich auch die Frage, ob diese Mannschaft von 2018 nun besser ist als 2014 - oder eben nicht. Und? Einerseits haben nach dem Triumph von Rio einige aufgehört, die in Brasilien noch zu den Stützen gehörten, allen voran Philipp Lahm. Auch Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Per Mertesacker sind nicht mehr dabei. Andererseits bilden mit Torhüter Manuel Neuer, den Verteidigern Mats Hummels und Jérôme Boateng, den Mittelfeldspielern Toni Kroos, Sami Khedira, Thomas Müller und Mesut Özil immer noch sieben Weltmeister das Gerüst des Teams. Und Marco Reus hat es tatsächlich zur WM geschafft, nach vielen Verletzungen steht er mit 29 Jahren vor seinem Debüt. Er könnte zu einem avancieren, der die Mannschaft tatsächlich besser macht. Die Zweifel aber scheinen im Moment zu überwiegen: Ist Neuer nach seiner langen, verletzungsbedingten Abstinenz tatsächlich wieder so gut wie früher? Verleiht Rechtsverteidiger Joshua Kimmich bei allem Offensivdrang der Abwehr schon mit seinen 23 Jahren so viel Stabilität wie einst Lahm? Kann sich der 22 Jahre alte Angreifer Timo Werner auf internationalem Niveau durchsetzen? Und nicht zuletzt: Wie sehr belastet die Affäre um Özil und Gündogan das Team? Das Auftaktspiel wird nicht gleich alle Fragen beantworten. Aber vielleicht liefert es ja erste Hinweise.

Wie ist die DFB-Elf drauf?

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Und Anpfiff!

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Bevor Julian Draxler sich vor Kichern kaum noch einkriegte, weil ein mexikanischer Journalist von ihm eine Einschätzung der jetzt schon legendären Teamparty ("escortas incluidos!") des Auftaktgegners haben wollte, hatte er kurz und bündig zusammengefasst, was die Kollegen aus der Watutinki-Kommune in den vergangen Tagen auch schon gesagt hatten: "Wir sind fokussiert auf das Turnier. Die Stimmung ist gut." Das gelte auch für Özil, der nach dem jetzt schon berüchtigten Erdogan-Gate weiter schweigt, zumindest, wenn jemand in der Nähe ist, der nicht zur Mannschaft gehört. Draxler nun aber wusste zu berichten: "Mesut ist gut drauf, Mesut ist fröhlich. Er macht viele Witze mit uns und kann es kaum erwarten, dass das Turnier beginnt." Draxler ist auch gut drauf. Das könnte daran liegen, dass Löw ihm einen Startelfplatz versprochen hat. Der Kapitän des Confed-Cup-Siegers von 2017 wird den Job auf der linken offensiven Seite übernehmen. In der Zentrale spricht viel bis alles für den fröhlichen Özil, rechts sollte Thomas Müller auflaufen und Werner gibt den Mittelstürmer. Der Rest ist eh klar: Neuer steht im Tor, Kimmich verteidigt rechts, Hummels und Boateng in der Mitte, Jonas Hector links. Und im defensiven Mittelfeld agieren Kroos und Khedira.

Was machen die Mexikaner?

Nennen Sie es, wie Sie wollen: Orgie oder doch nur eine etwas andere Geburtstagsfeier, wie Stürmer Javier Hernández es im eilig anberaumten Not-Videochat mit den Fans nannte - und angeblich auch vor seiner Frau. Die Abschiedssause der Mexikaner vor der WM hat Schlagzeilen gemacht, ihr kolumbianischer Trainer Juan Carlos Osorio mochte sich in Moskau aber nicht mehr damit aufhalten. Er schwenkte vor dem Auftaktspiel gegen den Weltmeister zum Thema wahre Leidenschaft um: "Man muss vor allem die Liebe zum Sieg entwickeln und nicht die Angst vor der Niederlage", wurde der im eigenen Land wohl unbeliebteste der 32 WM-Trainer im Luschniki fast philosophisch. Heißt pragmatisch: "Wir werden nicht die Art und Weise verändern, wie wir denken." Wie Mexiko Fußball denkt, durften die DFB-Kicker vor einem Jahr im Halbfinale des Confed Cups bestaunen. Sie wurden schwindelig gespielt, was Kimmich noch sehr präsent ist. Wie? Indem Sie ihm den Witz erzählen, mit dem sich mexikanische Fans in Moskau derzeit Mut machen: Wenn es acht ihrer Spieler mit 30 Eskortdamen aufnehmen können, was soll da gegen elf Deutsche schon schief gehen?

War sonst noch was?

Die deutsche Startwucht haben wir ja oben schon erwähnt, in Zahlen für Weltmeisterschaften zusammengefasst lautet sie: Seit der Auftakt-Blamage 1982 gegen Algerien ist das DFB-Team in Spiel 1 ungeschlagen und unschlagbar torhungrig mit im Schnitt 3,5 Toren pro Partie. Und Mexiko? Benötigte 56 Jahre, um überhaupt mal ein Auftaktspiel zu gewinnen. Erst 1986 glückte im neunten Anlauf ein 2:1 gegen Belgien. Seit 1998 lautet die Startbilanz allerdings: 4 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage. Dafür leidet Mexiko jetzt an zwei neuen WM-Traumata: dem Achtelfinal-Fluch, der sechsmal in Folge zuschlug. Und der Deutschland-Phobie: in elf Versuchen gelang erst ein Sieg - und bei Weltturnieren in drei Spielen noch keiner. Tja.

Quelle: n-tv.de

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